Von Schwerdonnerstag bis Aschermittwoch. Rheinischer Karneval im Jahre 1925

Erst im Jahr 1925 konnte der rheinische Karneval seine Wiederauferstehung feiern, nachdem der Beginn des Ersten Weltkrieges dem närrischen Treiben ein vorläufiges Ende gemacht hatte. Der Karneval, der bereits seit dem Mittelalter am Rhein gefeiert wird und seit 1823 die Formen zeigt, die uns bis heute bekannt sind, war trotz Kriegsfolgen, Besatzung, Inflation und Arbeitslosigkeit nicht dauerhaft zu unterbinden. Bereits 1924 hatte sich z. B. die Bevölkerung von Trier und Koblenz über sämtliche Mahnungen und Verbote hinweggesetzt, um im närrischen Treiben die Sorgen des Alltags vergessen zu können. 1925 gaben die Behörden nach und es kam zu einer glanzvollen Renaissance des Karnevals, die sich auch in den vielen Neugründungen von Karnevalsgesellschaften zeigte.  

Bereits im Mittelalter war der Karneval am Rhein zu Hause. Den frühesten Beleg für eine Fastnachtsfeier am Rhein verdanken wir dem Mönch Caesarius von Heisterbach, der kurz nach 1200 ein ausgedehntes Gelage eines "carnifex", eines Fleischhauers oder Scharfrichters, mit seinen "Genossen" beschreibt, das in Koblenz stattgefunden hatte und sich bis zum Aschermittwoch hinzog. Neben dem Fastnachtsmahl, das auch für die anderen Karnevalshochburgen überliefert ist, entwickelten sich seit dem 15. Jahrhundert die unterschiedlichsten Bräuche, die teilweise bis heute erhalten geblieben sind. Musik, Tanz und Maskierungen standen dabei immer im Mittelpunkt.

Einen weitgehend einheitlichen Verlauf nahmen die tollen Tage seit 1823. Eine Karnevalsreform, die in Köln einen geordneten und organisierten Festzug, den späteren Rosenmontagszug in den Mittelpunkt stellte und wöchentlich stattfindende Generalversammlungen des "Festordnenden Kommitees", die Vorläufer der Karnevalssitzungen, einführte, breitete sich in den folgenden Jahren schnell entlang des Rheins aus. Seit 1824 übernahm Koblenz diese Form des Festes. 1825 entstand die erste Karnevalsgesellschaft und 1827 konnten die Koblenzer zum ersten mal einen Umzug mit 70 Zugnummern durch die Straßen ziehen sehen. Trotz zeitweise gültiger Verbote und Einschränkungen war der Triumph des Karnevals seitdem auch in zahlreichen kleineren Städten und Gemeinden nicht mehr aufzuhalten.

Erst der Beginn des Ersten Weltkrieges machte dem närrischen Treiben ein vorläufiges Ende. Während des Krieges und in den ersten Nachkriegsjahren verboten die hessische und preußische Regierung bzw. die Besatzungsmächte alle Karnevalsveranstaltungen im rheinischen Raum. Der Besatzung der Amerikaner folgten zwischen Frühjahr 1922 und Januar 1923 die Franzosen. Im Jahre 1928 waren im Regierungsbezirk Trier noch immer 7.500 und im Regierungsbezirk Koblenz 8.500 französische Soldaten stationiert. Die schwierige politische Lage, Inflation, Arbeitslosigkeit und die Sorge um das tägliche Brot ließen dann auch erst in den 20er Jahren die Sehnsucht nach den unbekümmerten Karnevalstagen aufkommen.

Die Anzeigenseiten der Koblenzer Zeitungen zeigen, dass die neue Freiheit sofort genutzt wurde. Die Karnevalsgesellschaften veranstalteten Maskenbälle und närrische Plenar- bzw. Reichstagssitzungen, Galasitzungen und Tanzkränzchen. Viele Sängervereine organisierten "Rheinisches Karnevalstreiben", zahlreiche Restaurants und Gaststätten boten ebenfalls ein umfangreiches närrisches Programm gerahmt von "Eisbein, Hähnchen und Rippchen."

Quellen

Literatur

  • D. Buslau: 2000 Jahre Fasenacht in Koblenz. Koblenz 1976  
  • A. Döring: Feste und Feiern. Im Wandel der Zeit. 2000 Jahre an Rhein und Mosel, Heft 5, Koblenz 2000 
  • J. Eisenach: Geschichte des Coblenzer Karnevals 1824 - 1912, Coblenz 1924 
  • Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum der Rhenser Karnevalsgesellschaft "Närrische Elf 1925 e.V.", Rhens 2000 
  • M. Matter: Rheinischer Karneval. Rheinisches Jahrbuch für Volkskunde. Hg. v. H. L. Cox, Bonn 1978
  • M. Müller: Karneval und Politik. Zum Verhältnis zwischen Narren und Obrigkeit am Rhein im 19. Jahrhundert. Mittelrheinische Hefte, Nr. 9, Koblenz 1983 
  • H. Frieß-Reimann: Der organisierte Karneval seit der Reform in Köln 1823. Geschichtlicher Atlas der Rheinlande. Beiheft XI/5. Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde. XII. Abteilung 1b Neue Folge, Köln 1989
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