Der 7. Mai 1886. Tabakanbau und Tabakverarbeitung

Am 7. Mai 1886 wurde in einem Schreiben der Bezirksregierung Koblenz die Verarbeitung des Tabaks und der Vertrieb der fertigen Zigarren in der Region um Wittlich ausführlich beschrieben. Tabakanbau und -verarbeitung haben in der Wittlicher Senke eine 200-jährige Tradition, die sich trotz vieler Rückschläge bis heute durchgesetzt hat und bis heute die Region prägt. Neben der Pfalz ist die Wittlicher Senke heute die zweite Region, in der der Tabak einen nicht unerheblichen Wirtschaftsfaktor innerhalb des Landes Rheinland-Pfalz bildet.  

Der Tabakanbau und die Tabakverarbeitung haben in der Region Wittlich, in der sogenannten Wittlicher Senke, eine sehr lange Tradition. Der Tabak und die unterschiedlichen Formen seines Genusses stammen ursprünglich vom amerikanischen Kontinent und wurden zur Zeit König Philipps II. (1556 - 1598) nach Spanien gebracht und verbreiteten sich im 16. Jahrhundert in ganz Europa. "Die Pflanze wurde zunächst ihres fremdländischen Aussehens und ihrer schönen Blüten wegen in Ziergärten gezogen, dann ihrer vermeintlich medizinischen Qualitäten halber - etwa bei der Bekämpfung der Pest - geschätzt und schließlich als Genußmittel in der höfischen Welt beliebt." (Freckmann) Durch den Dreißigjährigen Krieg und die französischen Kriegszüge des 17. Jahrhunderts breitete sich die neue Gewohnheit des Tabakrauchens, die anfänglich mit großem Erstaunen begutachtet wurde, auch in ganz Europa aus.

Spätestens seit Anfang des 20. Jahrhunderts verringerte sich der Umfang des angebauten Tabaks in der Region um Wittlich deutlich. Verschiedene Faktoren wie die Tabakbesteuerung, die wachsende Konkurrenz, Einfuhrzölle einiger Länder auf deutsche Tabakwaren und die Änderung der Konsumgewohnheiten führten zu einem kontinuierlichen Rückgang der Nachfrage. Im Jahre 1914 wurden nur noch 34,7 Hektar bebaut. Die zeitweisen Aufschwünge besonders in den Kriegs- und Nachkriegsjahren des Ersten und Zweiten Weltkrieges konnten den allgemeinen Abwärtstrend nicht aufhalten. Aber trotz der noch erschwerend hinzukommenden Blauschimmelkrankheit, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts viele Tabakbauern zum Aufgeben zwang, spielt der traditionsreiche Tabakanbau in der Wittlicher Senke bis heute eine wichtige Rolle, die für die gesamte Region prägend ist. Neben der Pfalz, wo eine Anbaufläche von 1.170 Hektar mit einer Jahresproduktion von rund 3.000 Tonnen zur Verfügung steht, ist die Wttlicher Senke bis heute eine bedeutende tabakproduzierende Region in Rheinland-Pfalz, die sich besonders durch die hohe Qualität ihrer Produkte einen Namen gemacht hat. Insgesamt werden in Rheinland-Pfalz 3.400 Tonnen Tabak gewonnen, womit das Land über ein Drittel der bundesdeutschen Anbaufläche verfügt.

Quellen

  • LHAKo Bestand 442, Nr. 1205 Die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in den Fabriken, 1875 - 1877    
  • LHAKo Bestand 442, Nr. 4231 Fabrikwesen und andere Gewerbezweige. Berichte über die Lage des Handels und der Industrie, 1883 - 1887
  • LHAKo Bestand 442, Nr. 4439 Die Nachweise der vorzüglichen Fabrikationsanstalten im Regierungsbezirk Trier, seit 1852
  • LHAKo Bestand 402, Nr. 152 Landwirtschaftliche Erträge, seit 1818
  • J.A. Demian: Geographisch-statistische Darstellung der deutschen Rheinlande nach dem Bestande vom 1. August 1820, Koblenz 1820
  • Topographische Beschreibung des Regierungsbezirks Trier, 1883

Literatur

  • W. Ballensiefen: Die Agrarlandschaft der Wittlicher Senke und ihrer Nachbargebiete, Bonn 1957    
  • P. Blum: Beim Tabakbau, in: Rheinische Heimatpflege 1936, S. 348 - 351
  • K. Freckmann: Wittlicher Tabak. Tabakanbau und Tabakverarbeitung in der Wittlicher Senke. Eine Ausstellung der Stadt Wittlich, Wittlich 1976
  • H. Grosse-Lümern: Zur Geschichte des Tabakbaues im Kreis Wittlich, in: Der deutsche Tabakbau, Nr. 7, 1967, S. 68

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