Der 18. und 19. Juni 1927. Der Nürburgring wird eröffnet

Am 18. und 19. Juni 1927 fanden nach aufwendigen Bauarbeiten die Eröffnungsfeierlichkeiten für die deutsche Renn- und Prüfungsstrecke in der Eifel statt. Nachdem es bereits im Jahr 1907 Pläne gegeben hatte, in der Nähe des Eifelstädtchens Adenau eine Rennstrecke zu errichten, hatte man 1925 mit der konkreten Umsetzung dieser Idee begonnen. Bereits die Großbaustelle zeigte die wirtschaftliche Bedeutung, die der Nürburgring für eine ganze Region haben sollte, die als "Armenhaus Preußens" bekannt war. Aber auch in sportlicher Hinsicht erfüllte der Nürburgring bei den Eröffnungsveranstaltungen, die die Eifel in den Mittelpunkt des Interesses stellten, alle Erwartungen.  

Die "landschaftlich schönste aber auch schwierigste Rennstrecke" Deutschlands und Europas, der Nürburgring, kann seinen 75. Geburtstag feiern. Am 18. und 19. Juni 1927 konnten nach dem erfolgreichen Abschluss   der aufwendigen Bauarbeiten die Eröffnungsfeierlichkeiten in der Nähe der Eifelstadt Adenau stattfinden. Begonnen hatte die Geschichte dieser fast legendären deutschen Rennstrecke bereits Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Die rasante Entwicklung des internationalen Automobilrennsports war seit Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr aufzuhalten. Die ersten Rundstreckenrennen hatten gezeigt, wie eng der sportliche Erfolg mit der wirtschaftlichen und industriellen Entwicklung in der aufstrebenden Fahrzeugbranche verknüpft war. Deutschland versuchte mit dem "Gordon- Bennett-Rennen" im Jahre 1904 und dem "Großen Kaiser-Preis-Rennen" rund um Homburg v. d. Höhe 1907 den Anschluss an die erfolgreiche europäische Konkurrenz zu erreichen. Besonders das Kaiser-Preis-Rennen, das die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie unter Beweis stellen sollte, demonstrierte den hohen Stellenwert, den der Rennsport in Europa bereits einnahm.

Am Rande dieser Veranstaltung, an der auch Kaiser Wilhelm II. teilnahm, wurde eine für den deutschen Rennsport wichtige Entscheidung getroffen. Der Kaiser vertrat die Ansicht, "daß derartige Veranstaltungen künftig nicht mehr auf den öffentlichen Straßen vor sich gehen dürften, erstens, weil doch immer die große Gefahr bestände, daß Unbeteiligte dabei zu Schaden kommen könnten, und zweitens, weil sie doch eine ganz außerordentliche Behinderung des normalen Verkehrs darstellten. Aus diesen Gründen heraus hat der Kaiser aus eigener Initiative den Bau einer besonderen Fahrbahn für Automobile angeregt, und als geeignetes Gelände hierfür die Lüneburger Heide, dann die Eifel vorgeschlagen." Obwohl sich auch andere deutsche Regionen, wie der Taunus und der Hunsrück um die geplante Renn- und Teststrecke bewarben, wurde das Gelände in der Nähe des Eifelstädtchens Adenau als ein idealer Standort angesehen.

In der einsamen Eifel, die bisher nur von vereinzelten Jägern und Naturliebhabern besucht worden war, entstand aus dem Nichts eine Großbaustelle. Zwischen zweitausend und dreitausend Arbeiter waren oft gleichzeitig an den einzelnen Bauabschnitten beschäftigt. Es zeigte sich sehr schnell, dass die Hoffnungen des Landrates in Erfüllung gingen. Der entstehende Nürburgring wurde zum größten Arbeitgeber der Region. Es waren vor allem Erwerbslose, "die in 24 Monaten hier 78.4510 Tagewerke ableisteten. Die Zahl der Arbeitslosen ging rapide zurück. Landwirte fanden einen guten Nebenerwerb. Steinbrüche wurden erschlossen, Reparaturwerkstätten errichtet. ... Die Lebenshaltung der Bevölkerung konnte spürbar verbessert werden." Der Kostenrahmen für die 28,265 km lange Gesamtstrecke, die 89 Links- und 85 Rechtskurven sowie ein Gefälle von bis zu 11 Prozent und Steigungen bis zu 19 Prozent haben sollte, musste mehrfach erweitert werden. Aus den in der Anfangsphase veranschlagten vier Millionen Reichsmark wurden schließlich 14,5 Millionen.

Bei dem sportlichen Auftakt standen sowohl bei den Motorradrennen als auch bei den Rennwagen mehrere Klassen am Start. Unvergessen bleibt der Sieg des in Remagen geborenen Rennfahrers Rudolf Caracciola, der in der Klasse über 5.000 ccm einen Mercedes-Benz fuhr. Hier stellte die neue Rennstrecke unter Beweis, dass sie nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht ein voller Erfolg war. Trotz vielfältiger Rückschläge wird die Rennstrecke in der Eifel auch noch nach 75 Jahren in sportlicher Hinsicht den nationalen und internationalen Anforderungen vollständig gerecht und ist mehr denn je als wichtiger Wirtschaftsmotor einer ganzen Region unverzichtbar.

Quellen

Literatur

  • J.-T. Födisch: Der Nürburgring. Daten-Fakten-Zahlen. Geschichte und Geschichten, Meckenheim 1996    
  • Handel und Wandel im Kreise Adenau-Eifel und der Nürburg, Ring, Düsseldorf 1926
  • Th. Hornung: 50 Jahre Nürburgring-Kurvenlabyrinth für Könner, Koblenz 1977
  • Th. Hornung: Die Nürburgring-Story, Koblenz 1992
  • J. Michael: Der Nürburgring, o. O. 2000
  • W. K. Michels, L. Scheuer: Nürburgring. Jagdrevier der schnellen Männer, Koblenz 1979

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