Der 1. August 1806. Vom Heiligen Römischen Reich deutscher Nation zum Rheinbund

Am 1. August 1806 traten zunächst 16 deutsche Staaten aus dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation aus. Sie hatten mit ihrer Unterzeichnung der Rheinbundakte vom 12. Juli 1806 die Lossagung vom Reich zugesagt. Am 6. August 1806 legte Franz II. die deutsche Kaiserkrone nieder, womit der Weg vom Reich zum Rheinbund vollzogen war. Die fast tausendjährige Geschichte des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation war beendet. Die Geschichte des Rheinbundes, der im Jahre 1808 mit 36 Staaten seine größte Ausdehnung erreichte, sollte wesentlich kürzer bleiben. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 brach der Bund endgültig auseinander.

Unter dem Einfluss der napoleonischen Herrschaft setzte auch in Deutschland eine Umwälzung des politischen und gesellschaftlichen Systems ein. Durch Säkularisation und Mediatisierung war die zersplitterte deutsche Kleinstaatenwelt aufgelöst worden. So gut wie alle reichsstädtischen, reichsritterschaftlichen und geistlichen Gebiete und auch die kleineren weltlichen Herrschaften wurden durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 und nach dem Frieden von Preßburg 1805/6 den größeren weltlichen Herrschaften zugeteilt, die hierdurch ihr Gebiet arrondieren konnten. Während das alte Reich vorher aus über 1.000 reichsunmittelbaren Territorien bestanden hatte, waren es jetzt nur noch etwas über dreißig. "Das alte Reich verlor mit dem Reichsadel und der Reichskirche seine treuesten Anhänger, die bisher in Kaiser und Reich den Garanten ihrer eigenen Existenz gesehen hatten. Gleichzeitig banden sich die dank napoleonischer Hilfe vergrößerten Mittelstaaten immer enger an Frankreich. Mit der territorialen Neugestaltung begann so der Prozeß der Reichsauflösung, der 1806 mit der Gründung des Rheinbundes und der Niederlegung der Kaiserkrone durch Franz II. seinen Abschluß fand."

Mit dem Frieden von Preßburg vom 26. Dezember 1805 wurde der 3. Koalitionskrieg beendet. Die napoleonischen Truppen hatten die Koalitionstruppen bei Austerlitz vernichtend geschlagen. Die europäische Karte wurde neu gezeichnet und die deutschen Mittelstaaten erhielten den Machtzugewinn, den sie als "drittes Deutschland", als Gegengewicht zu Österreich und Preußen benötigten. Die endgültige Auflösung des alten Reiches wurde schließlich mit dem Rheinbund eingeleitet, wodurch die enge Verbindung zwischen Frankreich und den deutschen Mittelstaaten festgeschrieben wurde. Dieser Fürstenbund, der an das Vorbild des Rheinbundes aus dem Jahr 1658 anknüpfte, wurde von Karl Theodor von Dalberg geführt. Der Kurfürst und ehemalige Erzbischof von Mainz versuchte als Fürstprimas des Rheinbundes, die schon seit langem geplante Reform der Reichsverfassung unter dem Protektorat Frankreichs durchzusetzen. Obwohl in der Rheinbundakte der institutionelle Ausbau der Föderation und die Umwandlung der Militärallianz in ein strukturiertes Bündnissystem vorgesehen war, scheiterte Dalberg mit seinem Vorhaben an den größeren Rheinbundstaaten. Die Souveränität, die sie gerade erhalten hatten, wollten sie durch den Protektor nicht eingeschränkt sehen.

Unter diesen Voraussetzungen wurde der Rheinbund am 12. Juli 1806 auf Wunsch Napoleons gegründet. Die Vertreter von sechzehn süd- und südwestdeutschen Staaten unterzeichneten die Rheinbundakte und gingen damit die Verpflichtung ein, sich vom Heiligen Römischen Reich deutscher Nation loszusagen. Am 1. August 1806 teilten die Mitglieder des Rheinbundes ihren Austritt aus dem Reichsverband mit. Am 6. August 1806 legte Franz II., der im Jahre 1804 zusätzlich den Titel eines Kaisers von Österreich angenommen hatte, die deutsche Kaiserkrone nieder. "Die fast tausendjährige Geschichte des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation war beendet." Die Zeit der napoleonischen-rheinbündischen Reformen begann.

