Der 17.-25. Juni 1614. Der Binger Ligatag

Vom 17. bis 25. Juni 1614 tagten in Bingen die Mitglieder des rheinischen Direktoriums der katholischen Liga, die 1609 gegründet worden war. Mit dieser konstituierenden Versammlung des rheinischen Direktoriums nahm die überwiegende Mehrzahl der Mitglieder den Abschied des Regensburger Ligatages vom Oktober 1613 an und konkretisierte die dort vereinbarten Bestimmungen.

Der Augsburger Religionsfrieden von 1555, durch den die protestantische Religion der katholischen gleichgestellt wurde, konnte die konfessionspolitischen Gegensätze und Kämpfe im Reich nicht beilegen. Sie verschärften sich im Gegenteil auch durch die Schwäche des Kaisertums noch weiter und führten zur Bildung von Religionsparteien um schließlich in den Dreißigjährigen Krieg zu münden, der als europäische Auseinandersetzung für viele Regionen Deutschlands Tod und Vernichtung brachte.

Im Jahre 1608 schlossen sich zahlreiche protestantische Stände unter Führung der Kurpfalz zusammen und gründeten eine Union, deren Ziel es war, die Durchführung des Religionsfriedens in ihrem Sinne zu erreichen. Die Antwort der katholischen Seite ließ nicht lange auf sich warten. Im Juli 1609 gründeten die einflussreichsten katholischen Stände unter der Führung Bayerns ebenfalls einen Sonderbund, um die optimale Durchsetzung ihrer Rechte und Interessen gewährleisten zu können. Diese als "Liga" bezeichnete Interessengemeinschaft wurde in den späteren Jahren durch weitere Beitritte erweitert und ausgebaut. Während des Regensburger Reichstages wurde im Oktober 1613 ein Ligatag abgehalten, während dessen der Bund in drei Bezirke bzw. Direktorien eingeteilt wurde. Neben einem österreichischen unter der Führung von Erzherzog Maximilian III. von Tirol und einem bayerischen unter der Leitung von Maximilian I. von Bayern entstand auch ein rheinisches Direktorium, das von Kurmainz geführt wurde. Im Kriegsfall sollte der Oberbefehl über alle Direktorien allerdings bei Bayern verbleiben. Die Ratifizierung der Regensburger Ligaverfassung blieb den einzelnen Direktorien überlassen. Während das bayerische Direktorium bereits im März 1614 und das österreichische im April/Mai 1615 ihre Versammlungen abhielten, trafen sich die rheinischen Ligisten im Juni 1614 zu einer Versammlung, die zuerst nach Frankfurt und dann in das kurmainzische Bingen einberufen worden war.

Die Zusammenkunft wurde vom 17. bis 25. Juni durchgeführt. Außer den geistlichen Kurfürsten waren die Bischöfe von Worms, Speyer, Straßburg, Paderborn, Münster und Lüttich, der Abt von Fulda, das Freie Ritterstift Odenheim, der Graf von Ostfriesland, die Stadt Köln und der Bruder des Herzogs von Lothringen, Graf Franz von Vaudemont sowie die Reichsstadt Weil anwesend. Bis auf die beiden letzten, verabschiedeten alle Mitglieder dieser Versammlung auch die ausgehandelte Vereinbarung vom 25. Juni. Die Stadt Köln behielt sich eine Ratifizierung des Abschieds vor, so dass man sich mit ihr auf ein gegenseitiges Beistandsversprechen auf der Grundlage des allgemeinen Reichsrechtes einigte.

Der Binger Ligatag verstand sich als konstituierende Versammlung des rheinischen Direktoriums. In Artikel 1 des Bingener Abschieds erfolgte die offizielle Anerkennung des Regensburger Abschieds. Darüber hinaus wurde die Verpflichtung zur gegenseitigen Hilfestellung der Direktorien betont, die von dem bayerischen Direktorium weitgehend umgangen worden war. Eine genauere Festlegung dieses Punktes wurde allerdings einer Generalversammlung der drei Direktorien überlassen, die vor allem von Kurmainz angestrebt wurde. Kurtrier, Kurköln und die Stadt Köln wurden in einem weiteren Punkt der Vereinbarung zu Beigeordneten des Direktors ernannt. In Artikel 4 wurde festgelegt, dass aufgrund der großen Entfernung der rheinischen Stände voneinander zwei Kassen eingerichtet werden sollten und auch das Kriegsdirektorium in einen ober- und einen unterrheinischen Bezirk geteilt werden sollte, wodurch die Gefahr bestand, dass das rheinische Direktorium noch mal zerfiel. Weiterhin wurde festgelegt, dass der Eintritt neuer Mitglieder nach den Bestimmungen des Regensburger Abschieds zu regeln sei.

Zu einer tatsächlichen militärischen Erprobung dieses rheinischen Direktoriums kam es nicht. Nach dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges wurde das Bündnis allerdings in anderer Form in dem Oberweseler Bund vom 26. Januar 1619 wieder errichtet. Damit wurde es zum Ausgangspunkt des der im gleichen Jahr wiedererichteten Liga, die zu einer wichtigen Unterstützung des Kaisers in der ersten Hälfte des Krieges werden sollte und die im Gegensatz zu der im Jahr 1621 aufgelösten Union erst durch den Prager Frieden von 1635 ein Ende fand.

Quellen

Literatur

  • H. Altmann: Kampf der Konfessionen. Der Binger Ligatag von 1614, in: Zeugnisse rheinischer Geschichte. Urkunden, Akten und Bilder aus der Geschichte der Rheinlande, 1982, S. 56 - 58    
  • H. Altmann: Die Reichspolitik Maximilians I. von Bayern 1613 - 1618. Briefe und Akten zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges, Bd. 12, München, Wien 1978
  • F. Neuer-Landfried: Die katholische Liga. Gründung, Neugründung und Organisation eines Sonderbundes 1608 - 1620. Münchner Historische Studien. Abteilung bayerische Geschichte, Bd. 9, Kallmünz 1968

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