Der 28. Juni 1952. Jahreshauptversammlung des Rheinischen Heimatbundes und des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz in Trier

Am 28. Juni 1952 begann der Heimattag in Trier. Für die alte deutsche Grenzstadt, die durch den Zweiten Weltkrieg schwer in Mitleidenschaft gezogen worden war, bedeuteten die vielfältigen Tagungen und Veranstaltungen, die zu diesem Anlass durchgeführt wurden und mehr als 700 Gäste in die Stadt brachten, die beste Gelegenheit, die Situation und die Probleme der Stadt in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zu stellen. Namhafte Politiker der Bundesregierung und der Länder Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen nahmen an den Veranstaltungen teil, so dass bei der Abschlussveranstaltung am 29. Juni vor der Porta Nigra auch aktuelle deutschlandpolitische Fragen angesprochen wurden.

"Trier begrüßt in diesen Tagen die Heimatfreunde des ganzen Rheinlands in seinen ehrwürdigen Mauern. Es ist das erste Mal nach dem Kriege, daß die beiden großen Heimatschutzorganisationen, der "Rheinische Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz" und der "Rheinische Heimatbund", dessen Vorsitzender Ministerpräsident Arnold ist, über das Gebiet Nordrhein-Westfalens hinaus auch in den rheinischen Teil von Rheinland-Pfalz (der früher als ein Teil der Rheinprovinz ganz selbstverständlich dazugehörte) übergreifen. Die Bedeutung dieser Tage wird durch die Anwesenheit der beiden Ministerpräsidenten und des Bundesministers Jakob Kaiser deutlich unterstrichen." Mit diesen Sätzen begann die "Trierische Landeszeitung" ihre ausführliche Berichterstattung über den am 28. Juni 1952 beginnenden Heimattag.

Mehr als 700 Gäste konnte die Stadt, die sich im reichhaltigen Flaggenschmuck zeigte, bereits am Abend des 27. Juni bei der Auftaktveranstaltung im Blumenhof des Simeonstifts begrüßen. Die "Trierische Landeszeitung" berichtete ausführlich über diesen Beginn: "Trier, die uralte, liebenswerte Stadt, bot am Freitag, dem 27. Juni seinen Gästen aus dem ganzen Rheinland ein strahlendes Willkommen. Sie fanden sich sinnvoll begrüßt von den Fahnen und Wappenzeichen ihrer Heimatstädte und von den Trierer gelb-roten Stadtfarben mit dem goldenen St. Peter auf rotem Grund, dem Stadtpatron seit eh und je. Begrüßt aber auch, wie könnte es anders sein bei einem solchen Fürsprecher, von dem heitersten Sommerwetter, das es seit langem gab." Der Samstag als eigentlicher Eröffnungstag war vor allem internen Beratungen der beiden Vereine vorbehalten. Ab 10:00 Uhr fand die Jahreshauptversammlung des "Rheinischen Heimatbundes" im Stadttheater statt. Die Vorträge von Prof. Dr. Leo Weisgerber aus Bonn über "Muttersprache als Schicksal und Aufgabe" und von Prof. Dr. Birke-Waldbröl über "Neue Forschungen und Ausgrabungen im Trierer Raum", bildeten den Abschluss dieser Beratungen.

Auch Bundesminister Kaiser stellte den Appell an Frankreich in den Mittelpunkt seiner Rede. Ebenso wie Deutschland den Franzosen das Recht auf Integrität ihrer Landesgrenzen zugestehe, solle Frankreich den Deutschen das Recht der Vereinigung geben. Der Ministerpräsident von Nordrhein- Westfalen, Arnold, sprach das Schlusswort bei einer Veranstaltung, die durch vielfältige musikalische Darbietungen ergänzt und abgerundet wurde. Der Stadt Trier gab dieser erfolgreiche und sehr öffentlichkeitswirksame Heimattag in den schweren Nachkriegstagen das Selbstbewusstsein, das für die schwere Wiederaufbauarbeit so dringend erforderlich war.

Quellen

Literatur

  • K. Düwell, F. Irsigler (Hg.): Trier in der Neuzeit. 2000 Jahre Trier, Bd. 3, Trier 1988
  • K.-H. Rothenberger: Die Hungerjahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Ernährung und Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz (Veröffentlichungen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz, Bd. 3), Boppard 1980 Publikationsliste
  • K.-H. Rothenberger: Krieg-Hungerjahre-Wiederaufbau, in: Rheinland-Pfalz entsteht. Beiträge zu den Anfängen des Landes Rheinland-Pfalz in Koblenz 1945 - 1951, hg. v. F.-J. Heyen (Veröffentlichungen des Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland- Pfalz, Bd. 5) Boppard 1994, S. 79 - 104
  • E. Zenz: Die Stadt Trier im 20. Jahrhundert, Trier 1981
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