Der 3. November 1801. Karl Baedeker wird in Essen geboren

Am 3. November 1801 wurde in Essen ein Mann geboren, der die Grundlagen für die modernen Reiseführer legte und dessen Name bis heute ein bekanntes Markenzeichen ist. Karl Baedeker eröffnete im Jahre 1827 in Koblenz eine Verlagsbuchhandlung und entwickelte hier das Konzept seiner erfolgreichen Reisehandbücher, die dem Bedürfnis des entstehenden Massentourismus nach kompakter und leicht zugänglicher Information entsprach.

"Nicht vielen Persönlichkeiten widerfährt die Ehre, daß ihr Name sich von ihrer Person ablöst und zum Begriff für die Sache wird, die sie entdeckt oder erfunden, begründet oder entwickelt haben. Der Buchhändler und Verleger Karl Baedeker gehört zu ihnen. Fällt der Name Baedeker, so denkt seit gut hundert Jahren keiner zuerst an einen Menschen, sondern viel mehr an handliche Reiseführer in rotem Kleid. Das Wort Baedeker ist zum Synonym für das verläßliche Reisehandbuch geworden. Der Mensch ist hinter der Sache verschwunden." (Rotzler) Diese Worte charakterisieren ein einzigartiges Phänomen, das sehr eng mit dem Beginn des Massentourismus verbunden ist und dessen Ursprünge in der Stadt Koblenz zu suchen sind.

Karl Baedeker wurde am 3. November 1801 als ältester Sohn des Druckers und Verlegers Gerhard Diederich Baedeker und seiner aus Neuwied stammenden Frau Marianne in Essen geboren. Er wuchs in einem Elternhaus auf, das von den Grundsätzen eines preußisch-protestantischen Elternhauses geprägt war. In Essen und Hagen besuchte Karl die Schule, um anschließend im Alter von 16 Jahren eine Buchhändlerlehre in Heidelberg zu beginnen. In der gleichen Stadt immatrikulierte er sich im Jahre 1819 an der Philosophischen Universität. Nach Ableistung des Freiwilligen-Dienstjahres in Wetzlar folgten seit 1824 weitere Lehrjahre in der Buchhandlung von Georg Andreas Reimer in Berlin. "Während seiner Lehrjahre und späteren Reisetätigkeit in Deutschland erwirbt sich Karl Baedeker nicht nur ein fundiertes Sachwissen, er knüpft auch wertvolle Kontakte zu Personen aus Literatur und Verlagswesen, die das damalige Zeitgeschehen bestimmen." (Frühauf) Im Alter von 26 Jahren beendet Karl Baedeker seine Wander- und Lehrzeit. Allerdings übernimmt er nicht den väterlichen Verlag, sondern lässt sich in Koblenz, dem Mittelpunkt der preußischen Rheinprovinz nieder und beginnt hier im Jahre 1827 mit seiner eigenständigen buchhändlerischen und später verlegerischen Tätigkeit.

Die Stadt Koblenz hatte Anfang des 19. Jahrhunderts ca. 12.000 Einwohner. Als Hauptstadt der Rheinprovinz und Sitz des Oberpräsidiums und eines Militärkommandos waren hier zahlreiche höhere Verwaltungsbehörden angesiedelt. Als ebenso vorteilhaft für das neugegründete Geschäft des jungen Karl Baedeker erwies sich die sprunghafte Entwicklung der Rheinschifffahrt. Im Jahre 1817 fuhr erstmals ein Dampfboot auf dem Rhein nach Koblenz. Am 1. Mai 1827 nimmt die Preußisch-Rheinische Dampfschifffahrtgesellschaft den regelmäßigen Personenverkehr zwischen Köln und Mainz auf. Die Zahl der auf dieser Strecke beförderten Passagiere wächst sehr schnell. Der Rheintourismus, der auch durch die Rheinromantik entscheidend angeregt wurde, entwickelte sich zu einem Wirtschaftsfaktor. "Dieser stetig ansteigende Strom der Rheintouristen erzeugt eine große Nachfrage nach Orientierungshilfen für die Reise und Erinnerungsstücke für die Zeit danach. Reisebeschreibungen, die die Entwicklung in Richtung Reiseführer nicht vollziehen, bedienen sich zu Zwecken der Illustration der aufkommenden Stahlstiche. Zum anderen entstehen reine Kartenwerke in oft teureren Prachtausgaben, die schon aufgrund des Formates kaum als Reiseführer geeignet sind." (Frühauf)

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