Der 11. Juli 1926. Rudolf Caracciola siegt beim ersten Großen Preis von Deutschland

Am 11. Juli 1926 erreichte Rudolf Caracciola mit dem Sieg beim ersten Großen Preis von Deutschland den ersten Höhepunkt seiner einzigartigen Karriere. Der gebürtige Remagener wurde zum erfolgreichsten Rennfahrer der 20er und 30er Jahre. Sein Name ist eng mit dem Autohersteller Mercedes und mit dem Nürburgring verknüpft, den er immer wieder als seine "ureigenste Hausstrecke" bezeichnete. Trotz zahlreicher schwerer Unfälle und Schicksalsschläge beendete der populäre "Caratsch" seine aktive Laufbahn erst im Jahre 1952. Bereits sieben Jahre später, im Jahre 1959, verstarb er unerwartet an einer schweren Krankheit. Die Erinnerung an diesen legendären Rennfahrer ist allerdings bis heute lebendig.

"Aber für mich war Fahren mehr! Mochte es Leute geben, die darüber lächelten oder die Achseln zuckten, daß man sein Leben daransetzte ein paar Sekunden schneller zu sein als andere. Für mich war\'s das Glück! So im Wagen sitzen, geduckt hinter der Windschutzscheibe, und warten, daß der Starter die Flagge senkt, und dann losrasen, vielleicht den Bruchteil einer Sekunde schneller als die anderen." Rudolf Carraciola als Sohn eines Hoteliers am 30. Januar 1901 in Remagen geboren, war einer der berühmtesten Rennfahrer der Vorkriegsepoche. Nachdem Otto Wilhelm Rudolf Caracciola bereits als Jugendlicher bei Motorradstraßenrennen sein Talent unter Beweis gestellt hatte, konnte er 1922 zum ersten Mal mit einem Rennwagen an dem Avus-Rennen in Berlin teilnehmen. Aus dem Jahr 1957 stammt eine Beschreibung des bekannten Rennfahrers über den Verlauf dieses Rennens: "Ein halsbrecherischer Anblick, die Wagen im wahnwitzigen 75-km-Tempo durch die steilen Kurven jagen zu sehen. Ich drücke auf das Gaspedal, was die Wadenmuskeln hergaben. Nach der sechsten Runde brüllte mir mein Beifahrer zu: Langsamer, wir haben alle eingeholt. Als wir am Ziel ankamen, gratulierten mir die Leute. Einem Journalisten mußte ich meinen Namen buchstabieren."

Bis zum Ende seiner Karriere blieb der Name Caracciola nicht nur eng mit dem Autohersteller Mercedes verknüpft sondern vor allem mit der anspruchsvollen neuen Rennstrecke in der Eifel. "Auf seine Liebe zum Nürburgring angesprochen, erzählte Rudolf Caracciola später manchmal augenzwinkernd, daß er am 19. Juni 1927 einen Pakt mit der Achterbahn durch die Eifel abgeschlossen hatte, bei dem er der schwierigsten Rennstrecke der Welt versprach, sein Letztes und Bestes am Volant zu geben und der Ring zusicherte, ihn zu seinem absoluten Meisterfahrer zu machen."

Nach dem Krieg versuchte der Rheinländer erneut ein Comeback. Weitere schwere Unfälle 1946 und 1952 beendeten schließlich die Karriere des "Regenmeisters" endgültig. In den folgenden Jahren war Caracciola als Repräsentant für Mercedes Benz tätig, bevor er 1959 an einer Leberzirrhose starb. In der Rhein-Zeitung vom 30. September 1959 erschien ein Nachruf auf den beliebten Rennfahrer: "Caratsch ist nicht mehr. Er, einer der schnellsten im Leben, hat sich allzu schnell von dieser Erde davongemacht. Früh, viel zu früh für einen Mann wie Rudolf Caracciola, starb er im Alter von erst 58 Jahren ganz plötzlich ... an einem Leberleiden in Kassel. ... Mit seinen über 100 Siegen in internationalen Rennen ist dieser Mann aus unserer mittelrheinischen Heimat in den letzten 30 Jahren erfolgreichster Rennfahrer der Welt gewesen. ... Rudolf Caracciola war stets ein bescheidener und stiller, enthaltsamer, fairer Sportsmann, der viele Freunde hatte."

Angesichts der einzigartigen Popularität, der sich Caracciola während seiner gesamten Laufbahn erfreuen konnte, gab es in seiner Heimatstadt Remagen bereits im Jahre 1938 erste Initiativen für eine besondere Ehrung des Rennfahrers. Im Mai dieses Jahres machte der Heimatforscher Heinrich Langen dem damaligen Bürgermeister der Stadt den Vorschlag, den Sportplatz in "Rudolf Caracciola Platz" umzubenennen. Am 26. November erhielt Langen allerdings eine negative Antwort. "Man ist der Meinung, dass die Bezeichnung "Sportplatz" volkstümlicher und gebräuchlicher ist als die Bezeichnung "Rudolf Caracciola Platz". Viele können nicht einmal den Namen Caracciola schreiben." Es sollte bis zum Jahr 2001 dauern, bis der berühmte Rennfahrer in seiner Geburtsstadt geehrt wurde. Am 21 Juni wurde ganz in der Nähe seines Geburtshauses ein Denkmal feierlich enthüllt, das auf Anregung des Verschönerungsvereins und mit der großzügigen Unterstützung von Daimler-Chrysler von dem Steinhauer Gerd Hardy angefertigt worden war. Dargestellt ist der W 25, der einsitzige Rennwagen, mit dem Caracciola zahlreiche Siege erreichen konnte. Das Andenken an den berühmten Sohn der Stadt hat einen angemessenen Rahmen erhalten und bleibt lebendig.

Quellen

Literatur

  •  E. Caracciola-Rosemann: Rudolf Caracciola. Das Leben eines Rennfahrers, Berlin 1935
  • Th. Hornung: 50 Jahre Nürburgring - Kurvenlabyrinth für Könner, Koblenz 1977
  • Th. Hornung: Die Nürburgring-Story, Koblenz 1992
  • J. Michael: Der Nürburgring, o. O. 2000
  • W. K. Michels, L. Scheuer: Nürburgring. Jagdrevier der schnellen Männer, Koblenz 1979
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