Der 31. Oktober 1926. Reformationsjubiläum in Meisenheim

Am 31. Oktober 1926 feierte die Stadt Meisenheim am Glan ihr 400-jähriges Reformationsjubiläum. Die Stadt mit ihrer interessanten und nicht unbedeutenden Geschichte ist eine der ältesten evangelischen Gemeinden der Rheinprovinz. Ein Mitglied des Johanniterkonvents der Stadt, Nicolaus Faber, der 1520 nach Wittenberg zum Theologiestudium geschickt worden war, brachte die Lehren Martin Luthers in seine Heimat. Mit der Unterstützung des Landesherrn verbreitete Faber die Reformation, die sich ohne nennenswerte Auseinandersetzungen durchsetzte. Während der Jubiläumsfeierlichkeiten 400 Jahre später wurde mit berechtigtem Stolz auf diese Anfänge der Reformation zurückgeblickt, die die weitere Geschichte des Ortes bis in die Gegenwart geprägt haben.  

Meisenheim, "die schöne Stadt am Glan" liegt am nördlichen Rand des Westpfälzer Berglandes im Kreis Bad Kreuznach. Der heute 3.420 Einwohner zählende Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde kann auf eine interessante und nicht unbedeutende Geschichte zurückblicken, die sich bis heute in den Gebäuden der malerischen historischen Altstadt widerspiegelt. Gegründet wurde der Ort wahrscheinlich als fränkische Siedlung im siebten Jahrhundert, eine erste urkundliche Erwähnung von "Meysinheim" liegt aus dem Jahre 1154 vor. Die Grafen von Veldenz bauten im zwölften Jahrhundert auf dem heutigen Schlossplatz eine Burg und erhoben den kleinen Ort zu ihrer Residenz. Nach der Verleihung der Stadtrechte im Jahre 1315 wurden die Befestigungsanlagen errichtet, die zum Teil bis heute erhalten geblieben sind. Nachdem die männliche Linie des Hauses Veldenz im Jahre 1444 ausgestorben war, ging die Stadt in den Besitz der Wittelsbacher über und wurde Bestandteil des neugegründeten Herzogtums Pfalz-Zweibrücken. Als Oberamtsstadt und Mittelpunkt des nördlichen Teils des Herzogtums machte Meisenheim der eigentlichen Residenz Zweibrücken lange Zeit erfolgreich Konkurrenz. Von dieser Blütezeit in der Geschichte der Stadt zeugt bis heute das Wahrzeichen Meisenheims, die spätgotische Schlosskirche, die von 1479 bis 1504 erbaut wurde.

Am 25. Januar 1525 löste sich das Johanniterkonvent auf und verzichtete auf seine Rechte innerhalb der Stadt bzw. übergab sie an den Herzog, womit "die Reformation in Meisenheim endgültig d. h. auch vermögensrechtlich durchgeführt" wurde. Einen Höhepunkt in der Geschichte der Stadt bildete die Herrschaft des Herzogs Wolfgang in den Jahren 1544 bis 1569. Er schuf mit der Förderung des Moscheler Silberbergbaus und der Einrichtung der Meisenheimer Münzstätte im Jahre 1564 nicht nur die Voraussetzungen für den Wohlstand der Stadt und der Region, sondern "legte mit seiner Kirchenordnung des Jahres 1557 das Fundament einer evangelischen Landeskirche", das die Höhen und Tiefen der Geschichte des Ortes überstand und bis heute die Grundlage für die "konfessionelle Landschaft des Ortes" bildet.

Die Jubiläumsfeier, "eine eindrucksvolle Gedächtnisfeier zur Entstehung der evangelischen Gemeinde" fand unter lebhafter Beteiligung der Bevölkerung Meisenheims und zahlreicher namhafter Gäste in der Schlosskirche und auf ihrem Vorplatz statt. Neben einer von Kindern gestalteten Feier, die am Morgen auf dem Vorplatz der Kirche durchgeführt wurde, erinnerten zwei Gottesdienste um 4 Uhr nachmittags und um 8 Uhr abends an die Geschichte der evangelischen Gemeinde Meisenheim. Das Schlusswort für diese Veranstaltungen sprach der damalige Pastor Weber. "Er betonte, es sei keine prunkvolle Feier, der wir heute beiwohnten, eine solche entspreche nicht dem inneren Wesen des Evangeliums. Seine Ansprache klang aus in Dankesworte an alle, die geholfen das Fest vorzubereiten. [...] Unser Dank aber müsse letzten Endes zurückgehen auf Gott, der uns die starken Persönlichkeiten der Reformation geschenkt. [...] Die Feier nahm ihr Ende mit Luthers Schutz- und Trutzlied, sie wird jedem Teilnehmer eine gesegnete, weihevolle Erinnerung fürs Leben bleiben."

Quellen

Literatur

  • C. P. Adams: Kirche und Stadt Meisenheim (Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte, Bd. 5, Köln 1978    
  • G. F. Anthes, M. Lurz (Hg.): Meisenheim. Studien zu Natur, Geschichte und Kunst, 2. Bde. Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Bad Kreuznach, Bd. 18/1984, Meisenheim 1984
  • Fr. Coerper: Nachrichten über die evangelische Gemeinde Meisenheim und deren Schloß- und Johanniskirche zusammengestellt zur Erinnerung an die Restauration der letzteren, Meisenheim 1880
  • K. Drescher: Geschichte der Stadt Meisenheim, in: Naheland-Kalender, 1968, S. 82 - 86
  • Illustrierte Geschichte der Stadt Meisenheim am Glan. Die Grundtatsachen der Stadtgeschichte in Wort und Bild, Meisenheim 1940
  • Internetangebot der Verbandsgemeinde Meisenheim. www.meisenheim.de
  • G. Lüttgert: Die Evangelische Kirchenverfassung in Rheinland und Westfalen nach ihrer geschichtlichen Entwicklung, Gütersloh 1905
  • Meisenheim. Die schöne Stadt am Glan, Meisenheim 1969
  • F. Wernigk: Die Stadt Meisenheim. Zum sechshundertjährigen Jubiläum der Verleihung der Stadtrechte, Meisenheim 1914

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