Der 29. September 855. Kaiser Lothar I. stirbt im Kloster Prüm

Kaiser Lothar I., ein Enkel Karls des Großen, hatte versucht, die Einheit des Reiches unter seiner Herrschaft aufrecht zu erhalten, war aber in den Auseinandersetzungen mit seinen Brüdern gescheitert, so dass ihm lediglich der Kaisertitel und die Machtbefugnis über das Mittelreich verblieben. Kurz vor seinem Tod teilte er dieses Mittelreich unter seine drei Söhne auf, wendete sich also völlig von dem ursprünglich vertretenen universalen Anspruch ab. Er trat als Mönch in die Abtei Prüm ein, die der Familie des Kaisers eng verbunden war und starb hier am 29. September 855.

Lothar I. wurde im Jahre 795 als ältester Sohn Ludwigs des Frommen (814 - 840) und Enkel Karls des Großen geboren und wuchs wahrscheinlich in Aquitanien auf. Nach dem Regierungsantritt seines Vaters 814 wurde Lothar zunächst ein Jahr später Unterkönig in Bayern. Durch die im Juli 817 in Aachen verkündete "Ordinatio Imperii" war Lothar als Mitkaiser und Nachfolger seines Vaters vorgesehen. Die beiden Brüder, Ludwig der Deutsche und Pippin von Aquitanien hatten die Oberhoheit ihres älteren Bruders anzuerkennen. Seit Herbst 822 war Lothar Regent in Italien, wo er sich bis zum Jahr 825 hauptsächlich aufhielt. Ostern 823 hatte er eine Einladung nach Rom angenommen und sich von Papst Paschalis I. (817 - 824) durch die feierliche Salbung und Krönung bestätigen lassen und damit seine Anwartschaft auf die Nachfolge seines Vaters noch einmal deutlich unterstrichen. Damit traten zum ersten Mal seit 800 Rom und das Kaisertum wieder in unmittelbare Verbindung traten.

Nach dem Tod Ludwigs des Frommen im Jahre 940 beanspruchte Lothar wieder seine vollen Kaiserrechte, die ihm in der Ordinatio von 817 zugebilligt worden waren. Von Italien, wo er seinen Sohn Ludwig II. zurückließ, zog er über die Alpen, um die Nachfolge seines Vaters über das gesamte Reich anzutreten. Dieser Schritt wurde allerdings von den noch lebenden Brüdern Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle als "Invasion des Reiches und als anmaßender Übergriff" gewertet. Die militärische Auseinandersetzung der Brüder gipfelte in der sehr verlustreichen Schlacht bei Fontenoy am 25. Juni 841, die die Niederlage Lothars besiegelte. Im Jahre 842 kam es bei Macon zum Abschluss eines Waffenstillstandes, bei dem Lothar die gleichberechtigte Berücksichtigung bei einer zukünftigen Machtverteilung zugestanden wurde. Ein Jahr später wurde im August der Frieden von Verdun abgeschlossen, der die Teilung des Reiches endgültig regelte. Lothar erhielt den mittleren Teil des Reiches, der sich von der Nordsee bis nach Italien erstreckte. Lothar I. versuchte trotz dieser Reichsteilung weiterhin für die Reichseinheit und den Zusammenhalt der Dynastie einzutreten. Er überließ seinem ältesten Sohn Ludwig II. die Herrschaft in Italien, gab seinen Einfluss aber auch in diesem Teil des Reiches nie ganz auf. Als der 60-jährige Kaiser schwer erkrankte und sich schließlich mit dem nahenden Tod konfrontiert sah, teilte er in völliger Abkehr von seiner einstigen universalen Einheitspolitik sein Mittelreich unter seine drei Söhne auf. Bei Ludwig II. verblieb Italien, Lothar II. erhielt die nördlichen Gebiete und dem jüngsten Sohn Karl wurde ein Gebiet mit dem Schwerpunkt in der Provence übertragen.

Quellen

Literatur

  • M. Knichel: Geschichte der Abtei Prüm bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts, in: Eiflia Sacra. Studien zu einer Klosterlandschaft, hg. v. J. Mötsch und M. Schoebel, Mainz 1999, S. 49 - 78    
  • P. Nau: Die Eifelabtei Prüm. Aufstieg, Glanz und Niedergang einer Benediktinerabtei in der Eifel, in: Vor-Zeiten. Geschichte in Rheinland-Pfalz, hg. v. D. Lau und F.-J. Heyen, Bd. IV, Mainz 1988, S. 47 - 68
  • H. Zielinski: Die Kloster- und Kirchengründungen der Karolinger, in: Beiträge zu Geschichte und Struktur der Mittelalterlichen Germania Sacra, hg. v. I. Crusius, Göttingen 1989, S. 95 - 134

    Nach oben