Der 18. März 1793. Der Rheinisch-deutsche Nationalkonvent in Mainz

Am 18. März 1793 verabschiedete der Rheinisch-Deutsche Nationalkonvent ein von Georg Forster formuliertes Dekret, das den Landstrich zwischen Landau und Bingen zu einem freien und unabhängigen Staat erklärte. Der Nationalkonvent war aus Wahlen hervorgegangen, die in dem seit Oktober 1792 von den Franzosen besetzten Gebiet durchgeführt worden waren. Obwohl nur ein Teil der Orte zwischen Landau und Bingen vertreten waren, war der Konvent das erste moderne Parlament in Deutschland, dessen Lebensdauer allerdings sehr begrenzt war.  

Am Vorabend der Französischen Revolution war Mainz eine Stadt mit 25.000 - 30.000 Einwohnern. Als Haupt- und Residenzstadt, als Sitz des ranghöchsten Reichsstandes des damaligen Erzbischofs Friedrich Karl Joseph von Erthal (1774 - 1802), der zugleich Kurfürst, Erzkanzler für Deutschland und Direktor und Leiter der Kaiserwahl und -krönung war, wurde die rheinhessische Stadt im ausgehenden 18. Jahrhundert aufgrund ihrer reichspolitischen Bedeutung als das "rheinische Athen" bezeichnet. Diese Stadt, in der im Juli 1792 der Fürstenkongress stattgefunden hatte, der die Grundlagen für die Niederschlagung der Französischen Revolution legen sollte, wurde "zur Wiege deutscher Freiheit". "Schon lange lagen die Schatten der Großmacht Frankreich auf der bunten Landkarte der rheinischen Kleinstaaterei." Nicht nur aufgrund der engen Verbindungen und traditionellen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Beziehungen zu Frankreich fanden die revolutionären Ereignisse von Anfang an großes Interesse und Sympathie in Mainz. Hier lebte "eine aufgeklärte Elite aus Adligen, Hofräten und Professoren", die über einen nicht unerheblichen Einfluss verfügte und die Ereignisse in Paris mit Begeisterung bzw. zustimmenden Interesse verfolgte.

Allerdings war die Stimmung in der Stadt für die Umsetzung dieser Maßnahmen äußerst ungünstig. Am 2. Dezember hatten die alliierten deutschen Truppen die Stadt Frankfurt zurückerobert. Die französische Armee musste sich zurückziehen, "der Mythos von der Unbesiegbarkeit Custines" war gebrochen. Dementsprechend war die Bereitschaft vieler Mainzer zu einem politischen oder gar revolutionären Engagement für die Franzosen äußerst gering. Trotzdem wurden die Wahlen zu dem "Rheinisch-Deutschen Nationalkonvent", die am 24. Februar 1793 durchgeführt wurden mit Nachdruck vorbereitet. Wahlberechtigt waren alle selbständigen Männer über 21 Jahren mit Ausnahme von Dienstboten und Knechten. Vor der Stimmabgabe war allerdings ein Eid auf die Volkssouveränität und auch Einheit und Freiheit verbindlich, was zu heftigen Auseinandersetzungen führte. Vielerorts wurde der Eid verweigert, oft massiver Druck ausgeübt. Schließlich entsandten knapp 130 Gemeinden zwischen Landau und Bingen Abgeordnete in den Nationalkonvent, der sich am 17. März 1793 im Rittersaal des Mainzer Deutschhauses konstituierte. Obwohl angesichts dieser Vorgeschichte die Akzeptanz des Konvents nicht sehr groß war, war es das erste "moderne Parlament in Deutschland", wenn es auch nur auf eine relativ kleine Region bezogen war.

Allerdings war diese Begeisterung nur noch ein Abgesang für den Rheinisch-Deutschen Nationalkonvent und die junge Mainzer Republik. Die militärische Situation hatte sich für Frankreich weiter bedrohlich zugespitzt. Seit Mitte März hatten deutsche Truppen Rheinhessen und die Pfalz zurückerobert, so dass der Beschluss des Pariser Konvents gar nicht mehr nach Mainz gelangen konnte. In der Zwischenzeit hatte der Mainzer Nationalkonvent sich vor allem mit den "inneren Feinden" beschäftigt und Maßnahmen gegen Emigranten und Eidverweigerer beschlossen. Am 31. März wurde schließlich noch eine "Allgemeine Administration beschlossen, die allerdings schon unter dem Schatten der Vorbereitungen zur Verteidigung der Stadt gegen die deutschen Truppen stand, die am 29. März begonnen hatte. Der Konvent, der sich auf unbestimmte Zeit vertagt hatte, sollte nie wieder zusammentreten. In der kurzen Geschichte der Mainzer Republik wurde mit der Belagerung der Stadt das letzte Kapitel aufgeschlagen. Am 14. April war die Stadt von 32.000 Deutschen eingeschlossen, die im Mai durch 11.000 Österreicher verstärkt wurden. Nachdem Verhandlungsversuche gescheitert waren, begann im Juni die Beschießung der Stadt. Am 23. Juli 1793 kapitulierten die Franzosen und erhielten dafür freien Abzug. Sie verließen am 24. und 25. Juli die Stadt, womit auch die Existenz der Mainzer Republik und des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents endgültig beendet war.

Quellen

Literatur

  • F. Dumont: Die Mainzer Republik von 1792 - 1793. Studien zur Revolutionierung in Rheinhessen und der Pfalz, Alzey 1993    
  • F. Dumont: Mayence. Das französische Mainz (1792/98-1814), in: Mainz. Die Geschichte der Stadt, hg. v. F. Dumont, F. Scherf, F. Schütz, Mainz 1998, S. 319 - 374
  • F. Dumont: Die Mainzer kurze Republik, in: Die Mainzer Republik. Der Rheinisch-Deutsche Nationalkonvent, hg. v. Landtag Rheinland-Pfalz, München 1993, S. 107 - 121
  • H. Scheel: Die Mainzer Republik - Historie oder Politikum, in: Die Mainzer Republik. Der Rheinisch-Deutsche Nationalkonvent, hg. v. Landtag Rheinland-Pfalz, München 1993, S. 121 - 129
  • H. Scheel: Die Arbeit des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents und der zweiten Allgemeinen Administration, in: Die Mainzer Republik, München 1993, S. 157 - 165
  • H. Scheel: Die Mainzer Republik III. Die erste bürgerlich- demokratische Republik auf deutschem Boden, Berlin 1989

 

 

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