Der 24. November 1974. Tod von Dr. Adolf Süsterhenn

Am 24. November 1974 starb Dr. Adolf Süsterhenn im Alter von 69 Jahren in Koblenz. Der Jurist war eine der prägenden Gestalten der Gründungsgeschichte des Bundeslandes Rheinland-Pfalz und auch der Bundesrepublik Deutschland. Die verfassungspolitische Arbeit des langjährigen Justiz- und Kulturministers ist vor allem in der Landesverfassung von Rheinland-Pfalz, die als die dem Naturrecht am engsten verbundene deutsche Verfassung gilt, bis heute deutlich erkennbar. In der Präambel wird dies betont: "Im Bewußtsein der Verantwortung vor Gott, dem Urgrund des Rechts und Schöpfer aller menschlichen Gemeinschaft, von dem Willen beseelt, die Freiheit und Würde des Menschen zu sichern, das Gemeinschaftsleben nach dem Grundsatz der sozialen Gerechtigkeit zu ordnen, den wirtschaftlichen Fortschritt aller zu fördern und ein neues demokratisches Deutschland als lebendiges Glied der Völkergemeinschaft zu formen hat sich das Volk von Rheinland-Pfalz diese Verfassung gegeben." Aber auch im Parlamentarischen Rat hat Adolf Süsterhenn maßgeblichen Einfluss ausgeübt und sich bemüht, das Grundgesetz entsprecht seinen naturrechtlichen und föderalen Überzeugungen zu gestalten.  

Dr. Adolf Süsterhenn wurde am 31. Mai 1905 in Köln geboren, wo er auch das humanistische Schiller-Gymnasium besuchte und sein Abitur ablegte. Von 1923 bis 1927 studierte er Rechts-, Staats- und Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Freiburg i. Br. und Köln. Bereits zu diesem Zeitpunkt entwickelte sich die hohe Bereitschaft Süsterhenns zum politischen Engagement. Er schloss sich katholischen Studentenverbindungen an und engagierte sich stark in der Hochschulpolitik. Im Jahre 1927 legte Süsterhenn das Referendarexamen ab und wurde ein Jahr später mit einer staatskirchenrechtlichen Arbeit über das polnische Konkordat von 1925 promoviert. Seit 1932 praktizierte er als niedergelassener Rechtsanwalt in Köln. "Bei den letzten freien Kommunalwahlen am 12. März 1933 wurde er für die Zentrumspartei in die Kölner Stadtverordnetenversammlung gewählt. Sechs Wochen nur dauerte das Amt, denn Süsterhenn weigerte sich, bei der NSDAP-Fraktion zu hospitieren; die Gleichschaltung zwang ihn zur Mandatsniederlegung." Seine Arbeit als Rechtsanwalt konnte er zunächst weitgehend unbehelligt ausüben. Er spezialisierte sich auf internationale Wirtschaftsfragen und trat bei zahlreichen politischen Prozessen als Strafverteidiger auf. Besonders durch die Verteidigung kirchlicher Einrichtungen und Orden gegen die Verfolgung durch die Nationalsozialisten machte sich Süsterhenn einen Namen, geriet aber immer mehr ins Visier der nationalsozialistischen Diktatur. Hinzu kam, dass er während des Krieges aktiv im Widerstand mitarbeitete. Aber trotz teilweise erheblicher beruflicher Einschränkungen und "gelegentlicher persönlicher Gefährdung" überstand er Diktatur und Krieg.

Im Sommer 1947 wurde Süsterhenn nach der Wahl des ersten Landtags und der Neubildung der Landesregierung zum Justiz- und Kulturminister berufen. In diesen Zuständigkeitsbereich gehörte auch die Mitarbeit an den Beratungen für eine neue deutsche Verfassung. "An den Ministerpräsidenten-Konferenzen in Frankfurt, auf dem Koblenzer Rittersturz und auf dem Jagdschloß Niederwald im Juli 1948 nahm er als verfassungsrechtlicher Berater seines Ministerpräsidenten Altmeier teil. Im August 1948 wurde er als Vertreter des Landes in den Verfassungskonvent von Herrenchiemsee entsandt, der einen Entwurf für das Grundgesetz ausarbeitete." Von September 1948 bis Mai 1949 wirkte er als stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU im Parlamentarischen Rat mit. Auch in diesem Gremium hat er maßgeblich an der Gestaltung der Verfassung und insbesondere an ihrer föderalistischen Ausgestaltung mitgewirkt.

Darüber hinaus ist seine rechtswissenschaftliche Arbeit als Honorarprofessor der Verwaltungsschule in Speyer hervorzuheben. Im Jahre 1961 kehrte Süsterhenn schließlich in die aktive Politik zurück und wurde für den Wahlkreis Bad- Kreuznach-Birkenfeld in den Bundestag gewählt, dem er bis 1969 angehörte. Allerdings gelang es ihm zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, gestaltend auf die Politik auf Bundesebene einzuwirken. Bis zu seinem Lebensende gehörte er jedoch zahlreichen Kommissionen und Gremien an, in denen er seine politischen Vorstellungen und Überzeugungen einbringen und umsetzen konnte. Am 24. November 1974 verstarb Dr. Adolf Süsterhenn im Alter von 69 Jahren in Koblenz und wurde während eines Staatsaktes feierlich beigesetzt.. Der Jurist war "enger Partner Peter Altmeiers insbesondere bei der Gründung des Landes Rheinland-Pfalz" und eine der prägenden Persönlichkeiten bei der verfassungspolitischen Ausgestaltung des Bundeslandes und der Bundesrepublik insgesamt.

Quellen

Literatur

  • P. Bucher (Hg.): Adolf Süsterhenn. Schriften zum Natur-, Staats- und Verfassungsrecht, Mainz 1991  
  • W. Baumgart: Adolf Süsterhenn (1905 - 1974), in: Zeitgeschichte in Lebensbildern, Bd. 6. Aus dem deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts, Mainz 1984, S. 189 - 199  
  • H.-G.-Borck (Hg.): Beiträge zu 50 Jahren Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz. Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Bd. 73, Koblenz 1997   

  • P. Bucher (Hg.): Adolf Süsterhenn. Schriften zum Natur-, Staats- und Verfassungsrecht. Veröffentlichungen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz, Bd. 16, Mainz 1991, S. IX - XXVI.
  • K. M. Grass: Politiker-Porträts, in: 40 Jahre Rheinland-Pfalz. Eine politische Landeskunde, hg. v. P. Haungs, Mainz 1986, S. 255 - 288
  • H. Mathy: Adolf Süsterhenn (1905 - 1974), in: Geschichte im Westen 3 (1988), S. 203 - 217

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