Der 28. Juli 1948. Explosionsunglück bei BASF

Am 28. Juli 1948 kam es in dem Chemiewerk der BASF zu einer Explosion, die für die bisherigen Wiederaufbauleistungen einen deutlichen Rückschlag bedeutete. Mehr als 200 Tote und ca. 3.800 Verletzte waren zu beklagen, 15 % der Produktionsanlagen wurden völlig zerstört. Aber Dank einer überwältigenden Hilfsbereitschaft aus ganz Deutschland und der Unterstützung durch die Besatzungsmächte gelang es relativ schnell, die Schäden zu beseitigen und den Opfern und deren Angehörigen zu helfen. Lediglich über den Verlust der Toten, denen bei den Trauerfeierlichkeiten am 2. August gedacht wurde, konnte niemand hinweghelfen.

Die chemischen Werke in Oppau und Ludwigshafen waren durch den Zweiten Weltkrieg sehr stark geschädigt worden: ein Drittel der 1.470 Gebäude war durch die Luftangriffe völlig zerstört, etwa 60 % teilweise zerstört worden. Große Teile der für die Fabrikation lebensnotwendigen Infrastruktur, wie Wasserversorgung, Kanalisation, Stromversorgung und sämtliche internen Transportsysteme waren in Mitleidenschaft gezogen worden. "Schlimmer war, daß auch viele ihrer hervorragenden Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen ein Opfer des Krieges geworden waren, weil von ihnen die langfristige Lebensfähigkeit des Werkes abhing." Um so bemerkenswerter war es, dass der mühsame Wiederaufbau in relativ kurzer Zeit deutliche Erfolge zeigte. Die Produktionszahlen der beiden Werke begannen bereits in der unmittelbaren Nachkriegszeit deutlich zu steigen, obwohl der ungesicherte Nachschub an Rohstoffen, Zwischenprodukten und Ersatzteilen immer wieder zu Problemen führte. Im Sommer 1948 hatten die Fabrikationsstätten in Ludwigshafen wieder 89 % ihrer Vorkriegskapazität erreicht.

In dieser Situation kam es wenige Wochen nach der Währungsreform am 28. Juli 1948 zu einer verheerenden Explosion im Werk Ludwigshafen, die alle bisherigen Bemühungen um einen schnellen und effektiven Wiederaufbau zunichte machte. "Am Mittwoch, um 15.43 Uhr beginnend, war nacheinander eine Kette von Explosionen in der badischen Anilin- und Sodafabrik Ludwigshafen zu hören. In vielen Orten Rheinhessens flogen die Scheunentore aus den Angeln. Selbst in weit entfernten Orten waren die Explosionen als dumpf rollender Donner zu hören. In Worms bebten die Häuser. Der Explosionsgeruch drang bis nach Frankenthal. Dunkle Chlordämpfe lagerten sich, weithin sichtbar, über Ludwigshafen, wo die Autos nur noch mit Licht verkehren konnten. ... An das Werk grenzende Teile der Stadt sind durch die Gewalt der Explosion stark mitgenommen, die Fensterscheiben in weitem Umkreis zerstört und die Dächer abgedeckt."

Viele Helfer standen allerdings auch unaufgefordert nach kürzester Zeit zur Verfügung. "Während vor den verschlossenen Werkstoren die Angehörigen der im Betrieb Beschäftigten mit verhärmten Gesichtern auf ein Lebenszeichen ihrer Männer, Söhne und Väter warteten, trafen mit Sirenengeheul die Rettungskolonnen ein, Ärzte aus weitem Umkreis, durch den Rundfunk herbeigerufen, Sanitätskolonnen des Internationalen und Deutschen Roten Kreuzes aus der Pfalz, aus Heidelberg, Karlsruhe und von weiter her." Die französische Besatzungsbehörde stellte Truppen und Gendarmerie zum Einsatz zur Verfügung. Die amerikanische Kommandantur in Mannheim beorderte etwa 100 Soldaten und Spezialfahrzeuge an die Unglücksstelle, die sich intensiv an den Bergungsarbeiten beteiligten. Da durch die Explosionen alle Hydranten des Werkes defekt waren, wurden die Löscharbeiten sehr erschwert. "Es musste vom Rhein her eine Wasserleitung mit Blechrohren gelegt werden, was längere Zeit in Anspruch nahm. Nach Fertigstellung wurde durch zwei Löschboote das Wasser vom Rhein aus in das Werk gepumpt und die Löscharbeiten konnten noch im Laufe des späten Nachmittags aufgenommen werden." 

Sofort nach der Katastrophe traf aus dem In- und Ausland eine Flut von Beileidsschreiben ein. Auch ohne den Spendenaufruf der Landesregierung setzte sich eine überwältigende Welle der Unterstützung und Hilfe in Bewegung. Zahlreiche Städte und Landesregierungen stellten finanzielle Mittel als "Ersthilfe" zur Verfügung. Zahlreiche Privatpersonen, Firmen, Organisationen, Behörden und Banken spendeten Geld oder stellten Sachleistungen wie z. B. Lebensmittel, Textilien, Schuhe, Hausrat, Baumaterial oder Medikamente zur Verfügung. Den Kinder der betroffenen Familien konnten längere Ferienaufenthalte auf dem Lande angeboten werden. Die Angehörigen der Opfer erhielten Unterstützungs- und Rentenleistungen. Dank dieser Hilfsbereitschaft konnten die Schäden im Werk und in der Stadt Ludwigshafen schnell wieder beseitigt werden. Aber über den Verlust der Toten konnte niemand hinwegtrösten.

Am 2. August fanden unter großem Interesse der Öffentlichkeit die Trauerfeierlichkeiten zu Ehren der Opfer des Explosionsunglücks statt. Von Mitarbeitern der Firma BASF war auf dem Friedhof ein gemeinsames Grab für ihre Kollegen ausgehoben worden. Nach einer Totenehrung am frühen Morgen fand ab 9:00 Uhr ein Staatsakt auf dem Marktplatz der Stadt Ludwigshafen statt, der sich eine offizielle Trauerfeier auf dem Friedhof um 14:00 Uhr anschloss. Ministerpräsident Altmeier würdigte in seiner Rede die "Hilfsbereitschaft des ganzen deutschen Volkes" und gedachte der Opfer. "Ach, ich weiss, wie wenig Menschentrost vermag, wenn der unerbittliche Tod so unerwartet, wie ein Dieb in der Nacht, die Bande der Liebe zerschneidet, wenn das Herz weint und wenn die zuckenden Lippen ihr schmerzliches und schweres "Herr Dein Wille geschehe" sprechen. Und doch, meine lieben trauernden Angehörigen ! Wir alle, unser ganzes Volk, wir wollen mit Euch trauern, mit Euch verbunden sein. ... Wir trauern mit Euch, wir sorgen mit Euch und wir vergessen Euch und Eure Toten nicht."

Quellen

Literatur

  • W. Abelshauser (Hg.): Die BASF. Eine Unternehmensgeschichte, München 2002    
  • BASF im Bild, Ludwigshafen 1968
  • M.-F. Ludmann-Obier: Die Kontrolle der chemischen Industrie in der französischen Besatzungszone. (Veröffentlichungen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz, Bd. 3), Mainz 1989
  • 125 Jahre BASF. Stationen ihrer Geschichte. Ausstellung im Rathaus Center Ludwigshafen 28. April bis 29. Juni 1990, Ludwigshafen 1990

 

 

    Nach oben