Weimarer Republik und Nationalsozialismus

Mit Freude und Enthusiasmus waren die jungen Männer aus dem Rheinland, Rheinhessen und der Pfalz 1914 in den Ersten Weltkrieg gezogen. Ernüchtert und enttäuscht nahm die Bevölkerung das Kriegsende und den völligen Zusammenbruch des Kaiserreichs zur Kenntnis. Eine Epoche war zu Ende, die neue Weimarer Republik stieß eher auf abwartende Skepsis, denn begeisterte Zustimmung. Ungeheure Reparationen belasteten die ohnehin stark geschwächte Wirtschaft, viele Menschen litten Not. Erst unter amerikanischer, dann unter französischer und mancherorts auch belgischer Besatzungsherrschaft stehend, verrichteten die preußischen, bayerischen und hessischen Verwaltungen weiterhin ihren Dienst, wenn auch häufige Konflikte mit der Besatzungsmacht die Arbeit erschwerten.

In dieser Situation fanden diejenigen, die eine stärkere Unabhängigkeit der Rheinlande und der Pfalz forderten, aufmerksames Gehör. Konnten die ersten separatistischen Bestrebungen 1919 noch abgewehrt werden, führten die Besetzung des Ruhrgebiets und die sich dramatisch verschärfende Inflation im Oktober 1923 zur Ausrufung der Rheinischen Republik mit Sitz in Koblenz. Auf dem Schloss wehte die Flagge der Rheinischen Republik, ein Kabinett unter Josef Friedrich Matthes (1886-1943) bestimmte die Geschicke mit Unterstützung und Billigung durch den französischen Hochkommissar und Präsidenten der Rheinlandkommission, Paul Tirard (1879-1945). Die zurückhaltende, bisweilen sogar offen feindselige Haltung der Verwaltung und die zahlreichen Übergriffe der Schutztruppen auf die Bevölkerung führten jedoch rasch zum Ende dieses kurzen Intermezzos im November 1923, wohingegen die Pfälzische Republik noch bis ins Jahr 1924 Bestand hatte.

Zu den schärfsten Gegner der Separatisten gehörten die kontinuierlich stärker werdenden rechtsradikalen Bewegungen, allen voran die Nationalsozialisten. Die politische Instabilität der Weimarer Republik und ihre zahlreichen Krisen trieben immer mehr Menschen in die Arme der Nationalsozialisten. Insbesondere in der Pfalz erhielt NSDAP schon früh Zulauf, während sich in den Rheinlanden die Zentrumspartei bis zur letzten freien Wahl im März 1933 noch als stärkste Kraft behaupten konnte. Trotz der beständigen aufmerksamen Beobachtung der Partei durch den Oberpräsidenten und die Regierungspräsidenten gelang es der NSDAP, systematisch ihre Parteistruktur aufzubauen, angefangen von den Kreisleitungen bis hin zu den Gestapo-Leitstellen. Von März 1933 bis spätestens Sommer 1934 hatte die NSDAP das gesamte Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz fest in ihrer Hand, die Verwaltungsbehörden Preußens, Hessens und der Pfalz waren zu ihren Erfüllungsgehilfen geworden. In den Konzentrationslagern Osthofen und später Hinzert waren politische Gegner inhaftiert, und auch aus rheinland-pfälzischen Städten und Gemeinden wurden die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger systematisch erfasst und in die Vernichtungslager abtransportiert. Unter der Herrschaft der Gauleiter Gustav Simon (Gau Koblenz-Trier, seit 1941 Moselland) und Josef Bürckel (Gau Saarpfalz, später Westmark) durchdrang der Nationalsozialismus jeden Winkel des öffentlichen Lebens und belegte seine Gegner mit Terror und Verfolgung.

Systematisch bereitete sich das "Dritte Reich" auf den Krieg vor: 1938 begannen die Arbeiten am Westwall, ebenso wie der Bau der Hunsrückhöhenstraße. Das Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz war zum Aufmarschgebiet geworden. Und die anfänglichen Kriegserfolge vergrößerten auch die Macht der Gauleiter: Simon wurde Chef der Zivilverwaltung für Luxemburg, Bürckel für Lothringen. Doch hier drangen auch die alliierten Truppen erstmals auf das Gebiet des Deutschen Reiches ein im Herbst 1944, nachdem ihre Bomber schon zahlreiche Städte und Gemeinden in Schutt und Asche gelegt hatten. Bereits im März 1945 war der Krieg an Rhein und Mosel, in der Pfalz und in Rheinhessen vorbei. Die NS-Verbrecher waren geflohen, zurück blieben Trümmer, Not und tausendfaches Leid.