5. Mai 1352 und 18. Mai 1410. Geburt und Tod Ruprechts von der Pfalz

Am 5. Mai 1352 wurde Ruprecht von der Pfalz als ältester Sohn des Pfalzgrafen Ruprecht II. in Amberg geboren. Nachdem er im Januar 1398 die Kurwürde erhalten hatte, führte er gemeinsam mit dem Erzbischof von Mainz, Johann von Nassau, die Opposition gegen König Wenzel an. Der Absetzung Wenzels folgte am 21. August 1400 die Wahl Ruprechts zum König durch die rheinischen Kurfürsten. Es gelang ihm allerdings nicht, seine Herrschaft zu konsolidieren. Johann von Mainz wandte sich u. a. mit der Gründung des Marbacher Bundes gegen den König. Die Auseinandersetzungen um das Kirchenschisma, die in den Vorbereitung eines Feldzuges gipfelten, wurden durch den plötzlichen Tod des Königs am 18. Mai 1410 nicht ausgetragen.  

"Er ist keiner der Großen, der Glanzvollen und Erfolgreichen auf dem Thron des alten Reiches. Das Jahrhundert seiner Herrscherjahre ist keine Zeit des Höhenflugs deutscher Kaiser- und Königmacht. Seine Regierung ist erfüllt von Widrigkeiten und Mißgeschick. Und doch ist wie kaum bei einem zweiten in der langen Herrscherreihe dieses Reiches gerade in seinen Stammlanden am Rhein die Erinnerung an ihn, an seinen Namen lebendig: An Ruprecht, den Kurfürsten der Pfalz, den einzigen pfälzischen Kurfürsten auf dem deutschen Königthron." Mit diesen Worten beschreibt die "Staatszeitung" Rheinland-Pfalz vom 29. Mai 1955 die Regierungszeit Ruprechts von der Pfalz, der am 5. Mai 1352 als ältester Sohn des Pfalzgrafen Ruprecht II. und der Beatrix, Tochter König Peters II. von Sizilien in Amberg geboren wurde. Seit den siebziger Jahren wurde er zuerst von seinem Großonkel, Kurfürst Ruprecht I. von der Pfalz und dann von seinem Vater in die Regierungsgeschäfte mit einbezogen. Wahrscheinlich um die drei Ruprechte besser unterscheiden zu können, erhielt Ruprecht II. den Beinamen der Harte, während Ruprecht III. Clem genannt wurde. Über die Deutung und Herkunft dieses Namens ist viel spekuliert worden, so dass mehrere Übersetzungen, wie der Milde, der Karge und der Geizige in Frage kommen.

Auf wie schwachen Füßen das Königtum des Pfälzers stand, zeigte sich bereits bei dem Versuch die Krönungsstadt Aachen zu betreten. Sie versperrte sich dem neu gewählten König, der auch die traditionelle Wahlstätte Frankfurt erst nach einem Königslager von sechs Wochen und drei Tagen aufsuchen konnte. Die Krönung fand schließlich am Dreikönigstag 1401 in Köln statt. "Die zehn Jahre seines deutschen Königtums werden zu einem permanenten Kampf um die Anerkennung, zu einem fortwährenden Ringen mit den auflösenden Kräften der Zeit." In Südwestdeutschland konnte Ruprecht relativ schnell seine Anerkennung als König durchsetzen, in den anderen Gebieten des Reiches blieb ein solcher Erfolg fast völlig aus. Aufgrund der starken Stellung des Erzbischofs von Mainz gelang es Ruprecht auch nicht im "Viererkollegium der rheinischen Kurfürsten" die entscheidende Machtposition einzunehmen. Angesichts der geringen Erfolge bei der Stabilisierung seiner Herrschaft entschloss sich der König, nach Italien zu ziehen und sich zum Kaiser krönen zu lassen. Auch dieses Vorhaben scheiterte und Ruprecht kehrte im Mai 1402 ohne Heer, ohne Kaiserkrone und mit erheblichen Schulden überhäuft aus Italien zurück.

