Der 26. Februar 1871. Die Friedenspräliminarien von Versailles beenden den Deutsch-Französischen Krieg

Am 26. Februar 1871 wurde mit der Unterzeichnung des Vorfriedens von Versailles der Deutsch-Französische Krieg beendet. Ausgelöst durch die gespannten Verhältnisse zwischen beiden Staaten, die in den Streitigkeiten um die spanische Thronfolge und schließlich in der "Emser Depesche" gipfelten, bewirkte der Kriegseintritt in der deutschen Öffentlichkeit ein verbindendes Gefühl der gemeinsamen nationalen Verantwortung aller deutschen Staaten. Auch in den Gebieten des heutigen Bundeslandes Rheinland-Pfalz wurden die nicht geringen Lasten des Krieges von der Bevölkerung mit "patriotischem Eifer" getragen. Diese "Euphorie" nutzte Bismarck, um den seit 1868 stagnierenden Einigungsprozess zu Ende zu führen. Die Kaiserproklamation am 18. Januar 1871 wurde somit durch den Verlauf des Krieges ermöglicht und mit Begeisterung aufgenommen, zumal einige Tage später auch der Krieg mit einem eindeutigen Sieg durch den Vorfrieden beendet werden konnte.  

Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 war für Deutschland wie für Frankreich eng mit der Frage der Stellung im europäischen Mächtesystem und der künftigen nationalen Gestaltung beider Staaten verbunden. Benjamin Disraeli, der konservative Oppositionsführer im britischen Unterhaus, fasste seine Einschätzung dieses Krieges am 9. Februar 1871 zusammen. "Dieser Krieg bedeutet die deutsche Revolution, ein größeres politisches Ereignis als die Französische Revolution des vergangenen Jahrhunderts. Ich will nicht sagen, daß es ein größeres oder gleich großes soziales Ereignis sei [...]. Was aber hat sich jetzt ereignet? Das Gleichgewicht der Macht ist völlig zerstört. [...]" Ausgelöst wurde dieser Krieg durch die gespannten Beziehungen zwischen Preußen und Frankreich, das seit der Gründung des Norddeutschen Bundes 1866/67 seine Vormachtstellung in Mitteleuropa bedroht sah. Erheblich verschärft wurde die politische Situation durch die Auseinandersetzungen um die spanische Thronfolge. Mit dem Rückzug der Kandidatur des aus der katholischen Linie Hohenzollern-Sigmaringen stammenden Prinzen Leopold gab sich die französische Regierung nicht zufrieden, sondern verlangte nun eine Garantie für den Verzicht des Hauses Hohenzollern auf die Krone Spaniens für alle Zeiten. König Wilhelm wies diese Forderung während seines Kuraufenthalts in Bad Ems zurück und teilte dies Bismarck in einer Depesche mit. Die Veröffentlichung des gekürzten Textes der "Emser Depesche" durch den Kanzler führte am 19. Juli 1870 zur Kriegserklärung Frankreichs an Preußen, wovon auch die süddeutschen Staaten betroffen waren, die 1866/67 Schutz- und Trutzbündnisse mit der norddeutschen Macht geschlossen hatten.

Die öffentliche Meinung in Deutschland nahm den Kriegseintritt nahezu einhellig mit Jubel auf. Allgemein wurde die Überzeugung vertreten, dass dieser Krieg "der Verteidigung einer gerechten Sache galt" und eine nationale Angelegenheit sei, die alle Deutschen anging. Diese fast als euphorisch zu bezeichnende Stimmung hielt auch an, als sich die Kriegslasten deutlich bemerkbar machten. Sie wurden auch in den Gebieten des heutigen Bundeslandes Rheinland-Pfalz sehr schnell und deutlich spürbar. Die zur damaligen Zeit bayrische Pfalz war bereits im August sehr stark vom Durchmarsch der Soldaten und ihrer Ausrüstung betroffen. Die Gesamtzahl der hier durchziehenden Truppen wurde auf 350.000 bis 400.000 Mann geschätzt. Die Verpflegung der Truppen, Einquartierungen, Vorspanndienste und vieles mehr bedeuteten für die Bevölkerung immense Lasten, zumal die wirtschaftliche Situation in der Pfalz durch Missernten und Dürre angespannt war. Dennoch halfen die Menschen "bereitwillig" und "im patriotischen Eifer". Freiwillig wurden beispielsweise allein in Neustadt und Umgebung für die durchmarschierenden Truppen 80.000 Flaschen Wein zur Verfügung gestellt. Auch in der Garnisonsstadt Koblenz machte sich der Kriegseintritt sofort bemerkbar. In den regelmäßigen Berichten des damaligen Oberbürgermeisters Karl Heinrich Lottner heißt es am 7. Oktober 1870: "Der im Juli ausgebrochene Krieg mit Frankreich mußte nothwendig eine außergewöhnlich große Einquartierungslast auf die Stadt wälzen, welche von derselben mit der größten Bereitwilligkeit getragen wird." Um die zahlreichen Verwundeten und erkrankten Soldaten versorgen zu können, wurde zusätzlich zu dem Garnisonslazarett das alte Kaufhaus der Stadt als Unterbringungsmöglichkeit zur Verfügung gestellt. Auch die ersten Kriegsgefangenen mussten untergebracht werden. Zu diesem Zwecke wurde "auf dem Plateau der Karthause" ein Zeltlager errichtet, wo bereits im Oktober 12.000 französische Soldaten lebten. Nach der Übergabe der Festungen Metz und Sedan nahm Koblenz noch einmal eine große Anzahl französischer Soldaten auf. Das Lager auf der Karthause wurde durch ein weiteres auf dem Petersberg ergänzt. Beide Lager wurden jeweils mit 10.000 Kriegsgefangenen belegt.

