Der 28. Juli 1929. Graf Zeppelin über Trier

Am 28. Juli 1929 konnte sich die alte Römerstadt Trier über ein ganz besonderes Ereignis freuen. Das Luftschiff "Graf Zeppelin" überflog an dem Sonntagvormittag die Stadt während eines Probefluges, der auf einen Amerikaflug vorbereiten sollte. Die Trierer begrüßten das seltene Ereignis voller Begeisterung. Erst im Jahre 1936 wiederholte sich das Schauspiel. In der ereignisreichen aber kurzen Geschichte der Zeppeline ist dies nur eine kleine Episode, die für die Menschen in dem nach dem Ersten Weltkrieg besetzten Gebiet allerdings ein unvergessliches Erlebnis war.

"Die Zeit der lenkbaren Luftschiffe war verhältnismäßig kurz: Sie begann am 24 September 1852 und endete am 6. Mai 1937, dauerte also nicht ganz 85 Jahre." Nach ersten Konstruktionen französischer und deutscher Ingenieure begann sich ein Generalleutnant der württembergischen Armee mit dem Bau der starren lenkbaren Luftschiffe zu befassen. Graf Ferdinand von Zeppelin beschäftigte sich seit seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst 1891 mit diesem Problem. In Zusammenarbeit mit dem Diplomingenieur Theodor Kober verwirklichte er seine Ideen, obwohl eine von Kaiser Wilhelm II. berufene Sachverständigenkommission das Projekt für undurchführbar erklärte. Im Jahre 1898 wurde der erste Zeppelin gebaut, der schon die typischen Merkmale aller Nachfolgemodelle aufwies. Das Luftschiff, das durch ein Leichtmetallgerüst versteift wurde, war 128 m lang und hatte einen Gasinhalt von 11.300 Kubikmetern.

Obwohl zahlreiche Unfälle der nachfolgenden Zeppeline immer wieder zu Rückschlägen führten, gelang der Durchbruch der lenkbaren Luftschifffahrt. Eine "Nationalspende des deutschen Volkes", die über 5,5 Millionen Mark einbrachte, ermöglichte es Zeppelin schließlich, seine Arbeiten fortzuführen. Im Jahre 1909 gründete der Graf die GmbH "Luftschiffbau Zeppelin". Ein regulärer Luftschiffverkehr wurde eingerichtet. Bis 1914 beförderte die Delag, die Deutsche Luftschiffahrts AG, mit sieben Luftschiffen ohne Unfälle insgesamt 34.028 Personen auf 1.588 Fahrten. Das während des Ersten Weltkrieges immer mehr in den Vordergrund tretende Flugzeug war noch keine ernsthafte Konkurrenz für die Luftschifffahrt. Aber die Hoffnungen, die das deutsche Militär im Ersten Weltkrieg auf die Wunderwaffe Zeppelin setzte, wurden weitgehend enttäuscht. Der Einsatz der Luftschiffe war zu sehr vom Wetter abhängig und es zeigte sich sehr schnell, das die Zeppeline den Jagdflugzeugen, denen sie nicht ausweichen konnten, ein zu großes Ziel boten. Das Ende des Krieges erlebte Graf Ferdinand von Zeppelin nicht mehr. Er starb am 8. März 1917 in Berlin.

Auch die Bevölkerung der Gebiete des heutigen Bundeslandes Rheinland-Pfalz, die nach dem Ende des Ersten Weltkrieges besetzt waren, zeigte die gleiche Begeisterung wie das übrige Deutschland. So ist es nicht verwunderlich, dass der Flug des "Grafen Zeppelin" am 28. Juli 1929 über Trier einen breiten Raum in den Tageszeitungen einnahm. Die 26. Probefahrt des Zeppelins nach seinem ersten Start am 18. September 1928 wurde im "Trierischen Volksfreund" vom 26. Juli 1929 angekündigt. "Nach nunmehr bereits siebenwöchiger Fahrtunterbrechung, sowie vollständiger Überholung der fünf Maybach Motoren ... wird das Luftschiff "Graf Zeppelin" am morgigen Freitag zu seinen ersten Probefahrten aufsteigen. Die erste von ihnen wird eine kurze sein, die sich hauptsächlich als Werkstättenfahrt über dem Bodensee erstrecken soll und die etwa zwei Stunden in Anspruch nehmen dürfte. Nach einer Zwischenlandung auf dem Fluggelände in Friedrichshafen, wird eine längere etwa 12-stündige Probefahrt folgen. ... Die Fahrt wird in das besetzte Gebiet führen. Diese Probefahrten sollen der Auftakt für die Amerika- und Weltfahrt sein."

