Der 15. Februar 1837. Schulverhältnisse in Vallendar

Am 15. Februar 1837 forderte die königliche Regierung in Koblenz den Ort Vallendar auf, den unhaltbaren Zuständen im Volksschulunterricht ein Ende zu setzen und mit einem Schulneubau die notwendigen Voraussetzungen für einen im Interesse von Staat und Gesellschaft liegenden Volksschulunterricht zu schaffen. An sich verfügte der ehemals im Besitz der Grafen von Sayn befindliche Ort bereits seit 1492 über ein Schule, so dass die Voraussetzungen für die Einführung der allgmeinen Schulpflicht durch die preußische Regierung im Jahre 1825 als günstig bewertet wurden. Die für den Unterricht vorhandenen Räumlichkeiten wurden durch die steigenden Schülerzahlen schnell zu klein. Die von Lehrern und Eltern lange Jahre geforderte Beseitigung dieses Notstandes wurde allerdings erst ernsthaft in Angriff genommen, nachdem die Forderung der königlichen Regierung vorlag.  

Der Ort Vallendar am Fuße des Westerwaldes auf dem rechten Rheinufer wurde im Jahre 836 erstmals erwähnt. Seit dem 13. Jahrhundert im Besitz der Grafen von Sayn bzw. der Grafen Sayn-Wittgenstein gelangte die Herrschaft 1767 an Kurtrier. Der damals ca. 2.000 Einwohner zählende Ort wurde Sitz eines Trierer Amtes, das neben der Herrschaft Vallendar auch die Ämter Grenzau und Sayn sowie das Hochgericht Kirchspiel Heimbach umfasste. Nach dem Untergang des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und damit auch des Kurfürstentums Trier nahm im Dezember 1802 der Fürst von Nassau-Weilburg von den rechtsrheinischen Teilen des Kurstaates Besitz, was formell am 25. Februar 1803 bestätigt wurde. Vier Jahre später wurden die Länder Nassau-Weilburg und Nassau Usingen zum Herzogtum Nassau erhoben. Als Bestandteil des Herzogtums erstreckte sich das Amt Vallendar über den gesamten unteren Westerwald bis Baumbach. Nach dem Wiener Kongress kam das Amt Vallendar mit den Gemeinden Weitersburg, Mallendar und Niederwerth zu Preußen. Am 21. Juli 1815 nahm König Friedrich Wilhelm III. offiziell das Amt, das seitdem zum Landkreis Koblenz gehörte, in Besitz. Im Jahre 1856 erhielt der Ort entsprechend der preußischen Städteordnung Stadtrechte. Neben der Stadt Vallendar wurde die Bürgermeisterei Vallendar-Land gegründet, zu der die Orte Niederwerth, Weitersburg und seit 1937 die aus dem Amt Ehrenbreitstein ausgegliederten Orte Arenberg, Immendorf, Arzheim und Urbar gehörten. Mit der Verwaltungsreform im Jahre 1970 wurde die bisher verbandsfreie Stadt Vallendar in die Verbandsgemeinde Vallendar eingegliedert. Die Verbandsgemeinde, die seitdem zum Landkreis Mayen-Koblenz gehört, besteht neben der Stadt Vallendar aus den Gemeinden Niederwerth, Urbar und Weitersburg.

Eine sehr lange und wechselvolle Tradition in dieser Geschichte des Ortes nehmen die Schulverhältnisse ein. Die Anfänge des Schulwesens in Vallendar gehen auf das Jahr 1492 zurück. Eine ehemalige Klause der Beginen war von der Gemeinde in eine Jungen- und eine Mädchenschule umgewandelt worden. Wie lange diese Schule bestand bzw. wie sie organisiert war und wie viele Schülerinnen und Schüler an dem Unterricht teilnahmen, ist nicht bekannt. Hier wurden allerdings die Grundlagen gelegt, auf dem auch das Schulwesen des 19. Jahrhunderts aufbaute.

