Der 18. Mai 1953. Das Mahnmal der deutschen Einheit

Am 18. Mai 1953 fand am Deutschen Eck in Anwesenheit des Bundespräsidenten Theodor Heuss eine Feierstunde statt, in deren Verlauf das neugestaltete Denkmal zu einem Mahnmal der deutschen Einheit umgewidmet wurde. Das ursprüngliche Reiterstandbild Kaiser Wilhelm I., das am 31. August 1897 eingeweiht wurde, war 1945 stark beschädigt und schließlich beseitigt worden. Nach langwierigen Diskussionen über eine eventuelle Neu- oder Umgestaltung des Denkmals, fand der Vorschlag Peter Altmeiers einer Einrichtung eines Mahnmals breite Zustimmung. Die Bemühungen um eine Wiedererichtung des Reiterstandbildes waren damit aber nicht beendet und hatten am 2. September 1993 Erfolg. 

Nachdem das ehemals größte Reiterdenkmal der Welt "als Dank für die Einigung des Reiches am 31. August 1897 eingeweiht worden war, machte es ein sehr wechselhaftes Schicksal durch. Der "Faustschlag aus Stein", wie der Pazifist Kurt Tucholsky das Denkmal bezeichnete, stand im März 1945 unter amerikanischem Artilleriebeschuss. Das Denkmal wurde zwar nicht direkt getroffen, aber die Einschläge in unmittelbarer Nähe genügten, um erhebliche Schäden anzurichten. Die ca. 15 Meter hohe Figurengruppe, die die auf einem hohen Sockel ruhende Pfeilerhalle krönte, bestehend aus dem reitenden Kaiser Wilhelm I. und einem Genius kippten auf die Seite und hingen kopfüber nach unten. Monatelang war der Kaiser in dieser Position zu besichtigen, bevor er schließlich abmontiert wurde. Wahrscheinlich ist das Reiterstandbild auf Veranlassung der französischen Militärregierung im Laufe des Jahres 1946 oder 1947 demontiert worden. "Der wertvolle Schrott," der "spurlos verschwand", wurde sicherlich wiederverwertet, so dass bald das Gerücht entstand, "das Metall sei zu Kupferdraht für die Oberleitung der Koblenzer Straßenbahn verwendet worden - die Stadt hätte nun das `längste Denkmal der Welt` aufzuweisen." Lediglich der Kopf der Kaisers ist erhalten geblieben und befindet sich heute als Dauerleihgabe im Mittelrhein-Museum in Koblenz.

Bereits kurz nach Kriegsende begannen die vielfältigen Überlegungen über eine Neu- oder Umgestaltung des Denkmals. Im August 1946 hatte der französische Militärgouverneur Hettier des Boislambert einen Architektenwettbewerb ausschreiben lassen. Die zahlreichen Entwürfe umfassten Ideen für ein Friedensdenkmal und eine Marienstatue ebenso wie Vorschläge für Cafes und Garten-Restaurants. Seit 1947 blieb die Entscheidung über das weitere Schicksal des Denkmals dem neugegründeten Bundesland Rheinland-Pfalz überlassen. Allein schon aus Kostengründen kam eine Wiederherstellung allerdings nicht in Frage. Anfang der 50er Jahre wurde eine andere Lösung gefunden. "Die Landesregierung entschloß sich, die gesamte Anlage der Stadt Koblenz zu schenken. Das Angebot wurde nicht angenommen und nun ging die Landesregierung selbst an den Wiederaufbau. Dabei war die Überlegung maßgebend, daß dieser Wiederaufbau keine Wiederholung oder Erneuerung der Denkmalunsitte vergangener Jahrzehnte bringen dürfe. Es mußte eine Form gefunden werden, die einer inneren Gesinnung entspreche."

Der Sockel des Denkmals war aus Landesmitteln instandgesetzt worden. Anstatt der Reiterstatue wurde nun eine "mächtige Fahnenstange" auf der Säulenhalle befestigt, das Denkmal sollte zukünftig von der schwarz-rot-goldenen Bundesflagge gekrönt werden. Im unteren Rundgang des Denkmals wurden Bronzetafeln angebracht, die die Wappen der damals zur Bundesrepublik Deutschland gehörenden Bundesländer zeigen. Darüber hinaus wurden zwei weitere Tafeln in Form von Adlern an den Enden der Wappenreihe angebracht, die Länder und Provinzen nennen, die 1953 nicht zur Bundesrepublik gehörten. Auf der linken Tafel wurden Thüringen, Sachsen, Saar und Schlesien verzeichnet, auf der rechten Brandenburg, Pommern, Mecklenburg und Ostpreußen. Auf der Inselspitze des Deutschen Ecks waren ebenfalls Fahnenmasten angebracht worden, an denen die Flaggen der Bundesländer gehisst wurden. Die Bundesflagge auf der Denkmalspitze wurde nachts durch starke Scheinwerfer angestrahlt, die auf den Rundbögen im Ehrenhof installiert wurden.

