Der 2. Februar 1455. Die Gründung der Trierer Universität

Mit dem 2. Februar 1455 ist ein Papstdiplom datiert, mit dem die notwendigen rechtlichen Voraussetzungen für die Gründung einer Universität in Trier geschaffen wurden. Die Initiative zu dieser Neugründung war von dem Trierer Erzbischof Jakob von Sirck ausgegangen, der allerdings bereits im Jahre 1456 starb, ohne sein Werk zum Abschluss gebracht zu haben. Als auch sein Nachfolger kein Interesse an einer Weiterführung des Projektes zeigte, übernahm schließlich die Stadt selbst die Einrichtung der Universität, die am 16. März 1473 eröffnet werden konnte und in den nächsten Jahren eine nicht unerhebliche Bedeutung entwickelte.

Der Anstoß zur Gründung der Trierer Universität ging von dem Trierer Erzbischof Jakob von Sirck aus. Bereits im Jahre 1450 hatte er von Papst Nikolaus V., einem Humanisten und Förderer der Wissenschaften, die Erlaubnis zur Gründung erhalten. Damit liegt der Ursprung der Trierer Universität zeitlich in der zweiten Gründungswelle deutscher Universitäten seit Mitte des 15. Jahrhunderts. In der ersten Phase im 14. Jahrhundert entstanden so bedeutende Universitäten wie z. B. Köln, die aufgrund einer Initiative der Kölner Bürgerschaft ins Leben gerufen wurde.

Das erste Papstdiplom, mit dem die notwendigen rechtlichen Voraussetzungen für eine Neugründung geschaffen wurde, ist mit dem 2. Februar 1455 datiert. Durch diese Urkunde wird deutlich, dass Trier im Gegensatz zu Köln von Anfang an als rein landesherrliche Universität geplant worden ist. Nach diesem Schriftstück verfolgte der Erzbischof "mit der Errichtung der Trierer Universität nicht nur den Nutzen und Fortschritt des Staates und der Erinwohner seines Territoriums sondern auch anderer Teile der Welt, und ließ damit das Programm zu einer Landesuniversität mit Ausstrahlung auf benachbarte Territorien und Länder, allen voran Luxemburg und Lothringen, vielleicht auch das nordöstliche Frankreich, erkennen."  

Trier hatte durch die Domschule, die Schule der Karmeliter und die Benediktinerabteien St. Matthias und St. Maxim als Zentrum der "theologischen Wissenschaft" bereits einen guten Ruf. Hierdurch war ein solides Fundament für die Entstehung einer Universität geschaffen. Wie das Papstdiplom vom 2. Februar zeigt, sah man in der Universität ein Mittel, um das Ansehen der Stadt zu erhöhen. Dies sollte durch das Angebot eines "studium generale" erreicht werden. Es sollte alle Fakultäten umfassen besonders aber Theologie, Kanoistik und weltliches Recht. Doktoren, Magister und Studenten erhielten die gleichen Rechte am Universitätsort wie auch auf ihrem Weg von bzw. nach Trier. Darüber hinaus ermöglichte das Papstdiplom die Verleihung akademischer Grade, die auch an anderen Universitäten Geltung hatten. Mit diesen Bestimmungen hatte der Papst die Grundlagen der Lehre an der zukünftigen Universität sowie deren Rechtsverhältnisse geregelt.

Trotz dieser detaillierten Regelungen, die günstige Rahmenbedingungen für die Neugründung geschaffen hatten, kam es vorerst nicht zur Eröffnung einer Universität in Trier. Erzbischof Jakob von Sirck starb bereits im Jahre 1456 ohne die Gründung bis zu einem positiven Ende weiter verfolgt zu haben. Aufgrund der schwierigen finanziellen Situation des Erzbistums war auch sein Nachfolger Johann II. von Baden (1456 - 1503) nicht daran interessiert, eine Universität zu eröffnen, wodurch es auch zu der urkundlich garantierten Grundausstattung nicht kam. Es war schließlich die Stadt Trier selbst, die die Angelegenheit aktiv vorantrieb. Für 2.000 Goldgulden kaufte die Stadt Erzbischof Johann II. von Baden das Gründungsrecht einschließlich der beiden päpstlichen "Konstitutionsbullen" ab. Am 15. Februar 1473 bestätigte Johann II. in Koblenz die Vereinbarung und versprach darüber hinaus, sich beim Papst für eine weitere finanzielle Ausstattung der Universität einzusetzen.

Obwohl der Erzbischof wichtige verfassungsrechtliche Funktionen behielt, hatte ihn die Stadt Trier damit als Universitätsgründer abgelöst. Es fiel der Stadt aufgrund ihrer finanziellen Situation nicht leicht, diese Ablösesumme aufzubringen, um so interessanter ist die Frage nach den Gründen für diesen Vorstoß. Sie sind sicherlich in der Erwartung zu sehen, "dass die Gründung der Universität und ihre Unterhaltung angesichts der Ausgaben der Professoren und Studenten der Stadt erhebliche finanzielle Vorteile bringen würde und dass diese auch ihren Anspruch freie Reichsstadt zu sein, unterstützen könne." Bei der Eröffnung der Universität am 16. März 1473 kamen diese Aspekte in der Erklärung der Stadt noch einmal zum Ausdruck. "Man nehme nach sehr reiflicher Überlegung mit Zustimmung der Gemeinde die Gründung der Universität vor, zur Ehre Gottes, zum Nutzen der Allgemeinheit und zur Erhöhung des Ansehens unserer Stadt." Die Universität wurde mit vier Fakultäten, Theologie, kirchliches und weltliches Recht, Medizin und freie Künste, eröffnet und wirkte sehr erfolgreich in den folgenden Jahren weit über die Grenzen der Rheinlandes hinaus.

Trotz der Konkurrenzsituation durch die Universitäten Mainz, Tübingen und Heidelberg sowie der Stürme von Reformation und Gegenreformation überlebte die Universität Trier bis zum Jahr 1798. Die revolutionären Ereignisse in Frankreich zeigten auch in Tier ihre Folgen. Als die französischen Truppen 1794 in die Stadt einmarschierten, existierte bereits kein Lehrbetrieb mehr. Nach einer kurzfristigen Wiederaufnahme der Vorlesungen wurde die Universität am 6. April 1798 endgültig geschlossen. Erst im Jahre 1970 konnte ein neues Kapitel in der Trierer Universitätsgeschichte aufgeschlagen werden. Es kam zu einer Neugründung der Hochschule.

Quellen

Literatur

  • Alma Mater Treverensis. Die alte Trierer Universität von 1473 - 1798. Katalog zur Ausstellung anläßlich des 10 jährigen Bestehens der Universität, Trier 1980    
  • D. Flach: Universität Trier, in: Zeugnisse rheinischer Geschichte. Urkunden, Akten und Bilder aus der Geschichte der Rheinlande (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Neuss 1982, S. 325 - 327.
  • M. Matheus: Das Verhältnis der Stadt Trier zur Universität in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, in: Kurtrierisches Jahrbuch, 20. Jhg. 1980, S. 60 - 139
  • M. Trauth: Eine Begegnung von Wissenschaft und Aufklärung. Die Universität Trier im 18. Jahrhundert, Trier 2000
  • E. Zenz: Trier vor 500 Jahren. Eröffnung der alten Trierer Universität und Trierer Fürstentag, Trier 1973
  • E. Zenz: Die Trierer Universität 1473 - 1798. Ein Beitrag zur abendländischen Universitätsgeschichte, Trier 1949

 

 

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