In diesem vorläufigen Friedensvertrag musste Frankreich das Elsass und den östlichen Teil Lothringens mit Metz abtreten. Darüber hinaus verpflichtete es sich zur Zahlung einer Kriegsentschädigung von 5 Milliarden Franc. Der vom neugegründeten Deutschen Reich mit Frankreich geschlossene Vertrag, der am 1. März von der französischen Nationalversammlung angenommen und am 10. Mai von dem endgültigen Frieden von Frankfurt abgelöst wurde, beendete den Krieg und war gleichzeitig eine der ersten außenpolitischen und diplomatischen Handlungen des jungen deutschen Nationalstaates.

Die seit 1868 stagnierende Einigungsbewegung hatte durch die französische Kriegserklärung an Preußen neuen Antrieb erhalten. Das verbindende Gefühl einer gemeinsamen nationalen Verantwortung, das auch den Kriegsverlauf geprägt hatte, nutzte Bismarck bereits während der Kampfhandlungen zu Einigungsgesprächen mit den süddeutschen Staaten. Nachdem der bayrische König dem preußischen König im Namen aller deutschen Fürsten gebeten hatte, die deutsche Kaiserkrone entgegenzunehmen, kam es am 18. Januar 1871, während die deutschen Truppen vor Paris standen, im Spiegelsaal des Versailler Schlosses zur Kaiserproklamation. Die Gründung des deutschen Nationalstaates war im Angesicht des Krieges nicht nur durch Waffen, sondern auch im Einklang mit der deutschen Nationalbewegung und den Wünschen des Norddeutschen Reichstages zustande gekommen. Deshalb war die Begeisterung über die deutsche Einigung groß, zumal auch der Krieg einige Tage später mit einem eindeutigen Sieg durch den Vorfrieden von Versailles beendet werden konnte. Für die deutsch-französischen Beziehungen blieb die französische Niederlage und besonders der Verlust Elsass-Lothringens, dessen Annexion vom deutschen Militär und einem Teil der öffentlichen Meinung gefordert worden war, allerdings eine schwere Belastung, die eine Aussöhnung zwischen beiden Staaten faktisch unmöglich machte.

Quellen

Literatur

  • G. A. Craig: Deutsche Geschichte 1866 - 1945. Vom Norddeutschen Bund bis zum Ende des Dritten Reiches, München 1989    
  • J. Herres: Das preußische Koblenz, in: Geschichte der Stadt Koblenz, Bd. 2. Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart, S. 49 - 118, Koblenz 1993
  • J. Kermann: Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 aus der Sicht eines pfälzischen Militärgeistlichen, in: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte, Bd. 40, Speyer 1988, S. 189 - 220    
  • M. Kläger: Mainz auf dem Weg zur Großstadt (1866 - 1914), in: Mainz. Die Geschichte der Stadt; Mainz 1998, S. 429 - 474
  • W. J. Mommsen: Das deutsche Kaiserreich als System umgangener Entscheidungen , in: Ders; Der autoritäre Nationalstaat. Verfassung, Gesellschaft und Kultur im deutschen Kaiserreich, Frankfurt 1990, S. 11 - 38.
  • H. A. Winkler: Der lange Weg nach Westen, Bd. 1. Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik, München 2001
  • R. Wischemann: Die Festung Koblenz. Vom römischen Kastell und Preußens stärkster Festung zur größten Garnison der Bundeswehr, Koblenz 1978

    Nach oben