Der 10. Oktober 1522. Franz von Sickingen in der Reichsacht

Am 10. Oktober 1522 wurde im Namen König Karls V. die Reichsacht über Franz von Sickingen verhängt. Sickingen, dem es seit 1505 gelungen war, durch kluge Transaktionen seine finanzielle Situation deutlich zu festigen und eine nicht unerhebliche politische Machtstellung zu erreichen, hatte im August 1522 dem Trierer Erzbischof die Fehde erklärt. Nachdem bereits im September deutlich wurde, dass sein Angriff gegen die "verweltlichte Kirche" gescheitert war und die Reichsacht erklärt worden war, belagerte ein Bündnis aus Landesfürsten Sickingen auf der Burg Nanstein, wo er am 7. Mai 1523 starb.

"Umfragen in der Bevölkerung bestätigen, daß Franz von Sickingen noch immer zu den populärsten Gestalten der pfälzischen Geschichte gehört". Nach wie vor gilt er als eine der bedeutensten Persönlichkeiten der Reformationszeit. Als Erbe eines begüterten und angesehenen pfälzischen Reichsrittergeschlechts wurde Franz von Sickingen am 1. März 1481 auf der Ebernburg bei Kreuznach geboren. Über Kindheit, Jugend und Erziehung ist wenig bekannt, urkundlich tritt er lange Zeit nicht in Erscheinung. Wahrscheinlich nahm er 1495 mit seinem Vater, im Gefolge des Kurfürsten von der Pfalz am Reichstag in Worms teil. Im Jahre 1498 oder 1499 heiratete der junge Mann Hedwig von Flersheim, Tochter des pfälzischen Amtsmanns von Flersheim. Aus dieser Ehe, die als glücklich bezeichnet wurde, entstammten drei Töchter und drei Söhne bevor Hedwig im Jahre 1515 im Kindbett starb.

Durch kluge Transaktionen gelang es Sickingen seinen ererbten Besitz, den er im Jahre 1505 übernahm und seine politische Machtstellung zu festigen und deutlich auszubauen. Zu einer "bedrohlichen, entschlossen bekämpften Militärmacht im Reich" entwickelte er sich durch seine Fehden und die dadurch erreichte politische Machtstellung am Mittelrhein. Die Fehde war bis zum Ewigen Landfrieden von 1495 neben dem Rechtsweg über die Gerichte ein anerkanntes und legitimes Mittel der Rechtsfindung, das allerdings dem Adel vorbehalten war. Auch nach 1495 blieb die Fehde "tief im Bewußtsein Rechtssuchender, vor allem des Adels verankert. Sickingen, selbst von der Mentalität bewaffneter Selbsthilfe geprägt, hat sich des Instruments der Fehde zur Wiederherstellung eines verletzten Rechtsfriedens bedient; aber er hat dabei weniger das Rechtsziel der Befriedigung berechtigter Ansprüche als das selbstische Nebenziel der Erschließung von Ressourcen ins Auge gefaßt." Deutlich wird dies bereits in seiner ersten Fehde gegen Worms, die Ende 1514 begann und aus der Sickingen im Jahre 1519 mit bedeutendem finanziellen Gewinn und einem nicht unerheblichen Ansehen als Landknechtsführer und "Kriegsunternehmer" hervorging.

Noch vor Beendigung der Wormser Fehde begann Sickingen im Bündnis mit Graf Gangolf von Geroldseck, der ihn um Unterstützung gebeten hatte, den Kampf gegen Herzog Anton von Lothringen. Der Herzog hatte seit Antritt seiner Regierung versucht, sich dem französischen König anzunähern und sich aus dem "Verband des Deutschen Reiches zu lösen." Sickingen, der wegen der Wormser Fehde mit der Reichsacht belegt worden war, begann gemeinsam mit Geroldseck die Fehde gegen den Reichsfürsten, was ganz im Interesse des Kaisers war. Obwohl es ihm mit seinem Heer gelang, das Schloss des Fürsten einzunehmen, konnte der entscheidende Sieg aufgrund der Hilfeleistungen des französischen Königs an Herzog Anton, nicht erreicht werden. Sickingen einigte sich daraufhin mit dem Reichsfürsten, erhielt die Erstattung seiner Kriegskosten und ließ sich gegen eine Pension, deren Höhe nicht bekannt ist für die Dienste des Fürsten verpflichten. Er erklärte sich bereit, jederzeit zur Verfügung zu stehen und zog mit seinem Heer aus Lothringen ab. Sickingen hatte schnell erkannt, dass eine Weiterführung der Fehde nur Nachteile und langfristig Niederlagen mit sich bringen würde und öffnete sich durch seinen Stellungswechsel auch den Weg zum französischen Königshaus, wodurch "sein Name begann ein Factor zu werden, mit dem man rechnen mußte."

Der damit einhergehende Reputationsgewinn und die Loyalitätszusicherung der Ritterschaft war eine zusätzliche Absicherung der beabsichtigten Maßnahmen gegen Kurtrier. Am 27. August 1522 erklärte Sickingen schließlich dem Trierer Erzbischof Richard von Greiffenklau die Fehde. Nach ersten Erfolgen musste Sickingen allerdings Mitte September die Belagerung Triers abbrechen. Sein Vorhaben war damit bereits gescheitert. Am 10. Oktober 1522 wurde im Namen Karls V. die Reichsacht über Sickingen verhängt. Sickingen wurde in diesem Dokument, das Richard von Greiffenklau veröffentlichte als Landfriedensbrecher bezeichnet und als vogelfrei erklärt, wodurch er alle Freiheiten, Privilegien und Besitztümer verlor. Ein Bündnis aus Richard von Greiffenklau, dem Kurfürsten Ludwig von der Pfalz und dem Landgrafen Philipp von Hessen ging schließlich auch militärischen gegen Sickingen vor und belagerte ihn auf der Burg Nanstein bei Landstuhl. Franz von Sickingen, der hierher mit einer schweren Verwundung geflüchtet war, starb am 7. Mai 1523, dem Tag der Eroberung der Burg. Mit dieser vollständigen Niederlage Sickingens verlor die Reichsritterschaft ihre politische Kraft endgültig.

Quellen

Literatur

  • K. Baumann (Hg.): Franz von Sickingen (1481 - 1523),in: Pfälzer Lebensbilder, Bd. 1, 1964, S. 23 - 42    
  • G. Birtsch: Franz von Sickingen 1481 bis 1523. Reichsritter aus Rheinpfalz, in: Vor-Zeiten. Geschichte in Rheinland-Pfalz, Bd. IV, Mainz 1988, S. 87 - 104    
  • G. Franz: Franz von Sickingen, in: G. Franz (Hg.), Persönlichkeit und Geschichte. Aufsätze und Vorträge, 1977   
  • V. Press: Ein Ritter zwischen Rebelion un Reformation. Franz von Sickingen (1481 - 1523), in: Blätter Pfälzische Kirchengeschichte 50, 1983, S. 151 - 178    
  • R. Scholzen: Franz von Sickingen. Ein adeliges Leben im Spannungsfeld zwischen Städten und Territorien, Kaiserslautern 1996
  • G. Schulz: Franz von Sickingen. Reichsritterschaft und Reformation, in: Zeugnisse Rheinischer Geschichte. Urkunden, Akten und Bilder aus der Geschichte der Rheinlande, Neuss 1982, S. 45 - 47

 

 

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