Mit der nun folgenden Konzentration auf die politische Situation in Deutschland erreichte er durch eine durchaus erfolgreiche Landfriedens- und Territorialpolitik eine Stärkung der Zentralgewalt und eine Festigung seiner königlichen Macht. Dies rief jedoch die Kritik einiger Fürsten und besonders des "Königsmachers" Johann von Mainz hervor. "Hatte man Wenzel vorgeworfen, daß er die Reichsgeschäfte vernachlässige, so klagte man nun Ruprecht an, daß er durch sein Vorgehen die Stände des Reichs in ihren Freiheiten schädige." Am 14. September 1405 bildeten 18 Reichsstädte mit dem Grafen von Württemberg und dem Markgrafen von Baden unter der Führung des Erzbischofs Johann von Mainz den Marbacher Bund. Es gelang Ruprecht zwar die Umklammerung durch den Bund in Verhandlungen und Separatabkommen mit einzelnen Mitglieder sowie durch den Ausgleich mit Johann von Mainz Ende 1406 zu lockern. Die Existenz des Bundes musste er allerdings anerkennen, so dass die von ihm ausgehende Gefahr für seine Machtstellung bestehen blieb.

Im Zusammenhang mit dem Konzil von Pisa, das im März 1409 einberufen wurde, um die Beseitigung des Kirchenschismas, das seit 1378 bestand, in die Wege zu leiten, kam es zu einer erneuten Zuspitzung in dem Streit zwischen dem König und dem Mainzer Erzbischof. Das Konzil erklärte die Päpste Gregor XII. in Rom und Benedikt XIII. in Avignon für abgesetzt und wählte mit Alexander V. einen neuen Papst. Ruprecht, der bereits die Einberufung des Konzils kritisiert hatte, lehnte dieses Vorgehen ab. Er hatte sich bereits 1403 als Gegenleistung für die doch noch erfolgte päpstliche Approbation auf den in Rom residierenden Papst festgelegt. Es gelang Ruprecht aber nicht, eine ausreichende Unterstützung gegen die Beschlüsse von Pisa zu erhalten. Die deutschen Stände, die bis dahin fast einmütig am römischen Papsttum festgehalten hatten, erkannten unter Führung der Erzbischöfe von Mainz und Köln, den von dem Konzil eingesetzten Papst an. Ruprecht hielt dennoch unerschütterlich an Gregor XII. fest. Mitten in der Vorbereitung eines Feldzuges gegen den Erzbischof von Mainz, der von Frankreich unterstützt wurde, verstarb Ruprecht ganz plötzlich am 18. Mai 1410 auf Schloss Landskron bei Oppenheim. "Sein Tod bewahrte ihn möglicherweise vor der Katastrophe, die König Wenzel zehn Jahre vorher erlitten hatte."

"Unsere pfälzischen Lande am Mittelrhein waren Schwerpunkt der Hausmacht Ruprechts, sein Ausgangspunkt. Das Land am Rhein sah in Oberlahnstein, im nahen Rhens, seine Erhebung zu Deutschem Königtum, in Oppenheim sein unerfülltes Ende. Auch in der Tragik seiner Rolle - unausweislich beschlossen in der inneren Gesetzlichkeit seiner Zeit - und gerade in ihrem tragischen Gehalt wird er immer eine tragende Gestalt seiner Epoche darstellen, stets seinen Platz in der wechselvollen tausendjährigen Geschichte römisch-deutschen König- und Kaisertums einnehmen. Und in ihr verdient er auch seinen Platz in unserer Reihe der Gestalten mittelrheinischer Vergangenheit."

Quellen

Literatur

  • W. Dotzauer: Der historische Raum des Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Der Weg zu einem Kernraum deutscher Reichsgeschichte (bis 1500). Versuch eines Arbeitsbuchs. Von den vor- und frühgeschichtlichen Anfängen bis zur Kurfürstenlandschaft, Frankfurt u. a. 1992    
  • F.-J. Heyen: Der Mittelrhein im Mittelalter, Koblenz 1988
  • K. A. K. Höfler: Ruprecht von der Pfalz genannt Clem. Römischer Kaiser 1400 bis 1410, Freiburg 1861
  • E. Holtz u. E. Engel (Hg): Deutsche Könige und Kaiser des Mittelalters, Leipzig u. a. 1989
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