Der 24. Dezember 1949. Weihnachten in Rheinland-Pfalz. "Und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens."

Das Weihnachtsfest des Jahres 1949 war auch in Rheinland-Pfalz immer noch geprägt von den Folgen des Zweiten Weltkrieges. Fast jede Familie trauerte um einen oder mehrere Verwandte oder hoffte auf die Rückkehr von Vermissten und Kriegsgefangenen. Steigende Arbeitslosigkeit und die kaum ausreichenden Renten von Invaliden und Kriegerwitwen ließen bei vielen Menschen trotz beginnender positiver Wirtschaftentwicklung keine Weihnachtsfreude aufkommen. Insgesamt hatte die Währungsreform aber die Hoffnungslosigekeit der ersten Nachkriegsjahre überwunden, so dass viele Rheinland-Pfälzer 1949 als das erste Nachkriegsweihnachten in Erinnerung behielten, das sie so feiern konnten, wie vor dem Krieg.  

Das letzte Weihnachten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war auch fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges noch von dessen schrecklichen Folgen überschattet. In der Weihnachtsausgabe der "Trierischen Landeszeitung" hieß es zwar: "Wir haben schon vieles vergessen. Unsere Kleinen lauschen bereits den Berichten über die Ereignisse der Schreckensjahre wie einem Märchen aus vergangenen Jahrhunderten. Sie lassen die blinkenden Vögel durch die Lüfte ziehen, ohne nach ihnen aufzuschauen? Selbst wir Großen kümmern uns nicht mehr um die motorensurrenden Könige der Lüfte." Andererseits ist aber in den Weihnachtsausgaben der rheinland-pfälzischen Zeitungen überall die Angst vor der "Gefahr der Explosion großer weltpolitischer Spannungen" präsent und die Hoffnungen auf einen dauerhaften Frieden stehen im Vordergrund der politischen Berichterstattung.

Das fünfte Weihnachtsfest nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war aber auch immer noch geprägt von den Verlusten, unter denen fast jede Familie zu leiden hatte. Viele Gefallene, Verschleppte oder im Bombenhagel getötete Familienmitglieder hinterließen auch an diesem Weihnachtsfest eine schmerzliche Lücke. Zahlreiche Familien lebten noch immer in der Hoffnung auf die Rückkehr ihrer Väter, Söhne und Männer aus den Kriegsgefangenenlagern. Die Suchanzeigen, die sich besonders häufig in den Weihnachtsausgaben der Zeitungen finden, erzählen die Geschichte dieser Hoffnungen. Viele erwiesen sich als gerechtfertigt. Auch Weihnachten 1949 trafen zahlreiche entlassene Kriegsgefangene aus Russland bei ihren Familien ein. Es war zweifellos das schönste und größte Weihnachtsgeschenk für die Familien, die an den Festtagen 1949 Wiedersehen feiern konnten. "Viele Frauen, Kinder, Mütter, Väter und Geschwister warteten auf die Ankunft der Heimkehrer. Manche, die unerwartet eintrafen, und deren Angehörige noch nichts von ihrem Kommen wußten, wurden in den weihnachtlich geschmückten Raum der Bahnhofsmission geführt, wo sie den ersten liebevollen Heimatempfang erlebten. Unter dem Christbaum empfingen sie kleine Geschenke und eine Aufwartung, die sie so lange weit von der Heimat vermissen mußten."

Quellen

Literatur

  • K.-H. Rothenberger: Die Hungerjahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Ernährungs- und Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz 1945 - 50. Veröffentlichungen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz, Bd. 3   
  • K.-H. Rothenberger: Krieg - Hungerjahre - Wiederaufbau, in: Rheinland- Pfalz entsteht. Beiträge zu den Anfängen des Landes Rheinland- Pfalz in Koblenz 1945 - 1951, hg. v. F.-J. Heyen. Veröffentlichungen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland- Pfalz, Bd. 5, Boppard, 1984, S. 79 - 104 
  • W. Sperling: Geographische Grundlagen, in: 40 Jahre Rheinland-Pfalz. Eine politische Landeskunde, Hg. v. P. Haungs, Mainz 1986, S. 23 - 64
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