Am 28. Juli war es dann schließlich so weit. Auf Bitten der Stadtverwaltung überflog der Zeppelin die alte Römerstadt Trier auf seinem Flug über das besetzte Gebiet und löste damit einen Sturm der Begeisterung aus. Der "Trierische Volksfreund" berichtete am 29. Juli über das sonntägliche Ereignis. "Die Fahnen wehen in der zagen Sonntagsmittagssonne. Plötzlich durchzittert ein dumpfes Summen den blaugrauen Himmel. Näher und näher kommt das Brausen. Und plötzlich erscheint in der Mittagssonne gewaltig und riesengroß "Graf Zeppelin". Gerade öffnen sich die Tore des Domes und eine unzählbare Schar flutet auf den Domfreihof. Über ihren Häuptern zieht ehern und ruhig das gewaltige Luftschiff seinen Weg. Man möchte jauchzen vor Freude und Begeisterung, doch was ist das nur? Es würgt in der Kehle, und man möchte lachen und weinen. Stumm und ergriffen stehen Tausende auf Domfreihof und Hauptmarkt. Plötzlich löst sich ein schwacher Jubelschrei. ... "Graf Zeppelin" über Trier. Stolz schwellt die Brust. ... Sein Besuch war uns ein Zeichen, ein Bruderkuß vom unbesetzten Deutschland, ein Hoffnungszeichen auf bessere Tage."  

Der Zeppelin kehrte tatsächlich wieder. Allerdings als Verkünder einer ganz anderen Botschaft. Die beiden Luftschiffe "Graf Zeppelin" und die 248 m lange LZ 129, die den Namen Hindenburgs trug, wurden für die massive Wahlwerbung des Nationalsozialisten eingesetzt und überflogen am 29. März, dem Wahltag des Jahres 1936, die deutschen Städte u. a. auch Koblenz und Trier. Bald nach diesem weiteren "Zeppelinereignis" kam das plötzliche Ende der lenkbaren Luftschifffahrt. Nach 1930 war ein regelmäßiger Luftschiffverkehr nach Amerika eingerichtet worden. Zehntausende von Passagieren hatten diese Route genutzt, bis es am 6. Mai 1937 bei der Landung der Hindenburg in Lakehurst zu einem tragischen Unglück kam. Die Hindenburg geriet in Brand. 25 Passagiere und Besatzungsmitglieder fanden in dem Flammenmeer den Tod. Diese Katastrophe und der wenig später einsetzende Zweite Weltkrieg bedeuteten das endgültige Ende der Luftschifffahrt in ihrer bisherigen Form. Zwar wurde die LZ 130 1938 noch fertiggestellt, doch kam ihr Betrieb über einige Probefahrten nicht hinaus.

Quellen

Literatur

  • G. Brach: Graf Zeppelin über Trier am 28. Juli 1929 und am 30. März 1936, in: Neues Trierisches Jahrbuch 1980, hg. v. Verein Trierisch e. V., Trier 1980, S. 53 - 58    
  • K. Grieder: Zeppeline. Giganten der Lüfte. Die große Zeit der Luftschiffe, Zürich 1971
  • E. Zenz: Geschichte der Stadt Trier in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Bd. 2. 1914 - 1927, Trier 1971, S. 51 - 53
  • Zeppeline und Post. Ein Ausstellung des Bundespostmuseums Frankfurt am Main, Frankfurt a. M 1987

 

 

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