Der 31. Dezember 1105. Absetzung Heinrichs IV. in Ingelheim

Am 31. Dezember 1105 wurde Kaiser Heinrich IV. in Ingelheim von seinem Sohn Heinrich V. abgesetzt, nachdem seine Herrschaft, die er im Alter von sechs Jahren angetreten hatte, durch Auseinandersetzungen mit der Fürstenopposition und der römischen Kirche geprägt war. Die Gegensätze mit Papst Gregor VII. die vor allem die Laieninvestitur betrafen, führten zur Exkommunikation des Königs und zum Gang nach Canossa, womit die Streitigkeiten mit Rom allerdings nicht beendet werden konnten. Auch die Bemühungen Heinrichs IV., die Rechte der Krone gegen den erstarkten fürstlichen Partikularismus zu wahren und zu behaupten, scheiterten. Es war ihm nicht gelungen, das Verhältnis zwischen Königtum und Fürsten auf eine dauerhafte tragfähige Basis zu stellen.

Heinrich IV. war der einzige überlebende Sohn Kaiser Heinrichs III., der bereits mit Alter von 39 Jahren am 5. Oktober 1056 starb. Der am 11. November 1050 geborene Sohn war Anfang November 1053 in Tribur zum König gewählt und im Juli 1054 in Aachen vom Kölner Erzbischof Hermann gekrönt worden. Heinrich III. hatte auf seinem Sterbebett die anwesenden weltlichen und geistlichen Großen noch einmal auf seinen Sohn verpflichtet und ihn dem besonderen Schutz von Papst Viktor II. anvertraut, der zugleich noch Reichsbischof war. Der Papst konnte aber noch die Königsherrschaft Heinrichs IV. und auch die Regentschaft der Kaiserwitwe Agnes von Poitou vorbereiten, indem er sich mit der Witwe und dem kleinen Heinrich auf den Königsumritt begab. In Aachen setzte der Papst den kleinen König auf den Thron Karls des Großen und dokumentierte damit den Beginn der Herrschaft des neuen Königs.

Der frühe Tod des Vaters und die intensive Unterstützung durch den Papst stand am Anfang der Herrschaft Heinrichs IV., die von den Kämpfen zwischen Kaiser und Papst bzw. zwischen den Fürsten und dem König geprägt war und in Ingelheim unter dramatischen Umständen beendet wurde. Bereits in den letzten Regierungsjahren Heinrichs III. hatten sich die Krisen angedeutet, die unter Heinrich IV. ihre ganze Tragweite zeigten. In Sachsen, Lothringen und Bayern hatte sich eine Gruppe einflussreicher Adliger gegen den König verbündet. Obwohl es Papst Viktor II. gelang, einen Ausgleich mit Lothringen und Bayern herbeizuführen, blieb der Konflikt mit Sachsen bestehen. Dies waren die Vorzeichen unter denen die Regentschaft der Mutter Heinrichs IV., Agnes, stand, die durch einen Staatsstreich Anfang April 1062 beendet wurde. Erzbischof Anno von Köln, Herzog Otto von Bayern und Ekbert von Braunschweig entführten den zwölfjährigen König, worauf sich seine Mutter von der Regierung zurückzog. Anno von Köln und später auch Erzbischof Adalbert von Bremen übernahmen die Regierungsgeschäfte und die Erziehung des jungen Königs. Im Frühjahr 1065 wurde Heinrich IV. schließlich mündig erklärt und begann seine selbständige Regierung, die allerdings von Anfang an unter keinen guten Vorzeichen stand.

Die schweren Auseinandersetzungen mit den Fürsten gehörten zur Tagesordnung. Der Schwerpunkt des Widerstandes und der Konfrontation lag allerdings nach wie vor in Sachsen. Die Bemühungen Heinrichs, die königlichen Besitzrechte konsequent durchzusetzen und durch den Bau von Burgen zu schützen, führten im Sommer 1073 zum Aufstand des sächsischen Adels. Heinrich wurde auf der Harzburg eingeschlossen und konnte nur mit Mühe fliehen. Ende des Jahres 1073 fand der König in Worms Zuflucht, nachdem ihm auch die süddeutschen Fürsten ihre Unterstützung verweigert hatten. Als es zur Schändung der Kirche der Harzburg kam, leitete Heinrich IV. daraus das Recht ab, den Heerbann gegen die Sachsen aufzubieten. Nun mit der Unterstützung der süddeutschen Fürsten konnte er die Sachsen am 9. Juni 1075 bei Homburg an der Unstrut vernichtend schlagen und die bedingungslose Kapitulation erreichen. In Goslar wurde Weihnachten 1075 der am 12. Februar 1074 geborene Sohn Heinrichs IV., Konrad, zum zukünftigen König ernannt. Die Dynastie und die Herrschaft im Reich schienen jetzt auf sicheren Boden zu stehen.

