Der 24. März 1926. Brudermord in Meisenheim

Am 24. März 1926 wurde vor dem Koblenzer Schwurgericht das Urteil in dem Mordprozess Hermann verkündet, der in der Öffentlichkeit großes Aufsehen hervorgerufen hatte. In der kleinen Kreisstadt Meisenheim war nach einem Brand in einem kleinen Haus die Leiche des Konrad Hermann gefunden und von der Nachbarschaft und den Behörden sehr schnell der Verdacht geäußert worden, dass er einem Verbrechen zum Opfer gefallen sei. Die erdrückende Beweislast, die in dem Prozess zusammengetragen werden konnte, veranlasste die Angeklagten Elisabeth und Heinrich Hermann schließlich zu einem Geständnis. Heinrich Herman hatte seinen Bruder unter Mithilfe seiner Frau erschlagen und mit der Brandstiftung versucht, die Spuren der Tat zu beseitigen, um die finanziellen Unterstützungen, die Konrad Hermann aus Amerika erhielt, selber einstreichen zu können. Elisabeth Hermann wurde zu mehreren Jahren Zuchthaus, Heinrich Hermann zum Tode verurteilt. 

Ein Mordprozess, der am 23. März 1926 vor dem Schwurgericht in Koblenz verhandelt wurde und am 24. März mit der Urteilsverkündung beendet werden konnte, fand ein ungewöhnlich starkes öffentliches Interesse. Der sechzigjährige Heinrich Hermann und seine achtundfünfzigjährige Frau Elisabeth aus Meisenheim wurden beschuldigt, den Bruder des Ehemannes Konrad Hermann in der Nacht vom 14. auf den 15. Januar erschlagen und das gemeinsame Haus zur Vertuschung der Tat in Brand gesteckt zu haben. Über diesen Prozess und die mit dem Mordfall im Zusammenhang stehenden Informationen berichtete nicht nur der "Allgemeine Anzeiger Meisenheim", sondern auch der "Koblenzer Generalanzeiger" in aller Ausführlichkeit. Auch der Zuhörerraum des Gerichtssaales war während des gesamten Prozesses voll besetzt, und vor dem Gerichtsgebäude wartete eine große Menschenmenge auf die Urteilsverkündung.

Gemeinsam mit dem älteren Bruder des Mannes, Konrad Hermann, bewohnte das Ehepaar ein kleines baufälliges Haus, das dem in Amerika lebenden Onkel der Brüder, Konrad Schirra, gehörte. Das Häuschen bestand aus je einem Zimmer im Erd- und im Obergeschoss. Der Junggeselle Konrad Herrmann bewohnte das Ober-, Heinrich und Elisabeth Hermann das Erdgeschoss. Die Gebrüder Hermann erhielten von Angehörigen aus Amerika ab und zu kleine finanzielle Unterstützungen. Konrad von seiner Schwester Elise, die Angeklagten von ihrem Sohn Heinrich. Im November 1925 teilte der Sohn des Ehepaares Hermann in einem Brief mit, dass er die Eltern aufgrund seiner Eheschließung nicht weiter unterstützen könne. Im gleichen Brief schrieb die Schwester Elise, dass auch von ihr nichts zu erwarten sei. Sie werde lediglich Konrad unterstützen, den sie als den älteren für bedürftiger halte. Während Heinrich Hermann am ersten Verhandlungstag ein bereits gemachtes Geständnis widerrief, bestätigte seine Frau während des Prozesses ihre bereits in Meisenheim gemachte Aussage, diese versiegenden Unterstützungen seien das Motiv für den Mord gewesen. Durch die Beseitigung Konrads hofften sie wieder in den Genuss der Unterstützungen aus Amerika zu kommen.

Wie die Anklageschrift der Oberstaatsanwaltschaft weiter ausführt, sei der Mord und der Brand zur Beseitigung der Spuren seit Wochen geplant gewesen. Der Angeklagte habe überall erzählt "sein Bruder betrinke sich täglich, wenn er betrunken nach Hause komme, liefe er Gefahr seinen Ofen umzuwerfen und dadurch einen Brand hervorzurufen." Am 14. Januar sei Konrad Hermann angetrunken nach Hause gekommen, so dass Heinrich die "Gelegenheit" nutzte und seinen Bruder mit einer sogenannten Hippe, einem beilartigen Werkzeug, das für Waldarbeiten verwendet wurde, erschlug. Die Hilferufe Konrads wurden in der Nachbarschaft gehört, ohne das man jedoch zuordnen konnte, woher sie kamen. Das Ehepaar entwendete die Habseligkeiten des Ermordeten und legte die Leiche vor den Ofen, wo mit Petroleum ein Feuer gelegt wurde. Mit den Wertsachen verließen sie das Haus und alarmierten die Nachbarschaft über das Feuer. Die Ruhe mit der das Ehepaar den Brand und den anschließenden Leichenfund aufnahm, machte sie in der Nachbarschaft sofort verdächtig, was durch die anschließende Untersuchung und eine erdrückende Beweislast bestätigt wurde.

Angesichts des Geständnisses seiner Frau und der erdrückenden Beweislage durch die gerichtsmedizinischen Untersuchungen und die Vernehmung der zahlreichen Zeugen, entschloss sich der Angeklagte Heinrich Hermann nach den Plädoyers des Staatsanwaltes und des Verteidigers doch noch zu einem Geständnis. Daraufhin wurde der Angeklagte am zweiten Verhandlungstag, dem 24. März 1926 für die Brandstiftung zu acht Jahren Zuchthaus und wegen Mordes zum Tode verurteilt. Elisabeth Hermann erhielt wegen Beihilfe eine Gesamtstrafe von sechs Jahren Zuchthaus. "Der Angeklagte Hermann hört dem Urteilsspruch aufmerksam zu, ohne aber die geringsten Anzeichen innerer Erregung erkennen zu lassen, während die angeklagte Frau geknickt auf ihrem Stuhle sitzt, sich mehr als sonst zusammenkauert, ein graues Taschentuch vor ihre Augen preßt, und unaufhörlich schluchzt und weint."

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