Der 16. März 1473. Die Eröffnung der Trierer Universität

Am 16. März 1473 wurde die Universität Trier durch die Stadt als eröffnet erklärt. Die ursprüngliche Initiative zur Gründung der Universität war von Erzbischof Jakob von Sierck ausgegangen, der 1455 zwei päpstliche Bullen erhielt, durch die die notwendigen rechtlichen Voraussetzungen geschaffen wurden. Aber weder Jakob von Sierck noch sein Nachfolger setzten die Gründungsprivilegien um, bis schließlich die Stadt selbst die Einrichtung der Universität übernahm. Nach einer anfänglichen Blütezeit war der Bestand der Universität allerdings immer wieder gefährdet, bis sie 1798 unter der französischen Herrschaft endgültig geschlossen wurde. Erst im Jahre 1970 kam es zu einer Neugründung.  

"Von der Stadt Trier aus macht Gott die Gaben der Weisheit vollständig." Mit dieser sehr selbstbewussten Inschrift wurde das Siegel der alten Trierer Universität geschmückt. Die Realität der wechselvollen Geschichte der Universität sah allerdings nicht immer so aus, wie diese Inschrift es vermuten lässt. Seit dem 12. Jahrhundert entstanden in Italien, Frankreich und England sogenannte Hohe Schulen. Zu diesen Universitäten gehörte auch die Pariser Hohe Schule, die für die Neugründungen im deutschsprachigen Raum Vorbildcharakter gehabt hatte. Die erste Phase der Entstehung deutscher Universitäten setzte im 14. Jahrhundert ein. In dieser Zeit liegt auch die Gründung der Universität Köln (1388/1389), die aufgrund der Initiative der städtischen Bürgerschaft ins Leben gerufen wurde. Die Gründung der Universität Trier liegt zeitlich in einer zweiten Welle, die Mitte des 15. Jahrhunderts begann. Hier war der Anstoß von dem Trierer Erzbischof Jakob von Sierck (1339 - 1456) ausgegangen, der aufgrund seiner Bitten bereits im Jahr 1450 die Zustimmung von Papst Nikolaus V. erhielt. Die Genehmigung eine Universität errichten zu dürfen, wurde durch zwei päpstliche Bullen vom 2. und 12. Februar 1455 bestätigt und mit den notwendigen rechtlichen Voraussetzungen versehen.

Trotz dieser anscheinend günstigen Rahmenbedingungen kam es vorerst nicht zur Eröffnung einer Universität in Trier. Erzbischof von Sierck starb bereits 1456 ohne die Angelegenheit weiter aktiv verfolgt zu haben. Auch sein Nachfolger Johann II. von Baden (1456 - 1503) dachte allein schon aufgrund der von seinem Vorgänger übernommenen schwierigen finanziellen Situation des Erzbistums vorerst nicht an die Eröffnung einer Universität. Schließlich nahm die Stadt Trier die Angelegenheit selbst in die Hand und kaufte dem Erzbischof das Gründungsrecht und die beiden päpstlichen Urkunden für 2.000 Goldgulden ab. Am 15. Februar 1473 bestätigte Johann II. in Koblenz die Vereinbarung und versprach darüber hinaus, sich beim Papst für eine weitere finanzielle Ausstattung der Universität einzusetzen. Die Stadt Trier hatte damit den Erzbischof als Universitätsgründer abgelöst, obwohl dieser wichtige verfassungsrechtliche Funktionen behielt. Die Gründe der Stadt Trier, der es aufgrund der eigenen wirtschaftlichen Situation nicht einfach fiel, die Ablösesumme zu zahlen, für ihren Vorstoß sind sicherlich in der Erwartung zu sehen, "Daß die Gründung der Universität und ihre Unterhaltung angesichts der Ausgaben der Professoren und Studenten ihr erhebliche wirtschaftliche Vorteile bringen würde und daß diese auch ihren Anspruch, freie Reichsstadt zu sein, unterstützen könne." Auch in der Erklärung der Stadt zur Eröffnung, die am 16. März erfolgte, wurde auf diese Aspekte hingewiesen. "Man nehme nach sehr reiflicher Überlegung mit Zustimmung der Gemeinde die Gründung der Universität vor, zur Ehre Gottes, zum Nutzen der Allgemeinheit und zur Erhöhung des Ansehens unserer Stadt."