Vor allem bekannt ist Heinrich IV. aber durch den Investiturstreit mit Gregor III.. Im April 1073 war der Archidiakon Hildebrand zum Papst erhoben worden und nahm den Namen Gregor VII. an. Er betonte das Recht der römischen Kirche, Kaiser abzusetzen und die Untertanen ungerechter Herrscher von ihrem Treueid zu entbinden. Darüber hinaus wandte er sich entschieden gegen die Laieninvestitur, die Übertragung des Bischofsamtes mit seinen geistlichen und weltlichen Rechten durch den König sowie die Erlangung geistlicher Ämter durch Geldzahlungen. Im Herbst 1075 kam es zwischen diesem Papst und Heinrich IV. zu einer heftigen Konfrontation als der König einen seiner Gefolgsleute zum Bischof von Mailand erhob. Der Papst drohte mit Bann und Absetzung, woraufhin der König am 24. Januar 1076 eine Versammlung nach Worms einberief und dem Papst den Gehorsam aufkündigte mit der Begründung, daß dieser sein Amt unrechtmäßig erhalten und die kirchliche Ordnung umgestürzt habe. Die Reaktion des Papstes folgte auf einer Synode in Rom am 15. Februar 1076. In Anwesenheit der Kaiserin Agnes exkommunizierte der Papst den deutschen König, untersagte ihm die Herrschaft über das Reich und löste die Untertanen von ihrem Eid.

Die Tatsache, dass sich die meisten Bischöfe nun ebenfalls gegen den König stellten, wurde dadurch erschwert, das auch der sächsische Widerstand erneut aufflackerte und sich die süddeutschen Fürsten wiederum gegen den König stellten. Heinrich IV. gab schließlich nach und trat im Winter 1077 den berühmten Gang nach Canossa an. Durch seine Buße konnte er den Papst zur Rücknahme des Bannes bewegen, hatte damit aber wie ein gewöhnlicher Laie die Kirchenbuße angenommen und sich ihr unterworfen. Trotz dieser Maßnahme kam es im März 1077 in Forchheim zur Wahl des Gegenkönigs Rudolf von Schwaben, woraufhin Heinrich IV. die beteiligten Herzöge absetzte. In den kriegerischen Auseinandersetzungen der folgenden Jahre konnte er über Rudolf triumphieren, der in der Entscheidungsschlacht am 15. Oktober 1080 starb. Der folgende Zug nach Rom führte Anfang 1084 zur Absetzung Gregor VII. und die Kaiserkrönung Heinrichs durch den neuen Papst Clemens III.

In Deutschland musste Heinrich allerdings erneut um seine Herrschaft kämpfen. Ein im Jahre 1081 erhobener weiterer Gegenkönig, Hermann von Salm, konnte sich zwar nicht durchsetzen, aber die Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern Gregors VII. und Clemens III. gingen heftig weiter und auch in Sachsen flammten die Kämpfe erneut auf. Die letzten 15 Lebensjahre des Kaisers waren dementsprechend von weiteren Auseinandersetzungen geprägt. Seine Söhne Konrad, der 1087 in Aachen gekrönt worden war und Heinrich verbanden sich mit der Fürstenopposition. Im Jahr 1093 ließ sich Konrad in Mailand zum König von Italien krönen und fand die Unterstützung wichtiger oberitalienischer Städte und des Papstes Urban II. Heinrich IV. gelang es auf einem Reichstag in Mainz 1098 Konrad die Nachfolge entziehen zu lassen und seinen zweiten Sohn Heinrich zum Nachfolger auszurufen. Am 6. Januar 1099 wurde Heinrich V. in Aachen zum König gekrönt. Nachdem Heinrich IV. auch durch die Ankündigung einer Bußwallfahrt und dem Erlass eines Landfriedens versucht hatte, seine Herrschaft zu stabilisieren, sagte sich Ende 1104 Heinrich V. von seinem Vater los und stellte sich an die Spitze der fürstlichen Opposition. Mit einer List gelang es dem Sohn den Kaiser in der Burg Böckelheim an der Nahe gefangenzusetzen und zwang ihn schließlich auf dem Reichstag in Ingelheim am 31. 12. 1105 zur Abdankung. Wenig später gelang Heinrich IV. die Flucht, woraufhin er versuchte, mit Hilfe der rheinischen Städte erneut ein Heer aufzustellen. Bevor es aber zu dem Kampf gegen den eigenen Sohn kommen konnte, starb der Kaiser am 7. August 1106.

Quellen

Literatur

  • E. Boshof: Heinrich IV. Herrscher an einer Zeitenwende, Göttingen 1990
  • St. Jakobs: Die Fürstenopposition gegen Heinrich IV. in Deutschland. Ihre ideologischen Positionen und ihre Motive im jeweiligen Zeitkontext, Trier 1993
  • W. Hartmann: Heinrich IV. (1054-1106), in: Krönungen. Könige in Aachen - Geschichte und Mythos, Katalog der Ausstellung, hg. v. M. Kramp, Mainz 2000, S. 303 - 311.
  • W. Hartmann: Der Investiturstreit, München 1996
  • T. Struve: Heinrich IV. Die Behauptung einer Persönlichkeit im Zeichen der Krise, in: Frümittelalterliche Studien 21, 1987, S. 318 - 345
  • St. Weinfurter: Herrschaft und Reich der Salier. Grundlinien einer Umbruchzeit, Sigmaringen 1991
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