Der 5. September 1950. "Auferstanden aus Ruinen" Die Handwerkskammer Koblenz und ihr erfolgreicher Neubeginn

Am 5. September 1950 wählte der Kreisinnungsverband Koblenz Peter Kahlenberg zu seinem Vertreter für die konstituierende und satzungsgebende Vollversammlung der Handwerkskammer Koblenz, die am 27. Juni 1951 stattfand. Dass diese Versammlung stattfinden konnte, war der unermüdlichen Tatkraft engagierter Männer zu verdanken, die den schwierige Wiederaufbau der Handwerkskammer bewältigt hatten. Angesichts von Zerstörung, Mangelwirtschaft und fehlender Fachkräfte war es in diesen Nachkriegsjahren für die Handwerkerschaft wichtiger denn je, eine funktionierende und einflussreiche Interessenvertretung zu haben. Neben der Unterstützung der einzelnen Betriebe und den Bemühungen um den Wiederaufbau der eigenen Strukturen beteiligte sich die HwK gemeinsam mit den drei anderen Kammern des Landes an der Erarbeitung der Handwerksordnung für Rheinland-Pfalz vom 2. September 1949, die in weiten Teilen Vorbild für die bundeseinheitliche Regelung des Jahres 1953 wurde. Insgesamt war es der Handwerkskammer gelungen, den Wiederaufbau für die Entwicklung von zukunftsfähigen Grundlagen zu nutzen.  

Zerstörung, Hunger, Not und Hoffnungslosigkeit kennzeichneten die Situation nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Im Regierungsbezirk Koblenz hatten die Bomben der Alliierten die größeren und auch zahlreiche kleinere Städte in Trümmerlandschaften verwandelt. Wirtschaft und Verwaltung sowie die gesamte Infrastruktur waren weitgehend zusammengebrochen. Tod, Gefangenschaft und Vertreibung hatten in fast allen Familien große Lücken hinterlassen. Die Versorgung der Menschen mit Wohnraum und dem Allernotwendigsten wurde zu einem elementaren Problem, das den Alltag der nächsten Jahre bestimmte. Die Sehnsucht der Menschen nach einer Normalisierung der Lebensbedingungen schien sich erst in einer weit entfernten Zukunft erfüllen zu können.

Auch die Situation des Handwerks entsprach dieser Gesamtlage. Von den 23.486 Unternehmen, die 1946 in der Koblenzer Handwerksrolle registriert waren, wurde in rund 5.600 Betrieben nicht gearbeitet. Bombenschäden, der Verlust von Maschinen und Material und die in vielen Betrieben immer noch fehlenden Fachkräfte hinterließen deutliche Spuren. In einer Zeit in der der Schwarzmarkt blühte und illegaler Tauschhandel zur Normalität gehörte, litten natürlich auch die Handwerker unter einer akuten Material- und Rohstoffknappheit. Schneider und Schumacher konnten nur dann mit der Arbeit beginnen, wenn die Kundschaft die notwendigen Rohstoffe mitlieferte. Aber auch ein zügiger Wiederaufbau von Gebäuden und Wohnungen scheiterte meist an den fehlenden Baustoffen.

Nach der Auflösung der Gauwirtschaftskammern am 30. Juni 1945 übernahm die neu eingerichtete Handwerkskammer Koblenz kommissarisch deren Aufgaben. Der vorläufige Status der Kammer ergab sich aus den noch fehlenden Statuten und Wahlen. Während sich die Organisationsstruktur der Kammer nicht veränderte, wurde die territoriale Zuständigkeit deutlich erweitert. Die vier ehemals nassauischen Kreise Ober- und Unterwesterwald, Unterlahn und St. Goarshausen wurden mit Verfügung vom 14. August 1945 der Handwerkskammer Koblenz unterstellt. Zentrale Aufgabe der Kammer war neben der Betreuung der einzelnen Handwerker und dem Wiederaufbau der eigenen Organisationsstrukturen die Unterstützung der kommunalen Ämter und Behörden bei dem Wiederaufbau der Wirtschaft und der Neu- und Wiedererrichtung von Handwerksbetrieben.

