Der 20. August 1400. Die Absetzung König Wenzels durch die rheinischen Kurfürsten

Am 20. August 1400 erklärten die rheinischen Kurfürsten den als unfähig geltenden König Wenzel in Lahnstein für abgesetzt und wählten einen Tag später den Pfalzgrafen Ruprecht III. zum König des Deutschen Reiches. Wenzel, der aufgrund der intensiven Bemühungen Kaiser Karls IV. seinem Vater im Jahre 1378 auf den Thron folgte, hatte es nicht verstanden, die wachsenden Gegensätze innerhalb des Reiches und der katholischen Kirche zu beseitigen. Seine zunehmende Untätigkeit und besonders seine Hausmachtpolitik im Osten führten zur Formierung einer Opposition der Kurfürsten, die die Absetzung durchsetzten. Wenzel, der nie auf seine Ansprüche auf den Thron des deutschen Reiches verzichtete, blieb bis zu seinem Tod im Jahre 1419 König von Böhmen.  

Kaiser Karl IV. verfolgte seit 1368 den Plan, seinen ältesten Sohn, den 1361 geborenen Wenzel, zum deutschen König wählen zu lassen. Mit erheblichen Zugeständnissen und einem umfangreichen politischen und finanziellen Aufwand gelang es dem Kaiser im Jahre 1376 sein Ziel zu erreichen. Seit über 150 Jahren war es damit einem deutschen König erstmalig wieder gelungen, die Thronfolge seines Sohnes zu sichern. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters 1378 trat Wenzel, der den Beinamen der "Faule" führte, als Siebzehnjähriger die Nachfolge an.

Seine Regierungszeit wurde von Anfang an durch das Schisma, die Kirchenspaltung, überschattet. Die Wahl des Papstes Urban VI. die ebenfalls 1378 durchgeführt worden war, war im nachhinein von einigen Kardinälen für ungültig erklärt worden. Sie wählten Clemens VII. zum Gegenpapst, der nach Avignon übersiedelte und von der französischen Politik unterstützt wurde. Als Schirmvogt der römischen Kirche war es die Aufgabe Wenzels, diese Spaltung zu beseitigen. Seine Politik der einseitigen Unterstützung von Papst Urban VI. vertiefte allerdings die Gegensätze. Dies wurde spätestens offensichtlich, als man nach dem Tod der beiden Päpste für jeden einen Nachfolger wählte, ohne an eine Einigung zu denken. In Rom residierte seit 1389 Papst Bonifatius IX. und in Avignon seit 1394 Benedikt XIII.. Wenzel unternahm keinen Versuch, die Spaltung zu mildern oder zu beseitigen, so dass sich die Teilung Europas in die Lager der Anhänger des jeweiligen Papstes immer mehr verhärtete.

Darüber hinaus fiel die entscheidende Auseinandersetzung zwischen den Landesfürsten und den Städten, die sich in Städtebünden zusammenfanden, in die Regierungszeit König Wenzels. Die wirtschaftliche Macht, insbesondere der unabhängigen Reichsstädte, war deutlich gewachsen. Ihre Sonderstellung innerhalb der Territorien der Landesfürsten wollten sie behaupten und möglichst ausbauen. König Wenzel versuchte - ganz in der Tradition der väterlichen Politik - die Auseinandersetzungen in den einzelnen Territorien zu schlichten. Seine Bemühungen blieben allerdings weitgehend erfolglos. Im Sommer 1388 gipfelten die Streitigkeiten in einem Krieg, in dem die Städte unterlagen. Auf einem Reichstag in Eger im Mai 1389 wurde diese Niederlage in einem allgemeinen königlichen Landfrieden manifestiert. Die Städte mussten weitgehende Zugeständnisse an die Landesherren machen und ihre Bündnispolitik aufgeben. Sie verloren entscheidend an politischem Gewicht, während die Landesherren ihre Macht ausbauen und ihre Sonderinteressen auch gegenüber dem König erfolgreicher vertreten konnten. Wenzel zeigte allerdings wenig Interesse an der Organisation und Einhaltung des Landfriedens. Bereits 1390 kam es zu einem neuen Städtebund der Reichsstädte in Schwaben, ohne dass der König Maßnahmen dagegen ergriffen hätte.

Damit endete Wenzels Regierungszeit als deutscher König, in der er es weder verstanden hatte, die Auseinandersetzungen zwischen den Reichsstädten und den Fürsten für die Stärkung der Zentralgewalt in Deutschland zu nutzen, noch die Krise der katholischen Kirche zu überwinden. Durch seine intensive Konzentration auf die eigene Hausmacht hatte er wichtige Machtpositionen in Deutschland vernachlässigt und schließlich verloren. Wenzel, der wie kein anderer deutscher König schon zu Lebzeiten im Kreuzfeuer der Kritik gestanden hatte, konnte den böhmischen Thron bis zu seinem Tod im Jahre 1419 behaupten. Seine Ansprüche auf die deutsche Königskrone gab er nie auf.

Quellen

Literatur

  • W. Dotzauer: Der historische Raum des Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Der Weg zu einem Kernraum deutscher Reichsgeschichte (bis 1500) Versuch eines Arbeitsbuchs. Von den vor- und frühgeschichtlichen Anfängen bis zur Kurfürstenlandschaft, Frankfurt u. a. 1992    
  • F.-J. Heyen: Der Mittelrhein im Mittelalter, Koblenz 1988
  • E. Holtz: Reichsstädte und Zentralgewalt unter König Wenzel (1376 - 1400). Studien zu den Luxemburgern und ihrer Zeit, Bd. 4, Warendorf 1993
  • E. Holtz u. E. Engel (Hg.): Deutsche Könige und Kaiser des Mittelalters, Leipzig u. a. 1989

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