Der 16. September 1956. 700 Jahrfeier und Wiederverleihung der Stadtrechte an Kyllburg

Am 16. September 1956 konnte in dem Eifelort Kyllburg die Wiederverleihung der Stadtrechte gefeiert werden. Im 13. Jahrhundert war die Ausstattung mit den Rechten einer Stadt erfolgt, was Kyllburg zu einem wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt der Eifel machte. Diese Stadtrechte gingen durch die Rheinische Städteordnung im Jahre 1856 nach einer 600 jährigen Geschichte verloren und konnten erst 100 Jahre später durch das 1946 gegründete Bundesland Rheinland-Pfalz wiedererlangt werden. Dieses besondere Ereignis in der Geschichte des Ortes wurde mit einem dreitägigen Fest und in Anwesenheit des Ministerpräsidenten Altmeier gefeiert.  

"Ein schmaler Bergrücken ragt weit in das Tal hinaus. Sich allmählich nach Süden verlängernd, wo er in einer runden, ringsum mit Wald umhüllten Bergkuppe endet und auf seiner Höhe in langgezogenen Häuserreihen den Ort Kyllburg trägt. Höchst malerisch lagert sich dieser auf der schmalen Felsenkante, deren Abhänge ringsum mit Gärten und Baumpflanzungen geziert sind, während einzelne alte Türme über die Häusergruppen hinausragen und im Hintergrund die schöne Kirche mit ihren altertümlichen Formen die Aussicht beherrscht. In wundersamen Windungen schlängelt sich die Kyllum die romantischen Bergformen herum, das Auge in hin- und herirrendem Laufe unaufhörlich neckend, indessen rechts aus dem waldigen Berggelände wie in heller Verklärung das schöne Schloß Malberg heraufblinkt, gleichsam den Morgengruß über die ganze heitere Gegend hinausrufend, und freundliche Häusergruppen an seinem Fuße die Kyll bekränzen." Die reizvolle Lage des Ortes machte Kyllburg bereits im Mittelalter zu einem beliebten Anziehungspunkt für Wanderer und Fremde.

Ortsansicht Kyllburg, um 1935
(LHAKo, Bestand 710, Nr. 811)

Das kleine kurtrierische Städtchen mit seiner reizvollen landschaftlichen Lage machte in den folgenden Jahrhunderten vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht eine positive Entwicklung durch, obwohl es immer wieder von kriegerischen Auseinandersetzungen berührt und schwer belastet wurde. Die langen Jahrhunderte der Zugehörigkeit zu Kurtrier endeten abrupt mit dem Einmarsch der Franzosen. Anfang August 1794 zogen die Revolutionstruppen in Trier ein, am 28. September 1794 fiel der französische General Moreaux mit 800 Mann in Kyllburg ein. In den folgenden Jahren wurde die kleine Stadt, wie das gesamte linksrheinische Gebiet auch rechtlich in die französische Republik eingegliedert. Kyllburg gehörte als Kantonsstadt zum Saardepartement und verlor durch die Munizipalverfassung seinen Status als Stadt. Nach dem Niedergang der französischen Herrschaft wurden 1814/15 die europäischen Herrschaftsverhältnisse neu geordnet. Preußen wurden die Rheinlande und damit auch die Eifel zugesprochen. Kyllburg gehörte mit dem Inkrafttreten der Verwaltungseinteilung vom 22. April 1816 zum Regierungsbezirk Trier und zum Kreis Bitburg. In der französischen Zeit und auch in den Anfangsjahren der preußischen Herrschaft hatte der Ort seinen Titel als Stadt bewahren können, wie zahlreiche überlieferte Quellen beweisen. Der Status als Stadt Kyllburg wurde nie in Zweifel gezogen. Das änderte sich nachhaltig erst mit der Einführung der Städteordnung vom 15. Mai 1856. Kyllburg erhielt aufgrund seiner Größe keine Anerkennung als Stadt wodurch sie den rechtlichen Charakter einer Landgemeinde in Kauf nehmen musste.

Aber trotz dieser "Erniedrigung" konnte sich Kyllburg in wirtschaftlicher Hinsicht besonders nach der Erschließung der Eifel durch die Eisenbahn sehr positiv entwickeln. Besonders der Fremdenverkehr wurde zu einem immer bedeutenderen Wirtschaftsfaktor des malerischen Ortes. Der Erste und der Zweite Weltkrieg unterbrachen den einträglichen Zustrom der erholungssuchenden Fremden. Am Ende der nationalsozialistischen Herrschaft hatte auch der Eifelort Kyllburg unter mehreren Luftangriffen zu leiden und war schließlich Ende Februar und Anfang März 1945 einem mehrtägigen Artilleriefeuer der amerikanischen Streitkräfte ausgesetzt. Es sollte eine lange Zeit dauern bis in Kyllburg wie überall in dem neugegründeten Bundesland Rheinland-Pfalz die Spuren des schrecklichen Krieges zu verblassen begannen. Anfang der 50er Jahre hatte sich Kyllburg zu einem aufstrebenden Kurort entwickelt. Im Jahre 1956 wurden die intensiven Bemühungen, die in Kyllburg zur Erhaltung der historischen Traditionen und des heimatlichen Kulturgutes gewürdigt. Ministerpräsident Altmeier verlieh dem Ort am Sonntag, den 16. September erneut die Stadtrechte.

Quellen

Literatur

  • K. E. Becker: Das alte Jahr an der unteren Kyll, Trier 1995
  • K. Föst: Kyllburg in der Eifel unter besonderer Berücksichtigung seines städtischen Charakters. Einst und Jetzt, Trier 1955
  • Kyllburg. 1200 Jahre Kyllburg: Chronik der Stadt Kyllburg 800-200, hg. v. der Stadt Kyllburg, Neuerburg 2000
  • Kyllburg. Zum Tage der Wiedererklärung zur Stadt und zur 700 Jahrfeier am 15.,16. und 17. September 1956, Trier 1956
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