Der 20. Juni 1925. 1000-Jahrfeier des Rheinlandes in Koblenz

Am 20. Juni 1925 fanden die Veranstaltungen zu der Jahrtausendfeier des Rheinlandes in Koblenz statt. Die zahlreichen Programmpunkte, die nicht nur in den rheinischen Metropolen, sondern auch in vielen kleineren Orten durchgeführt wurden, gingen auf ein nahezu unbekanntes historisches Datum zurück und dienten in erster Linie als Möglichkeit der Demonstration nationaler deutscher Gesinnung. Dies führte zu einer entsprechenden Reaktion der französischen Militärverwaltung, die besonders bei den Feiern in Koblenz deutliche Folgen zeigte.  

"Im Jahre 1925 sind 1000 Jahre verflossen, seit König Heinrich I. die linksrheinischen Gebiete mit den übrigen deutschen Ländern unter seinem Zepter vereinigte und damit das deutsche Reich schuf, das alle deutschen Stämme umfaßte und zu dem keine Gebiete gehörten, die nicht deutsch waren. Das Jahr 925 ist somit das Geburtsjahr des nationalen deutschen Staates, und zwar in der Form, die er in der Hauptsache noch heute hat. Die Länder am Rhein hatten damals schon eine große Geschichte und hohe Kultur. ... Die Rheinlande wie das ganze deutsche Volk haben daher allen Anlaß, die tausendjährige Erinnerung an das Jahr 925 festlich zu begehen. Die großen Veranstaltungen rheinischer Städte wie Düsseldorf, Duisburg, Coblenz, Trier und Aachen sind daher vollauf gerechtfertigt. Dies gilt in ganz besonderem Maße auch von der Jahrtausend-Ausstellung der Rheinlande in Köln." (Coblenzer Generalanzeiger, 16.03. 1925)

 ... Eine Flut patriotischer Kundgebungen aus Anlaß eines tausendsten Jahrgedächtnisses eines marginalen historischen Ereignisses schien in der Tat eine Gewähr dafür zu bieten, dass die Rheinlandbewegung und manche verwaltungsinterne Konflikte jenseits des Rheins - vorläufig - in Vergessenheit geraten konnten, die sich an der Frage, wie die Anliegen der Besatzungsmächte in geeigneter Weise zu behandeln seien, entzündet hatten." (Franziska Wein) Die Initiative zu der 1000-Jahrfeier war von dem Provinzialausschuss unter dem Vorsitz des Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer ausgegangen, wozu der Provinziallandtag am 26. Juni 1924 seine Zustimmung gab und den Ausschuss   mit der Vorbereitung beauftragte.

Die großen rheinischen Städte Düsseldorf, Köln und Koblenz wurden von Anfang an in den Mittelpunkt der Planungen gestellt. Als Sitz der Provinzialverwaltung machte es sich Düsseldorf zur Aufgabe, die zentrale Festveranstaltung zu organisieren, nachdem sich die Stadt gegen die gleichen Ansprüche von Koblenz als Sitz des Oberpräsidiums durchgesetzt hatte. Neben den rheinischen Metropolen veranstalteten aber auch zahlreiche kleinere Städte und Orte ein umfangreiches Programm, das in den meisten Fällen nach den offiziellen Veranstaltungen in den zentralen Orten stattfand, so dass sich die Feierlichkeiten vom Mai 1925 bis zum Herbst des gleichen Jahres hinzogen. Diese umfangreichen Möglichkeiten einer sehr öffentlichkeitswirksamen Selbstdarstellung nahm auch die preußische Regierung sofort für sich in Anspruch. Sie beteiligte sich nicht nur mit einer bedeutenden Summe an den hohen Kosten des Programms, sondern nutzte die Gelegenheit auch für die eigene Öffentlichkeitsarbeit. In einem Schreiben des preußischen Kultusministers an den Oberpräsidenten der Rheinprovinz vom 3. Februar 1925 wurde betont, dass die Jahrtausendfeier als Möglichkeit angesehen wurde, auch ein anderes Jubiläum in den Vordergrund zu rücken. Im Jahre 1915 hatte die Rheinprovinz 100 Jahre zu Preußen gehört, aber aufgrund des Ersten Weltkrieges war dieses Jubiläum nicht beachtet und nicht gefeiert worden. Allerdings war die Resonanz auf die Initiative, in überregionalen Zeitungen der Rheinprovinz in entsprechenden Fest- und Sonderbeilagen auf das Jubiläum einzugehen, eher gering.

Am 20. Juni fanden die Jahrtausendfeiern in Koblenz also unter völligem Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Vormittags traf ein Sonderzug der Rheinischen Provinzialverwaltung mit den Festgästen ein, die in Privatautos auf den Rittersturz gefahren wurden. Hier hatten nur geladene Gäste Zutritt und die das Programm gestaltenden Sänger und Orchester. Gegen 13:00 Uhr wurden die Festgäste zu der Festhalle gefahren, wo sie in den geschlossenen Räumlichkeiten der neugebauten Ausstellungshalle ein Festmahl und die weiteren Programmpunkte des umfangreichen Festaktes erwartete. Gegen 18:00 Uhr verließen die auswärtigen Gäste die Stadt mit einem Sonderdampfer. Am Abend fanden einige Promenadenkonzerte statt. Das ursprünglich für die Koblenzer Bevölkerung geplante Feuerwerk in den Rheinanlagen war ebenfalls nicht genehmigt worden.

Quellen

Literatur

  • Franziska Wein: Deutschlands Strom - Frankreichs Grenze. Geschichte und Propaganda am Rhein 1919 - 1930. Düsseldorfer Schriften zur neueren Landesgeschichte und zur Geschichte Nordrhein-Westfalens, Bd. 33, Essen 1992    
  • Geschichte der Stadt Koblenz. Bd. 2. Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart, Koblenz 1992
  • Anton Golecki: Vom Ersten Weltkrieg bis zum Ende der Weimarer Republik, in: Geschichte der Stadt Koblenz, Bd. 2, S. 119 - 170

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