Der 7. März 1945. Die Brücke von Remagen

Die im Jahre 1918 fertiggestellte Rheinbrücke zwischen Remagen und Erpel erlangte in den letzten Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine entscheidende Bedeutung. Als das "Wunder von Remagen" ging die kampflose Eroberung der unbeschädigten Ludendorffbrücke durch amerikanische Truppen in die Geschichte ein. Die Eroberung der Brücke, die den weiteren Vormarsch der Alliierten deutlich erleichterte, hatte den Kriegsverlauf um Monate verkürzt.  

Bereits zwei Jahre vor dem 1. Weltkrieg war die Rheinbrücke zwischen Erpel und Remagen geplant worden. "Der Chef des preußischen Generalstabes, Graf von Schliefen, hatte ihren Bau und den ihrer Schwesterbrücken in Engers und Rüdesheim im Rahmen seiner Aufmarschpläne für den nächsten Krieg gegen Frankreich gefordert." (Friedensmuseum Remagen) Aber erst zwei Jahre nach dem Ausbruch des Krieges konnte mit dem Bau der Stahlbrücke begonnen werden. Die 325 m lange Brücke, die nach den Plänen des Mannheimer Architekten Carl Wiener errichtet wurde und als Verbindung der Ahrbahn mit dem Eisenbahnnetz ostwärts des Rheines dienen sollte, wurde dementsprechend erst im Jahre 1918 fertiggestellt. Die zweigleisige Eisenbahnbrücke, die mit Fußgängerstegen versehen war, hatte dadurch keinerlei kriegsrelevante Bedeutung mehr. Deutsche Soldaten, die aus dem Krieg heimkehrten, gehörten damit zu den ersten, die die Brücke passierten.

Im März war die gesamte Eifel von alliierten Truppen besetzt. Die deutschen Soldaten mussten vor den nachrückenden Amerikaner immer weiter zurückweichen. Wegen des schnellen Vormarsches der Amerikaner wurde die Ludendorffbrücke am 6. März für eine Sprengung vorbereitet. Für die Sprengung standen 600 kg TNT zur Verfügung, die durch eine elektrische Zündleitung zur Explosion gebracht werden sollten. Darüber hinaus war eine sogenannte Schnellladung vorgesehen, die gezündet werden sollte, "wenn beschleunigtes Zünden notwendig ist, z. B. im Falle des Störens der planmäßigen Sprengvorbereitungen durch den Feind." (Brüne/Weiler) Für diese Schnellsprengung wären ebenfalls 600 kg Sprengstoff notwendig gewesen, es wurde allerdings nur die Hälfte geliefert und an der Brücke angebracht.

Als sich die Amerikaner immer weiter näherten, wurde gegen 15:20 Uhr schließlich der Befehl für die Sprengung gegeben. Aufgrund eines Defekts der elektrischen Zündleitung, der wahrscheinlich bei dem Beschuss der Brücke entstanden war, konnte die Sprengladung nicht zur Detonation gebracht werden. Auch der Versuch, die Brücke durch die Schnellladung zu zerstören, scheiterte. Die Sprengladung war zu schwach. Die Brücke wurde lediglich etwas angehoben und fiel dann ohne größere Schäden in ihre Lager zurück. Wenig später gelang es der Vorhut der 9. US-Panzerdivision unter Führung des deutschstämmigen Karl H. Timmermann die intakte Brücke zu erobern "Diese Eroberung ging als das Wunder von Remagen in die Annalen der Kriegsgeschichte ein. General Eisenhower rief aus: Die Brücke ist ihr Gewicht in Gold wert." (Friedensmuseum Remagen) Die Inbesitznahme der Ludendorffbrücke, die ohne Kampf und Gegenwehr durchgeführt werden konnte, hatte sicher zu einem schnelleren Ende des Zweiten Weltkrieges beigetragen. Die Offiziere und Soldaten, die von der Brückenbesatzung noch übrig geblieben waren und mit der Zivilbevölkerung in dem Eisenbahntunnel Schutz gesucht hatten, gerieten in Gefangenschaft.

Quellen

Literatur

  • L. Brüne, J. Weiler: Remagen im März 1945, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, hg. v. H. - G. Borck und H.W. Herrmann, 21. Jahrgang, 1995, S. 503 - 540    
  • L. Brüne, J. Weiler: Remagen im März 1945. Eine Dokumentation zur Schlussphase des 2. Weltkrieges, Remagen 1994
  • K. Kleemann: Die Kriegsgefangenenlager Remagen und Sinzig, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, hg. v. H.-G. Borck und H.W. Herrmann, 20. Jahrgang, 1994, S. 451 - 480
  • R. Palm: Die Brücke von Remagen. Der Kampf um den letzten Rheinübergang - ein dramatisches Stück deutscher Zeitgeschichte, München 1985

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