Der 30. Oktober 1954. Rund um Boppard

Regionale Wochenzeitungen wie die Wochenzeitung "Rund um Boppard", die die Bürgerinnen und Bürger Boppards und seiner Umgebung nicht nur informieren, sondern auch unterhalten sollten, sind damit auch 50 Jahre nach ihrem ersten Erscheinen ein Spiegel des alltäglichen Lebens der Menschen in der Rheinstadt. Ein Blick auf die Ausgabe vom 30. Oktober 1954 zeigt, was die Menschen vor 50 Jahren bewegte, amüsierte und ärgerte.  

Kopf der Zeitung Rund um Boppard, 1954
(LHAKo Bestand 713, Nr. 37)

Seit dem ersten Erscheinen am 20. März 1954 war das vielfältige Angebot der lokalen Wochenzeitung, die auch als amtliches Bekanntmachungsorgan konzipiert war, zu einem festen Bestandteil der örtlichen Berichterstattung geworden. Die Entstehung des "ortsgebundenen Nachrichtenblattes" wurde allgemein begrüßt und positiv bewertet, so dass sich das Blatt zu einer wichtigen Institution des öffentlichen Lebens entwickeln konnte.

Dies war in der Ausgabe vom 30. Oktober 1954 bereits deutlich spürbar, die mit einem ausführlichen Artikel zum Weltspartag 1954 titelte. "Sparen und Verbrauchen - unter diesem Motto sind in der letzten Zeit immer wieder wirtschaftspolitische Diskussionen geführt worden, die des Öfteren erkennen ließen, daß es offenbar nicht einfach ist, wirtschaftliche Gedankengänge bis zum Ende durchzudenken. Wer sich um ein solches ernsthaftes Durchdenken bemüht, der wird nämlich alsbald merken, daß die Fragestellung mit dem Wörtlein "oder" in der Mitte schon als solche verkehrt ist. ... Sparen bedeutet Übertragung von Kaufkraft, nicht aber ihre Stillegung." Dementsprechend kommt der Artikel, in dem versucht wird, dem Leser die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge der jungen deutschen Republik zu verdeutlichen, zu dem Fazit: "Die Bürgertugend des Sparens ist so wichtig und so nützlich wie je zuvor." Ebenfalls auf der Titelseite der Wochenzeitung ist die Berichterstattung über die Verabschiedung von Pater Volk zu finden, der als Missionar einen neuen Tätigkeitsbereich in Windhuk, in Südwestafrika erhielt. Vor seiner Abreise am 1. November wurde er von der katholischen Pfarrgemeinde Boppard verabschiedet. "Umrahmt wurde die Feier von Gesangs- und Musikvorträgen des Kirchenchors "Cäcilia" und des neu gegründeten Blasorchesters der Kolpingfamilie."

Auch die Geschichte eines "unbeachteten Gedenksteins" findet in dieser Ausgabe der lokalen Wochenzeitung breiten Raum. Der Gedenkstein, dessen Standort genau beschrieben wurde, ist mit einer Inschrift versehen, die an einen tödlichen Unfall am 22. Mai 1826 erinnert. Jakob Just, Pastor von Oberfell, war an diesem Tag bei Boppard auf der Landstraße verunglückt. Die ausführliche Deutung und Beschreibung des Gedenksteins wird in dem Artikel wird mit der Aufforderung verbunden, dem Stein eine größere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, als dies in der Vergangenheit der Fall gewesen war. Neben den kirchlichen und amtlichen Bekanntmachungen wurden den Lesern auf den nächsten Seiten auch ein Veranstaltungskalender, die standesamtlichen Nachrichten und eine Liste der Namen einiger Besucher der Stadt geboten. Insgesamt konnte für den Monat September ein "gutes Übernachtungsergebnis festgestellt werden." Es wurden 6.974 Besucher aus dem In- und Ausland mit 26.273 Übernachtungen gezählt.

Nicht unerwähnt bleiben darf die Rubrik mit dem Titel "Die spitzen Federn unserer Leser", in der die Leserbriefe auf Problemlagen in der Stadt hinwiesen. In dieser Ausgabe lag der Schwerpunkt auf den notwendigen Schutzmaßnahmen der Fußgänger vor den "wilden Kraftfahrern". Das städtische Bauamt nahm zu den Vorschlägen der Bürger in der gleichen Ausgabe Stellung, so dass in dem Blatt eine interessante und wichtige öffentliche Diskussion ausgetragen werden konnte, die der Information aller betroffenen Bürger diente. Natürlich kam die Berichterstattung über den "Heimatsport" ebenfalls nicht zu kurz. Den Schwerpunkt bildeten hier die Angaben über die unterschiedlichen Begegnungen im Fußball. Aber auch die Ergebnisse der Stadtmeisterschaften im Schach finden Erwähnung und Berücksichtigung. Die letzten Seiten der Zeitung werden von den Geburtstagsgratulationen für die Mitbürger und Mitbürgerinnen über 80 Jahre, dem Fortsetzungsroman und den unterschiedlichsten Anzeigen dominiert. Die lokale Wochzeitung "Rund um Boppard" präsentiert sich damit als ein wichtiges und unentbehrliches Informations- und Unterhaltungsblatt für die gesamte Region Boppard.

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