Der 29. März 1925. Die erste unmittelbare Reichspräsidentenwahl

Am 29. März 1925 wurde nach dem unerwarteten Tod Friedrich Eberts die erste unmittelbare Reichspräsidentenwahl durchgeführt. Aber wie im Reichsdurchschnitt konnte auch im Gebiet des heutigen Bundeslandes Rheinland-Pfalz keiner der sieben Kandidaten die notwendige absolute Mehrheit erreichen. Ein zweiter Wahlgang wurde notwendig. Die Aufstellung Paul von Hindenburgs führte zu einer starken Polarisation innerhalb des Wahlkampfes und zu einem knappen Sieg der Parteien des Rechtsblocks. Obwohl die Ergebnisse der Wahlkreise Koblenz Trier und Rheinpfalz zu Gunsten des Kandidaten Marx ausgefallen waren, wurde durch den Sieg Hindenburgs eine Entwicklung eingeleitet, die letztendlich die nationalsozialistische Herrschaft ermöglichte.

Am 28. Februar erschütterte die Nachricht vom plötzlichen und unerwarteten Tod des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert die junge deutsche Republik. Ebert, der nicht nur einen entscheidenden Anteil an der Entstehung der Republik gehabt hatte, sondern ihre politische Wirklichkeit in wichtigen Punkten geprägt hatte, hinterließ eine Lücke, die durch die erste unmittelbare Reichspräsidentenwahl wieder geschlossen werden musste.

Auf Beschluss des Reichstages vom 9. März 1925 wurde der erste Wahlgang für die Wahl des Reichspräsidenten auf den 29. März terminiert. Sieben Kandidaten standen insgesamt zur Verfügung. Aber auch die intensive Wahlwerbung, die die einzelnen Kandidaten bzw. ihre Parteien auch in den regionalen Zeitungen betrieben hatten, erbrachte kein eindeutiges Ergebnis. Der Kandidat der vereinigten Rechten, der frühere Reichsinnenminister Karl Jarres, konnte zwar fast 39 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigen. Im ersten Wahlgang galt allerdings nur der als gewählt, der eine absolute Mehrheit erreichen konnte. Der Kandidat der SPD, der preußische Ministerpräsident Otto Braun, errang 29 Prozent der Stimmen. Das Zentrum hatte den ehemaligen Reichskanzler Wilhelm Marx aufgestellt, der 14 Prozent erhielt. Die übrigen Stimmen verteilten sich auf die Kandidaten Held (BVP), Hellpach (DDP), Ludendorff (Deutsch-Völkisch bzw. NSDAP), sowie auf den Kandidaten der KPD, Ernst Thälmann.

Der zweite Wahlgang, der aufgrund des Ergebnisses notwendig wurde, sollte am 26. April durchgeführt werden. In diesem Wahlgang war eine relative Stimmenmehrheit für den Sieg eines Kandidaten ausreichend. Bereits im Vorfeld dieser erneuten Wahl gab es heftige Diskussionen über die neuerliche Kandidatenwahl und ihre Aufstellung. DDP und SPD zogen ihre Kandidaten aufgrund ihrer Chancenlosigkeit zurück und forderten ihre Anhänger auf, für Marx zu stimmen. Auch der Block der rechten Parteien erkannte, dass Jarres keine erheblichen Stimmengewinne mehr erwarten konnte, und stellte den zur damaligen Zeit wohl populärsten Mann in Deutschland als Kandidaten auf. Die Beliebtheit des 78-jährigen Generalfeldmarschalls Paul von Hindenburg war trotz Kriegsniederlage und Republik unangetastet geblieben. Nach langen Überredungsbemühungen war es gelungen, den überzeugten Monarchisten, der zurückgezogen in Hannover gelebt hatte, für die Reichspräsidentenwahl zu gewinnen.

Die Taktik des Rechtsblocks ging auf. Mit knappen Vorsprung konnte Hindenburg die Wahl für sich entscheiden. 48,5 Prozent der Stimmen entfielen auf den Generalfeldmarschall, während Marx 45,2 Prozent der Stimmen erhielt. Der Kandidat der KPD, Thälmann, der auch im zweiten Wahlgang wieder aufgestellt worden war, erhielt 6,3 Prozent der Stimmen. Bei deutlich gesteigerter Wahlbeteiligung von 86,3 bzw. 81,2 Prozent fiel das Wahlergebnis in Traben-Trarbach eindeutig zu Gunsten Hindenburgs aus. In Traben erhielt er 969 Stimmen, in Trarbach 805. Auf Marx dagegen entfielen nur 381 und 372 Stimmen. Im Bürgermeisteramt Büdesheim-Mürlenbach dagegen konnte Marx eine eindeutige Mehrheit von 1249 bei 1539 abgegebenen Stimmen erreichen. Im Kreis Meisenheim war allerdings der Vorsprung für Hindenburg wiederum ganz eindeutig. Auf ihn entfielen 5.550 Stimmen, auf Marx lediglich 1.428. Dass diese als Beispiel genannten regionalen Ergebnisse keineswegs repräsentativ waren für das Gebiet an Rhein und Mosel, zeigt das Gesamtergebnis des Wahlkreises 21 Coblenz-Trier. Hindenburg erhielt hier 166.148 Stimmen, Marx 362.724 Stimmen. Auch im Wahlkreis 27 Rheinpfalz lag Marx mit 179.425 Stimmen vor Hindenburg mit 166.818 Stimmen.

Viele sahen in der Wahl Hindenburgs einen schweren Schlag für die deutsche Demokratie. Diese Befürchtungen wurden allerdings durch nichts, was der Reichspräsident in seinen ersten Amtsjahren tat, bestätigt. Erst seit 1930 gingen von Hindenburg die ersten Schritte zur Aushöhlung des parlamentarischen Systems aus, die in der Ernennung Adolfs Hitlers am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler und in der Beteiligung an der Legitimation der Nationalsozialistischen Herrschaft gipfelten. Nach Hindenburgs Tod am 2. August 1934 übernahm Adolf Hitler das Amt des Staatsoberhauptes. Die großen Hoffnungen, die mit der ersten unmittelbaren Reichspräsidentenwahl verknüpft worden waren, mündeten in eines der schrecklichsten Kapitel der deutschen Geschichte.

Quellen

Literatur

  •  G.A. Craig: Deutsche Geschichte 1866-1945. Vom Norddeutschen Bund bis zum Ende des Dritten Reiches, München 1989
  • E.R. Huber: deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789, Bd. VII. Ausbau, Schutz und Untergang der Weimarer Republik, Stuttgart 1984
  • E. Kolb: Die Weimarer Republik. Olden bourg Grundriß der Geschichte. Hg. v. J. Bleicken, L. Gall u. a, Bd. 16, München 1984
  • H. Schulz: Weimar. Deutschland 1917 - 1933. Die Deutschen und ihre Nation, Darmstadt 1982
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