Der 1. Dezember 1946. Dr. Wilhelm Boden wird zum Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz ernannt

Am 1. Dezember 1946 wurde Dr. Wilhelm Boden zum ersten Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz ernannt. Der erfahrene und hochqualifizierte Verwaltungsjurist hatte bereits vor dem Zweiten Weltkrieg seine Kenntnisse und Fähigkeiten auch in verschiedenen politischen Gremien eingebracht. Auf diese umfangreichen Erfahrungen griffen die Besatzungsnächte nach dem Krieg sofort zurück, so dass Boden von Anfang an maßgeblich an dem Wiederaufbau des Landes beteiligt war. Als erster ernannter Ministerpräsident begleitete Boden die Erarbeitung der Verfassung und ihre Annahme durch eine Volksabstimmung. Als erster gewählter Ministerpräsident gelang es ihm aber nicht, den notwendigen breiten Konsens bei den politischen Parteien zu finden. Am 8. Juli 1947 erklärte er seinen Rücktritt.  

Der erste Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz wurde am 5. März 1890 in Grumbach im Kreis Birkenfeld geboren. Wilhelm Boden war das zweite der insgesamt sieben Kinder des Notars Constantin Boden und seiner Frau Emilie. Im Jahre 1894 zog die Familie in die Stadt Trier, wo Wilhelm auch das humanistische Gymnasium besuchte. Anschließend studierte er Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Bonn und Berlin. Nach Examen und Promotion begann er seine Laufbahn als Gerichtsassessor in Köln und ab 1917 als Assessor bei der Stadtverwaltung Köln bzw. in Düsseldorf und Essen. Sehr bald machte der junge Mann von sich reden. Als "hochqualifizierter, überdurchschnittlicher Verwaltungsjurist" hatte er sich während seiner Anfangsjahre schnell empfohlen. Bereits im Oktober 1919 wurde er zum Landrat des Kreises Altenkirchen ernannt. Damit war er für einige Jahre der jüngste Landrat des preußischen Staates. "Es war keine leichte Zeit, in der Wilhelm Boden die Geschicke des industriell wie landwirtschaftlich ausgewogen strukturierten Westerwaldkreises zu leiten hatte." (Heyen)

Die Zeit in Altenkirchen war aber sehr schnell wieder vorbei. Bereits am 6. Juni 1945 wurde er zum Regierungspräsidenten von Koblenz berufen. Hier griffen die amerikanischen Besatzer bei den Schwierigkeiten mit dem Wiederaufbau der Verwaltung auf den ausgewiesenen Fachmann zurück, was sich sehr schnell als richtige Entscheidung herausstellte. Auch als die Franzosen die Besatzungszone übernahmen, blieb Boden im Amt und konnte die Interessen der deutschen Bevölkerung immer wieder erfolgreich vertreten. Als die Franzosen den rigorosen Partikularismus der anfänglichen Besatzungszeit zu überwinden begannen, entstanden nach und nach größere Verwaltungseinheiten. Im November 1945 wurde die Bildung einer Provinz Rheinland-Hessen-Nassau beschlossen und Wilhelm Boden am 2. Januar 1946 als ihr Oberpräsident eingeführt. Auch die weitere Entwicklung, die zur Gründung des Landes Rheinland-Pfalz führte, ging jetzt sehr schnell. Durch die Verordnung Nr. 57 wurde am 30. August 1946 das neue Land geschaffen und der Name Bodens war von Anfang an für die Position des Ministerpräsidenten im Gespräch. Nachdem seine Vorschläge zur Zusammensetzung des Kabinetts von der französischen Besatzungsmacht akzeptiert worden waren, wurde Boden am 1. Dezember 1946 zum ersten Ministerpräsidenten des Landes Rheinland-Pfalz ernannt.

In seiner neuen Position leitete Wilhelm Boden das Allparteienkabinett, das während der Tagungen der Verfassunggebenden Landesversammlung die politischen Geschäfte führte. Denn, "die wesentliche Aufgabe dieser ersten Regierung bestand darin, in der Beratenden Landesversammlung den Entwurf einer Verfassung erstellen zu lassen, eine Abstimmung der Bevölkerung über diesen Entwurf herbeizuführen und ein Parlament in freien Wahlen wählen zu lassen. Dies war nicht weniger, als die Grundlage für ein demokratisches Gemeinwesen zu schaffen. Es ist das historische Verdienst von Wilhelm Boden, diese Aufgabe erfüllt zu haben." (Heyen) Sein Einfluss innerhalb der neugegründeten CDU, deren Mitglied er wurde, stand allerdings von Anfang an hinter den bestimmenden Persönlichkeiten von Peter Altmeier, Hans Junglas und Adolf Süsterhenn zurück. Boden war in erster Linie ein hochqualifizierter Verwaltungsfachmann, der mit seinem äußeren Erscheinungsbild - in Frack und Stehkragen - aber besonders durch die Korrektheit seiner Amtsführung und seiner Arbeit zu einer prägenden Persönlichkeit wurde.

Quellen

Literatur

  • F.-J. Heyen: Wilhelm Boden (1890 - 1961) Erster Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, in: Rheinland-Pfalz entsteht. Beiträge zu den Anfängen des Landes Rheinland-Pfalz in Koblenz 1945 - 1951. Eine Veröffentlichung aus Anlaß des Rheinland-Pfalz Tages 1984, Boppard 1984, S. 185 - 198
  • K.M. Grass: Politiker Porträts, in: 40 Jahre Rheinland-Pfalz. Eine politische Landeskunde, hg. v. Peter Haungs, Mainz 1986, S. 255 - 289
  • M. Kißener: Kleine Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz 1945-2005. Wege zur Integration eines Nachkriegsbundeslandes , Karlsruhe 2006
  • W. Müller: Dr. Wilhelm Boden. Landrat in Altenkirchen. Lebensbilder aus dem Kreis Altenkirchen, 1979, S. 11 - 13
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