Mit der Eingliederung des Ortes in die preußische Verwaltung seit 1815 wurde der Elementarunterricht nach den Grundsätzen des preußischen Volksschulwesens organisiert. Mit einer von Friedrich Wilhelm III. unterzeichneten Kabinettsordre wurde am 14. Mai 1825 in den Provinzen, in denen das 1794 eingeführte Allgemeine Landrecht noch nicht galt, die Schulpflicht eingeführt. Auch für Vallendar wurden damit die folgenden Bestimmungen verbindlich festgelegt: "Eltern oder deren gesetzliche Vertreter, welche nicht nachweisen können, daß sie für den nöthigen Unterricht der Kinder in ihrem Hause sorgen, sollen erforderlichen Falls durch Zwangsmittel und Strafen angehalten werden, jedes Kind nach zurückgelegtem fünften Jahre, zur Schule zu schicken." In Vallendar sind seit Beginn des 19. Jahrhunderts eine Mädchen- und eine Jungenschule nachweisbar, die schon zu dieser Zeit eine nicht unbedeutende Größe hatten. Im Jahr 1812 besuchten 104 Schüler die Jungenschule und 95 Schülerinnen die Mädchenschule.

Die deutlich ansteigenden Schülerzahlen, die u. a. auch aus einer statistischen Auswertung des Jahres 1837 hervorgehen, hatten die betroffenen Lehrer und Eltern bereits seit Anfang der dreißiger Jahre veranlasst, den dringend notwendigen Neubau eines Schulhauses zu fordern. Aber erst nachdem am 15. Februar 1837 von der königlichen Regierung in Koblenz eine Beseitigung der unhaltbaren räumlichen Zustände angemahnt worden war, nahmen die Neubaupläne konkrete Formen an. Die Regierung betonte, "daß die Erlaubniß, die schulpflichtigen Kinder da, wo der vorhandene Schulraum zu beschränkt ist, um sie alle aufzunehmen, in Abtheilungen zu unterrichten, überall nur als eine, von dem dringensten Bedürfnisse motivierte Ausnahme von der Regel betrachtet und nirgends länger gestattet werden darf, als jene Motive selbst gerechtfertigt worden sind und dauern; daß aber aus einer solchen Erlaubniß keinesweges ein Vorwand abgeleitet werden darf, die Beschaffung des für den gesetzlichen Unterricht erforderlichen weiteren Raumes abzulehnen, oder auch nur zu verzögern". Es sollte aber dennoch bis zum Jahr 1845 dauern, bis das neue Schulhaus in der Eulerstraße, das von Lassaulx und Nebel gebaut wurde, fertiggestellt und bezogen werden konnte. 1872 wurde eine zweite Schule im Beuelsweg errichtet, die für die Mädchen vorgesehen war. Während die Mädchenschule nach dem Zweiten Weltkrieg in eine evangelische Volksschule umgewandelt wurde, hatten die katholischen Schüler ihr Zuhause bis 1964 in der Eulerstraße. Nachdem am 29. August 1964 die Karl-d\'Ester-Schule in der Schulstraße fertiggestellt war, fanden die Schüler aus der Eulerstraße und dem Beuelsweg in dieser Gemeinschaftsschule ihr neues Zuhause. Die alte Schule in der Eulerstraße wurde als Rathaus der Stadt genutzt.

Quellen

Literatur

  • 125 Jahre Vallendar. Ein Stadt stellt sich vor, hg. v. J. Schmidt, G. Mertens u. R. Mertens, Vallendar 1981    
  • H. Opitz (Hg.): Die Stadt Vallendar am Rhein, Vallendar 1994
  • A. Schmidt: Heimatchronik der Stadt und des Landkreises Koblenz, Köln 1955
  • H. Weides (Hg.): Vallendar am Rhein, Vallendar 1925
  • H. J. Weigand. Geschichte der Deutschen, insbesondere der Trevirer, der alten Grafen von Nassau, der Grafen von Sayn und Sayn-Wittgenstein mit besonderer Rücksicht auf Vallendar und seine Umgebung.

    Nach oben