Der 31. Mai 1802. Die Verhaftung des Schinderhannes

Johannes Bückler, genannt Schinderhannes, hatte in seiner relativ kurzen kriminellen Karriere zwischen 1795 und 1802 gemeinsam mit seinen wechselnden Bandenmitgliedern mindestens 211 Delikte verübt. Anfang des 19. Jahrhunderts zeigten die neuen Strategien der Behörden gegen die Bandenkriminalität erste Erfolge. Bückler, dem bereits zu Lebzeiten der Mythos des edlen und mutigen Räuberhauptmanns anhaftete, wurde auf dem vermeintlich sicheren rechten Rheinufer verhaftet. Seine wahre Identität konnte erst Tage später ermittelt werden. Nach umfangreichen Verhören und einem Prozess, der sehr viel Aufsehen erregte, wurde der Schinderhannes am 21. November 1803 vor 15.000 Zuschauern in Mainz hingerichtet. Als Bestandteil der Ausstellung "Unrecht und Recht. Kriminalität und Gesellschaft im Wandel von 1500 bis 2000" wird der Schinderhannes als einer der bekanntesten Vertreter der Bandenkriminalität im Gebiet der heutigen Bundesländer Rheinland- Pfalz und Saarland neben vielen anderen Aspekten der Kriminalgeschichte ab 17. September 2002 in Trier vorgestellt und erläutert werden.  

Eine der interessantesten Zeitabschnitte in der Geschichte des deutschen Räuberwesens liegt zwischen 1780 und 1813/15. Die in dieser Zeit bestehenden politischen Verhältnisse und die territoriale Zersplitterung des alten Reiches begünstigten die Entstehung der Banden und ihres grenzüberschreitenden Vorgehens. Die Phase der kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem revolutionären bzw. dem napoleonischen Frankreich führten Ende des 18. Jahrhunderts schließlich zu einer Auflösung der bestehenden Strukturen. Seit 1792 hielten französische Truppen das gesamte linksrheinische Gebiet besetzt. In diese Zeit fiel der Beginn der kriminellen Karriere des Schinderhannes. Vor allem kleinere Vieh- und Lebensmitteldiebstähle, die der Eigenversorgung dienten, wurden in dieser Phase von Bückler und seinen wechselnden Kumpanen verübt. Seit 1798 gehörten auch Mord, Raub und zahlreiche Überfälle zum Programm des Schinderhannes. In der relativ kurzen Zeitspanne zwischen 1795 und 1802, in der Johannes Bückler bzw. seine Bandenmitglieder aktiv waren, begingen sie mindestens 211 Delikte.

Die Wende erfolgte Anfang des 19. Jahrhunderts . Die Obrigkeit, deren Versuche, gegen das Räuberwesen vorzugehen, bis dahin wenig Erfolg gezeigt hatten, entwickelte neue Strategien. Durch massive Polizeistreifen und eine enge Zusammenarbeit mit den benachbarten Territorien, die eine Verfolgung über Grenzen hinweg möglich machte, wurde der Fahndungsdruck auf die Bande deutlich erhöht. Schnell zeigten sich die ersten Ergebnisse. Einzelne Bandenmitglieder wurden festgenommen und der Schinderhannes sah sich in seinem "Wirkungskreis" mehr und mehr eingeschränkt. Bückler setzte sich deshalb auf das vermeintlich sichere rechte Rheinufer ab. Hier wurde bei Tagesanbruch des 31. Mai 1802 eine Polizeistreife des kurtrierischen Hofgerichtsrats und Amtverwalters von Limburg Fuchs auf den meistgesuchtesten Räuber der Region aufmerksam. Ein Protokoll der Verhaftung beschreibt die Ereignisse. "Als er [Fuchs] ungefähr noch eine Viertelstunde von Wolfenhausen war, sah er 300 Schritte links außer der Straße einen Menschen an einem Kornfelde herausgehen, der ihm fremd zu sein schien. Er nähert sich ihm bis auf 10 Schritte, winkt ihm heranzukommen. Der Fremde folgt mit Anstand. Er war gut gekleidet, hatte einen runden Hut auf, die vordern Haare hingen die Stirne herab bis auf die Augen, die hintern Haare waren in einem kurz gestutzten Zopf gebunden, der Backenbart lief ihm von den Ohren unter dem Kinn bis an den Hals fort. ... Herr Fuchs fragte den Fremden, wo er her wäre und was er hier zu thun hätte; er antwortete, er sey aus der Wilbach und wolle zu Wolfenhausen Ziegel kaufen, dort oben , auf einen Ort zeigend, habe er seine Fuhr stehen." Fuchs glaubte den Angaben nicht und verhaftete den Verdächtigen, ohne seine wahre Identität erkannt zu haben.

Quellen

Literatur

  • N. Finzsch: Obrigkeit und Unterschichten. Zur Geschichte der rheinischen Unterschichten gegen Ende des 18. Jahrhunderts und zu Beginn des 19. Jahrhunderts, Stuttgart 1990   
  • M. Franke: Schinderhannes. Das kurze wilde Leben des Johannes Bückler, neu erzählt nach alten Protokollen, Briefen und Zeitungsberichten, Hildesheim 1993
  • C. Küther: Räuber und Gauner in Deutschland. Das organisierte Bandenwesen im 18. und frühen 19. Jahrhundert, Göttingen 1976
  • K. Lange: Gesellschaft und Kriminalität. Räuberbanden im 18. und frühen 19. Jahrhundert, Frankfurt u. a. 1994
  • H. Mathy: Der Schinderhannes. Zwischen Mutmaßungen und Erkenntnissen, Mainz 1989
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