Die Zeit der französischen Herrschaft

Die Zeit der Französischen Revolution und des Empire bis zum Übergang an Preußen (1794-1816)

Französische Revolution und Empire bedeuteten für das Rheinland einen einschneidenden Epocheneinschnitt. Der linksrheinische Teil wurde für fast 20 Jahre integraler Bestandteil Frankreichs und hatte so unmittelbar Anteil an der französischen Entwicklung mit der Aufhebung der Feudalrechte und der Errichtung einer Eigentümergesellschaft. Dagegen wurde der rechtsrheinische Teil an die neuen Staaten des Rheinbundes und hier insbesondere an das Herzogtum Nassau angegliedert und hatte Teil an den rheinbündischen Reformen. Überall wurden aber moderne Verwaltungsstrukturen eingeführt und durch Eroberung, Mediatisierung und Säkularisation neue Territorialstrukturen geschaffen, was eine Rückkehr zu den Verhältnissen des Alten Reiches unmöglich machte und den Reformen eine epochale Wirkung gab.

 

Die Französischen Behörden auf dem linken Rheinufer (1794-1813)

Ab 1794 wurde der linksrheinische Teil des Rheinlandes von französischen Revolutionstruppen besetzt, die hier zunächst zivile Besatzungsverwaltungen zur Versorgung der Armeen einrichteten. (Bestände 241,001-241,014). 1798 wurde das linke Rheinufer aber annektiert und in der Form von vier neu gegründeten Departements an Frankreich angegliedert. Das Rur-Departement (Département de la Roer) mit der Hauptstadt Aachen im nördlichen Rheinland und das Donnersberg-Departement (Département du Mont Tonnerre) mit der Hauptstadt Mainz im südlichen Rheinland lagen außerhalb des historischen Sprengels des Landeshauptarchivs. Aber das Saar-Departement (Département de la Sarre) mit der Hauptstadt Trier (Bestand 276) und das Rhein-Mosel-Departement (Département de Rhin et Moselle) mit der Hauptstadt Koblenz (Bestände 250 - 270) deckten den linksrheinischen Sprengel des Landeshauptarchivs voll ab und gingen z.T. darüber hinaus. Für alle vier Departements wurde in den Anfangsjahren 1798-1802 bis zur endgültigen Eingliederung in den französischen Staat ein Eingliederungskommissar bestellt, dessen Aktenüberlieferung (Bestände 241,015 - 241,021) überregionale Bedeutung zukommt.

Frankreich führte im Rheinland eine von der Verwaltung unabhängig Justiz ein, die einen dreigliedrigen Rechtszug kannte, angefangen von den Friedensgerichten auf Kantonsebene (Bestand 311) über die Gerichte erster Instanz auf Arrondissements- und Departementsebene (Bestand 312 ff) bis hin zu den departementsübergreifenden Appellations- bzw. Revisionsgerichten (Bestand 316 ff), von denen dann noch ein Rekurs an den Kassationshof in Paris möglich war.