Die Universität Trier, die über vier Fakultäten, Theologie, kirchliches und weltliches Recht, Medizin und freie Künste verfügte, erfüllte in den ersten Jahren ihres Bestehens diese Erwartungen voll und ganz. Eine nicht unerhebliche Zahl von insgesamt 26 Dozenten unterrichtete die wachsende Zahl der Studenten. Bereits im ersten Jahr ihres Bestehens wurden 22 Promotionen in Trier abgelegt. Diese "Blütezeit" hielt allerdings nur rund zehn Jahre an. Der folgende deutliche Niedergang hatte mehrere Gründe, von denen die schwierige wirtschaftliche Situation der Universität sicherlich die entscheidendste war. Die finanzielle Ausstattung durch die Papstbullen und die Zusagen Johann II. von Badens erwiesen sich als unzureichend. Es zeigte sich sehr schnell, dass die Stadt ihre finanziellen Kräfte überschätzt hatte. Der Unterhalt der Universität hatte während der ersten zehn Jahren fast einen Jahresetat der städtischen Ausgaben benötigt. Aber auch die Eröffnung der Universitäten in Mainz und Tübingen 1477 und die beginnende Blütezeit der Universität Heidelberg bedeuteten eine Konkurrenzsituation, der Trier nicht gewachsen war. Anfang des 16. Jahrhunderts hatte die Stadt nach mehreren mehr oder weniger erfolglosen Versuchen, die Universität auf ein gesundes Fundament zu stellen, ihre Unterstützung völlig zurückgezogen, so dass die Hochschule "schon fast zu Grabe getragen war."

Dennoch wurden die Stürme von Reformation und Gegenreformation überlebt. Dies war Kurfürst Johann VI. von der Leyen (1556 - 1567) zu verdanken, der 1560 die Jesuiten nach Trier berief und ihnen den Unterricht in der philosophischen und der theologischen Fakultät übertrug. Im Jahre 1722 kam es schließlich zu einer vollständigen Reorganisation durch Kurfürst Franz-Ludwig von Pfalz-Neuburg. Der Lehrbetrieb wurde modernisiert, die medizinische Fakultät neu eingerichtet und die juristische Fakultät erweitert. Nachdem 1773 der Jesuitenorden aufgelöst worden war, erhielt die Universität das Gebäude des Kollegs in der Jesuitenstraße, das ein Jahr später erweitert und ausgebaut wurde. Genutzt werden konnten diese neuen Räumlichkeiten allerdings nur sehr kurz. Die revolutionären Ereignisse in Frankreich zeigten auch in Trier ihre Folgen. Als die französischen Truppen am 9. August 1794 in die Stadt einmarschierten, existierte bereits kein Lehrbetrieb mehr. Nach einer kurzfristigen Wiederaufnahme der Vorlesungen wurde am 6. April 1798 die theologische und die juristische Fakultät geschlossen. Bereits einige Tage später am 28. April wurde der Lehrbetrieb in Trier, Köln, Mainz und Bonn von dem französischen Regierungskommissar Rudler vollständig aufgehoben. Es sollte weit mehr als 150 Jahre dauern, bis in der wechselvollen Geschichte der Universität Trier ein neues Kapitel aufgeschlagen werden konnte. Im Jahre 1970 kam es zur Neugründung der Hochschule.

Quellen

Literatur

  • Alma Mater Treverensis. Die alte Trierer Universität von 1473 - 1798. Katalog zur Ausstellung anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Universität, Trier 1980    
  • D. Flach: Universität Trier, in: Zeugnisse rheinischer Geschichte. Urkunden, Akten und Bilder aus der Geschichte der Rheinlande (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Neuss 1982, S. 325 - 327.
  • M. Matheus: Das Verhältnis der Stadt Trier zur Universität in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, in: Kurtrierisches Jahrbuch, 20. Jhg. 1980, S. 60 - 139
  • M. Trauth: Eine Begegnung von Wissenschaft und Aufklärung. Die Universität Trier im 18. Jahrhundert, Trier 2000
  • E. Zenz: Trier vor 500 Jahren. Eröffnung der alten Trierer Universität und Trierer Fürstentag, Trier 1973
  • E. Zenz: Die Trierer Universität 1473 - 1798. Ein Beitrag zur abendländischen Universitätsgeschichte, Trier 1949

 

 

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