Der 1. Juni 1676. Karl Kaspar von der Leyen. Tod des Erzbischofs von Trier

Karl Kaspar von der Leyen, Erzbischof und Kurfürst von Trier, starb am 1. Juni 1679 in Ehrenbreitstein bei Koblenz. Der aus einer angesehenen Adelsfamilie stammende Karl Kaspar wurde im Alter von 32 Jahren Landesherr und machte es sich zur Aufgabe, das Erzstift, das durch den dreißigjährigen Krieg und seine Folgen sehr drangsaliert worden war, wieder zu konsolidieren. Seine Bemühungen um Frieden und innenpolitische Reformen waren in den ersten Jahren auch von Erfolg gekrönt. Letztendlich gelang es ihm aber nicht, den Kurstaat aus den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Kaiser und Frankreich herauszuhalten.

"Der Regierungsantritt des Kurfürsten und Erzbischofs von Trier Karl Kaspar von der Leyen fällt in eine politisch trübe Zeit. Soeben war in dem westfälischen Frieden dem dreißigjährigen Kriege ein Ende gesetzt worden, der dem heiligen römischem Reich deutscher Nation fürchterliche Wunden geschlagen hatte."

Von der Leyen stammte aus einer angesehenen und begüterten Adelsfamilie, die sehr eng mit dem Erzbistum Trier verbunden war. Sein Vater war der kurtrierische Landhofmeister und Rat Damian von der Leyen, die Mutter war Anna Katharina Waldbott von Bassenheim. Über die Kindheit, Jugend und Erziehung des späteren Kurfürsten ist kaum etwas bekannt. Durch seine verwandtschaftliche Verbindung trat Karl Kaspar sehr früh in das Domkapitel ein. Im Jahr 1630 wurde er als Kapitular eingeführt und 1641 erhielt er eine Domherrenstelle. Zu dieser Zeit befand sich Erzbischof Sötern bereits seit sechs Jahren in der Gefangenschaft der Spanier. Er kehrte erst nach zehn Jahren, am 1. September 1645 nach Koblenz zurück. Die folgenden Differenzen mit dem Domkapitel führten dazu, das Karl Kaspar von der Leyen und Hugo Eberhard Cratz von Scharffenstein an der Spitze einer kleinen Truppenabteilung des Domkapitels nach Koblenz kamen, wo sich ihnen der Stadtkommandant anschloss. Im Juni 1649 wurde Trier im Handstreich genommen und Philipp Christoph von Sötern war wieder der Unterlegene.

Es folgte eine Koadjutorwahl, die Karl Kaspar von der Leyen am 11. Juli 1650 für sich entscheiden konnte. Damit war von der Leyen im Alter von 32 Jahren der Stellvertreter des greisen Kurfürsten und hatte damit das Recht auf seine Nachfolge. Als Sötern nach langer Krankheit am 7. Februar 1652 in Koblenz-Ehrenbreitstein starb, folgte am 12. März nach der päpstlichen Bestätigung die Inthronisation von der Leyens. Der neue Kurfürst, in den die Trierer Bürgerschaft große Hoffnungen setzte, bemühte sich in den folgenden Jahren vor allem um den Wiederaufbau des Erzstifts und die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation. "Er ließ umfassende Visitationen im geistlichen Bereich durchführen und verlangte eine gründliche Ausbildung der Priester. Es wird leicht vergessen, daß an der Spitze des Trierer Kurstaates kein glänzender Politiker stand, sondern ein hervorragender Amtswalter, also eine Persönlichkeit, die sich um das Naheliegende und für die Untertanen Nützliche kümmerte."

Erst sehr spät und nach langen Verhandlungen trat Karl Kaspar am 20. März 1662 dem Rheinbund unter Führung des Kurfürsten von Mainz bei. Aber die Hoffnungen mit diesem Zusammenschluss die französische Expansionspolitik eindämmen zu können, wurde enttäuscht, als Frankreich 1667 in die Niederlande einmarschierte. Der Bund wurde im Jahre 1668 durch ein Defensivbündnis zwischen Kurmainz, Kurtrier und Lothringen ersetzt. Nach mehrmaligem Truppendurchzug der Franzosen durch das Rheinland und das intensive Werben Ludwig XIV. um Unterstützung bei Karl Kaspar entschloss sich der Kurfürst Ende 1672 zu einer Allianz mit dem Kaiser und dem Kurfürsten von Brandenburg. Aber auch die Verstärkung des Ehrenbreitstein durch österreichische Truppen und die intensiven diplomatischen Bemühungen des Kurfürsten konnten nicht verhindern, dass Trier 1673 von den Franzosen belagert und schließlich eingenommen wurde. Zwei Jahre lang blieben die Trierer der französischen Besatzung unterworfen. Am 11. August 1675 kam es zu der entscheidenden Auseinandersetzung zwischen dem Reichsheer und den Franzosen. nach einem Sieg der kaiserlichen Truppen und der Belagerung der Stadt Trier, die für die Bevölkerung wiederum erhebliche Entbehrungen brachte, kam es am 6. September 1675 schließlich zur Übergabe der Stadt.

Die anschließenden Friedensverhandlungen, die sich bis 1679 hinzogen, waren zu Anfang von den Bemühungen Karl Kaspars geprägt, die Situation des Erzstifts, das noch immer von fremden Truppen umgeben war, zu verbessern. Einen Erfolg seines Einsatzes konnte er nicht mehr erleben. Karl Kaspar von der Leyen starb am 1. Juni 1676 in Ehrenbreitstein und wurde im Dom von Trier beigesetzt. Es war ihm nicht gelungen, das Erzstift aus den militärischen Auseinandersetzungen herauszuhalten und den Frieden zu erhalten. Erst im Bündnis mit Kaiser und Reich war es gelungen, die französische Expansion einzudämmen und das besetzte Trier zurückzuerlangen. "Dennoch blieb Karl Kaspar von der Leyen im Gedächtnis seiner Untertanen, besonders der Koblenzer und Trierer, der sorgende Landesvater."

Quellen

Literatur

  •  K. Düwell, F. Irsigler (Hg.): 2000 Jahre Trier, Bd. 3. Trier in der Neuzeit, Trier 1988
  • B. Gondorf: Kurtrierische Frankreichpolitik und Erzbischof Karl Kaspar von der Leyen, Trier 1981
  • R. Laufner: Trier. Politische Geschichte, Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte 1580 - 1794, in: K.Düwell, F. Irsigler (Hg): 2000 Jahre Trier, Bd. 3, Trier 1988, S. 3 - 61
  • J. Lehnen: Beiträge zur kurfürstlich-trierischen Politik unter Karl Kaspar von der Leyen 1652 - 1676, Diss. phil., Trier 1914
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