Der 17. Juli 1955. 600 Jahre Stadt Gau-Algesheim. Die Staats-Zeitung berichtet

Am 17. Juli 1955 fand in dem traditionsreichen Weinstädtchen Gau-Algesheim der offizielle Festakt anlässlich der 600 Jahrfeier des Ortes statt. Am 11. Februar 1355 hatte Kaiser Karl IV. die Erhebung zur Stadt gegenüber dem Mainzer Erzbischof Gerlach von Nassau bestätigt. Die Staats-Zeitung von Rheinland-Pfalz berichtete ausführlich über diese Feierlichkeiten, an denen auch Ministerpräsident Peter Altmeier als Festredner teilnahm. Die Zeitung gab aber auch einen ausführlichen Überblick über die wechselvolle historische Entwicklung der Stadt und den Alltag in der Gegenwart des Jahres 1955.

"Da, wo die sanften Hügel des fruchtbaren Landes zwischen Mainz und Bingen zum Rhein abfallen, unweit dem inselbesäten Silberband des großen Stromes, in einer Landschaft, die im Wechsel der Jahreszeiten bald von dem Blütenmeer der Obstbäume, bald von dem satten Grün der Reben bestimmt ist, liegt das Städtchen Gau-Algesheim. Selbst in die altersgrauen Tage der karolingischen Zeit hinaufreichend, ist es eingebettet in eine Landschaft, die intensiv wie kaum eine andere deutsche Geschichte verkörpert." Mit diesen einleitenden Sätzen berichtete die Staats-Zeitung für Rheinland-Pfalz in einem ausführlichen Artikel am 17. Juli 1955 über ein denkwürdiges Jubiläum der Stadt Gau-Algesheim. Im Sommer dieses Jahres wurde die 600-Jahrfeier der Stadtwerdung gefeiert, die sich bereits am 11. Februar gejährt hatte.

Die eigentlichen Ursprünge des traditionsreichen Weinstädtchens liegen allerdings viel weiter zurück. Archäologische Funde lassen auf eine Besiedelung der Region zumindest seit der jüngeren Steinzeit schließen. Im sogenannten Codex Laureshamensis, dem Urkundenregister des Klosters Lorch, findet sich die schriftliche Ersterwähnung des Ortes Alagatesheim vom 22. November 766, die im Jahre 1966 Anlass zu einer 1200-Jahrfeier bot. In dieser Urkunde ist von einer Schenkung von 30 Morgen Ackerland in Alagastesheim an das Kloster Lorch die Rede. Ähnliche Anlässe für eine schriftliche Überlieferung gibt es auch aus den Jahren 770 und 779. In diesen ältesten Urkunden der Stadtgeschichte wird der Ort einheitlich als Alagastesheim bezeichnet. In späteren Schriftstücken finden sich auch die Bezeichnungen Alginsheim, Algisheim, Algiesheim und Algesheym. Am 14. Juni 983 kam das Binger Land und das Rheingau mit Gau Algesheim durch die Veroneser Schenkung Otto II. an den Mainzer Erzbischof Willigis. Mit kleineren Unterbrechungen gehörte es seitdem fast 800 Jahre zum Erzstift Mainz.

Mit dem Ausbau der Befestigung des Ortes war direkt nach 1332 begonnen worden. Ein Graben, der nach 1397 als Dorfgraben bezeichnet wurde, wird bereits 1344 erwähnt. Teile der Besiedelung, die außerhalb der Befestigung lagen, wurden aufgegeben bzw. in den Mauerring verlegt. Die Ringmauer mit ihrem Graben wurde mit drei Toren versehen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Befestigung allerdings weitgehend beseitigt und der Stadtgraben zugeschüttet. Lediglich der Graulturm erinnert bis heute an die eindrucksvolle Befestigung. Seit 1345 wurden die Einwohner erst gelegentlich dann überwiegend als Bürger bezeichnet. Langsam entwickelte sich neben Acker- und Weinbau eine Gewerbetätigkeit. Neben Schmieden und Bäckern sind ein Bartscherer, ein Küfer, ein Schneider und ein Krämer nachzuweisen. Später wird ebenfalls ein Heringshändler, ein Zimmermann und ein Maurer erwähnt. Auch ein Marktplatz für den verliehenen Wochenmarkt wurde seit 1345 genannt. Eine städtische Verfassung ist seit 1417 bezeugt.

Quellen

Literatur

  •  A. Ph. Brück (Hg.): 600 Jahre Stadt Gau-Algesheim. Aus Kultur und Geschichte der Stadt, Gau-Algesheim 1955
  • K. J. Brilmayer: Geschichte der Stadt Gau-Algesheim, 1883
  • H. Gensicke: Zur Geschichte von Stadt, Gericht und Amt Gau-Algesheim, in: 600 Jahre Stadt Gau-Algesheim, 1955, S. 34 - 51.
  • K. H. Helm: Gau-Algesheimer Chronik 766 - 1966. Festschrift zur 1200-Jahrfeier, Gau-Algesheim 1966
  • H. Sarg (Bearb.): Geschichte der Stadt Gau-Algesheim, o. O. 1952
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