Nassau-Usingen und Nassau Weilburg gehörten zu den Herrschaften, die den Rheinbundvertrag am 17. Juli unterzeichneten und davon entsprechend profitierten. Neben ihrer Souveränität und einem deutlichen Gebietszuwachs erhielt der Fürst von Nassau Usingen, Fürst Friedrich-August, den Herzogtitel. In den folgenden Jahren wurde in dem Herzogtum Nassau ein erheblicher Reformprozeß in Angriff genommen, der einen deutlichen Entwicklungsschub einleitete. Nassau gehörte zu den "treuen Rheinbundvasallen". Zwei Ziele, die man durch den Beitritt zu erreichen hoffte, waren bisher noch nicht realisiert worden. Zum einen betraf dies die Erhebung zum Großherzogtum, zum anderen den Erwerb der Niedergrafschaft Katzenelnbogen. Um diese Ziele nachträglich erreichen zu können, setzte sich Nassau für eine stärkere institutionelle und verfassungsmäßige Ausbildung des Rheinbundes ein und unterstützte somit die Bemühungen des Fürstprimas Dahlberg zur Ausarbeitung und Einführung eines Fundamentalstatuts. Darüber hinaus war Nassau, auch was die Bereitstellung von Militärkontingenten betraf, ein verlässlicher Bündnispartner. Bereits an der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt im Oktober 1806 war Nassau mit einem nicht unerheblichen Truppenkontingent beteiligt. Der Krieg hinterließ aber nicht nur bei den vernichtend geschlagenen Preußen seine Spuren, auch die Rheinbundstaaten erlebten die Schattenseiten der Gefolgschaft. "Die Einberufung der Militärpflichtigen, die Erhebung zusätzlicher Steuern sowie die namentlich anfangs recht häufigen Truppendurchmärsche und Requisitionen stellten für die Bevölkerung eine erhebliche Belastung dar." Vorerst überwog aber die Überzeugung, das sich dieser Einsatz lohnen würde und in Rangerhöhungen niederschlagen könnte.

Nach der preußischen Niederlage 1806 schlossen sich viele mittel- und norddeutsche Kleinstaaten dem Rheinbund an. Schließlich bestand der Bund, der im Jahre 1808 seine größte Ausdehnung erreicht hatte, aus 36 Staaten. Im Verlauf der Befreiungskriege wuchsen vor allem die militärischen Belastungen für die Rheinbundstaaten allerdings immer mehr. Das Vertrauen zu Napoleon wurde mit der wachsenden Zahl der Toten und Verwundeten immer geringer. Mit der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig am 19. Oktober 1813 brach der Bund endgültig auseinander. Das Herzogtum Nassau erklärte am 16. November seinen Austritt aus dem Rheinbund und unterschrieb am 23. November 1813 seinen Beitritt zu der Allianz der gegen Napoleon verbündeten Mächte.

Quellen

Literatur

  • M. Bernath: Die auswärtige Politik Nassaus 1805 - 1812. Ein Beitrag zur Geschichte des Rheinbundes und der politischen Ideen am Mittelrhein zur Zeit Napoleons, Diss. phil., Mainz 1950, in: Nassauische Annalen 63, 1952, S. 106 - 191.    
  • E. Fehrenbach: Vom Ancien Regime zum Wiener Kongreß, München, Wien 1981. Oldenbourg Grundriß der Geschichte, Bd. 12.
  • E.R. Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789, Bd. 1. Reform und Restauration 1789 bis 1830, Stuttgart 1961
  • W. Schüler: Das Herzogtum Nassau 1806 - 1866. Deutsche Geschichte in Kleinformat, Wiesbaden 2006 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau 75)

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