Die Renovierungs- und Umbaumaßnahmen für das Mahnmal konnten erst kurz vor der feierlichen Einweihung am Verfassungstag des Landes Rheinland- Pfalz, am 18. Mai 1953 fertiggestellt werden. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, an der Veranstaltung teilzunehmen. Auch die Schulen und Vereine in Koblenz und der näheren Umgebung erhielten Einladungen. Am eigentlichen Feiertag, einem Montag wurde ab 16:00 Uhr am Deutschen Eck ein Standkonzert über die Lautsprecher übertragen. Die Zuschauermassen wurden immer größer. "Es waren Tausende, als der Zeiger der Uhr auf 17.30 zeigte: Menschen in sommerlichen Kleidern, kunterbunt gemischt, von der Arbeit aus den Büros kommend, Mütter mit Kinderwagen, die jüngsten Schängel in Krachledernen und mit gummibereiften Rollern, dazwischen geschäftstüchtige Limonadenverkäufer, Obsthändler und auch ein Würstchenverkäufer. `Ein ordentlicher Wasserwerfer wär mir lieber !` meinte einer der Schulbuben, der mit seinen Kameraden zum Spalierbilden anrückte."

Obwohl es kein anderes Mahnmal der deutschen Einheit gab, hörten auch nach der Umwidmung die Diskussionen um das Deutsche Eck und seine weitere Nutzung nicht auf. Konkrete Wünsche nach einer Wiedererrichtung des Reiterstandbildes wurden seit 1958 immer wieder geäußert. Ministerpräsident Altmeier trat diesen Vorschlägen in einem Brief an den Koblenzer Oberbürgermeister Schnorbach im Juni 1958 entgegen. "Die am 18.05.1953 aufgezogenen Bundesflagge soll daher solange auf dem Denkmalsockel wehen, bis die Einheit Deutschlands in Freiheit wieder vollendet ist. Dann sollte der Zeitpunkt gekommen sein, eine dem Gedanken entsprechende endgültige Gestaltung für dieses Deutsche Eck zu wählen." Mit dem Fall der Mauer und der Kostübernahme durch das Ehepaar Theisen nahmen die Bemühungen um eine Wiedererrichtung der Reiterstatue konkrete Formen an. Seit dem 2. September 1993 reitet Wilhelm I. wieder auf dem Sockel des Denkmals.

Quellen

  • LHAKo Bestand 709,2, Nr. 26. Rhein-Zeitung Mai 1953    
  • LHAKo Bestand 710, Nr. 14074. Photo. Deutsches Eck
  • LHAKo Bestand 713, Nr. 207. Staats Zeitung. Staatsanzeiger für Rheinland-Pfalz, 1953
  • LHAKo Bestand 910, Nr. 10199. Deutsches Eck in Koblenz
  • LHAKo Bestand 930, Nr. 2430. Zuständigkeit für die Instandhaltung des Deutschen Ecks

Literatur

  • M. Bär: Aus der Geschichte der Stadt Koblenz 1814 - 1914, Koblenz 1922    
  • F.-J. Heyen: Viermal Deutsches Eck, in: Spuren der Geschichte. Wegweiser Mittelrhein, Heft 11, Koblenz 1998, S. 64 - 72
  • G. Kießling: Kaiser Wilhelm-Denkmal, in: Zeugnisse Rheinischer Geschichte. Urkunden, Akten, Bilder aus der Geschichte der Rheinlande. Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Neuss 1982, S. 92 - 94
  • M. Koelges: "Friede, Freiheit, Arbeit". Pläne zur Umgestaltung des Deutschen Ecks 1945 - 1958, in: Koblenzer Beiträge zur Geschichte und Kultur, Bd. 3. Schwerpunkt Deutsches Eck, Koblenz 1993, S. 93 - 105
  • H.-J. Mack: Die Zerstörung des Reiterstandbildes im März 1945, in: Koblenzer Beiträge zur Geschichte und Kultur, Bd. 3. Schwerpunkt Deutsches Eck, Koblenz 1993, S. 89 - 93

 

 

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