Eine wichtige Rolle spielte die Handwerkskammer Koblenz in enger Zusammenarbeit mit den anderen drei Kammern des Landes in Trier, Mainz und Kaiserslautern bei der Erarbeitung der Handwerksordnung für Rheinland-Pfalz. Im August 1947 regte der französische Militärgouverneuer Hetier de Boislambert eine landeseinheitliche gesetzliche Regelung für das Handwerk an. Nach langwierigen Verhandlungen wurde die Neufassung des Handwerksrecht in der Sitzung des Landtages vom 6. Juli 1949 ohne Gegenstimmen angenommen und trat mit der Veröffentlichung im Gesetz- und Verordnungsblatt am 2. September 1949 in Kraft. Dieser rechtliche Rahmen für das rheinland-pfälzische Handwerk, der in weiten Teilen das Vorbild für die bundeseinheitliche Regelung mit dem Gesetz zur Ordnung des Handwerks vom 17. September 1953 lieferte, definiert die Aufgaben der Kammern als Selbstverwaltungsorgane des Handwerks. Die Eintragung in die Handwerksrolle und der "Große Befähigungsbeweis" wurden verbindlich vorgeschrieben, was im Gegensatz zu den Bemühungen in der amerikanischen Zone stand. Hier wollte man den Grundsatz der völligen Gewerbefreiheit durchsetzen. Eine Qualifikationsprüfung war nicht mehr erforderlich. Die Vollversammlung, die die Wahl der Handwerkskammer durchzuführen hatte, setzte sich aus den gewählten Vertretern der Kreisinnungsverbände und der Fachverbände sowie aus Mitgliedern des Gesellenausschusses zusammen.

Die für die Einberufung der Vollversammlung notwendigen Wahlen wurden gemäß der Zweiten Landesverordnung zur Durchführung der Handwerksordnung vom 6. Juli 1950 durchgeführt. Die Versammlungen der Kreisinnungsverbände fanden im September statt. Am 5. September wurde Kreisinnungsmeister Peter Kahlenberg von dem Kreisinnungsverband Koblenz als Vertreter für die Vollversammlung gewählt. Nachdem die Wahlen zügig durchgeführt worden waren, konnte die konstituierende und satzungsgebende Vollversammlung der Handwerkskammer Koblenz am 27. Juni 1951 stattfinden. Die Satzung für den Kammerbezirk Koblenz wurde mit 41 Ja und zwei Neinstimmen angenommen. Dachdeckermeister August Römer aus Braubach wurde zum neuen Präsidenten. Als Vizepräsidenten wurden Leopold Ponsens und Johann Hülstrunk berufen.

Quellen

Literatur

  • K. v. Eyll: Berufsständische Selbstverwaltung, in: Deutsche Verwaltungsgeschichte, Bd. 5. Die Bundesrepublik Deutschland, Stuttgart 1987    
  • 50 Jahre Handwerkskammer Koblenz 1900 - 1950, hg. v. der Handwerkskammer Koblenz 1950
  • Handwerk - Brücke zur Zukunft. Handwerkskammern der Pfalz, Kaiserslautern. 75 Jahre Handwerkskammern in Deutschland, hg. vom Deutschen Handwerkskammertag 1975.
  • R. Matheus: Zwischen Zerstörung und Wiederaufbau, Ms., Koblenz 2000-08-22
  • H. Schissel: Die Lage des Handwerks im Lande Rheinland-Pfalz dargestellt an der Entwicklung seit der Handwerkszählung 1949, München 1966
  • H. Winkel: Die Selbstverwaltung von Industrie, Handel und Handwerk, in: 40 Jahre Rheinland-Pfalz. Eine politische Landeskunde, hg. v. P. Haungs, Mainz 1986, S. 499 - 526

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