Der 11. Oktober 1924. Aus dem Alltag des Koblenzer Generalanzeigers

Der 11. Oktober 1924 war ein ganz gewöhnlicher Tag in der Berichterstattung des Coblenzer Generalanzeigers. Neben einem Leitartikel über die deutsche Innenpolitik standen auch an diesem Tag die Berichte über regionale Ereignisse und der umfangreiche Anzeigenteil im Mittelpunkt der Tageszeitung. Im Jahre 1888 als amtlicher Anzeiger des Landkreises Koblenz zum ersten Mal erschienen, hatte die Zeitung den 1. Weltkrieg, die Inflationszeit und die Separatistenaufstände 1923 überstanden und ihre Bedeutung für die Koblenzer Region aufrechterhalten können. Erst der Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft läutete das Ende der Zeitung ein, das mit der Bombardierung und völligen Zerstörung des traditionsreichen Verlagshauses Krabben besiegelt wurde.  

Im Jahre 1888 kaufte Hermann Doetsch, der Besitzer der Krabbenschen Buchdruckerei und der traditionsreichen nationalliberalen Coblenzer Zeitung ein Anzeigenblatt des Verlages Müller & Co. Es gelang ihm innerhalb von zwei Jahrzehnten das unter dem Namen "Coblenzer Generalanzeiger" erscheinende Blatt zu einer erfolgreichen und auflagenstarken Zeitung zu machen. Als amtliches Anzeigenblatt des Landkreises Koblenz bot die Zeitung neben politischen Tagesinformationen aus der ganzen Welt vor allem eine ausführliche regionale Berichterstattung. Das Konzept einer unparteiischen und preisgünstigen Zeitung, die mit einem umfangreichen Anzeigenteil ausgestattet war und auf leicht verständliche Information und Unterhaltung ihrer Leserschaft setzte, sprach breite Teile der Bevölkerung an.

Der 11. Oktober 1924 war allerdings ein ganz normaler Tag in der Berichterstattung des Coblenzer General-Anzeigers. Nachdem der "Ministerpräsident" der Rheinischen Republik Josef Matthes die "Vorläufige Regierung" für aufgelöst erklärt hatte, normalisierte sich die politische und mit der Anfang 1924 einsetzenden Stabilisierung der Währung auch die wirtschaftliche Situation. Neben einem Leitartikel über die deutsche Innenpolitik und dem umfangreichen Anzeigenteil standen auch an diesem Tag vor allem die Ereignisse in der Region Koblenz im Mittelpunkt der Berichterstattung.

Nachdem die Zeitung den Abzug der französischen Besatzungstruppen am 30. November 1929 mit einer Sonderausgabe gefeiert hatte, sah sich der "Generalanzeiger" seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 wieder existentiellen Problemen gegenüber. Neben dem intensiven Konkurrenzkampf mit dem "Nationalblatt", dem Organ der NSDAP wurde die Arbeit der Krabbenschen Druckerei durch die Gleichschaltungspolitik der Nationalsozialisten immer mehr erschwert. Im Jahre 1944 erfolgte schließlich die Anordnung, den "Generalanzeiger" dem "Nationalblatt" in Koblenz einzugliedern. Kurz darauf wird das traditionsreiche Verlagshaus Krabben von Bombentreffern völlig zerstört, womit auch das endgültige Ende des "General-Anzeigers" besiegelt wurde.

Quellen

Literatur

  • Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz. Hg. von Franz-Josef Heyen, Würzburg 1981   
  • Geschichte der Stadt Koblenz, Bd, 2. Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart. Hg. von der Energieversorgung Mittelrhein GmbH, Koblenz. Gesamtredaktion: Ingrid Batori in Verbindung mit Dieter Kerber und Hans Josef Schmidt, Stuttgart 1993 
  • H. Kampmann: Koblenzer Presse-Chronik. 80 Zeitungen aus drei Jahrhunderten, Koblenz 1988 
  • J. Kermann und Hans-Jürgen Krüger (Bearb.): 1923/24 Separatismus im rheinisch-pfälzischen Raum. Eine Ausstellung der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz auf dem Hambacher Schloss 1989. (Dokumente zur Geschichte. Ausstellungskataloge der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz), Koblenz 1989
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