Das Alte Reich in den Quellen der Landesarchive

Zu Beginn des 5. Jahrhunderts beendeten die Franken die Römerherrschaft am Rhein. Die romanisch-gallische Oberschicht in dem von Treverern besiedelten Land suchte in den befestigten Kastellen am Rhein (Boppard, Andernach, Bingen, Koblenz) und in den Städten (Trier) Zuflucht. Auch das Steuersystem überlebte den Untergang der Römer. Die Verwaltung wurde zum Teil von der Kirche, Bischöfen, Äbten etc., und Magistraten übernommen.

Die Zeit der Merowinger - der Trierer Bereich lag im austrasischen Königreich - bleibt weitgehend im Dunkeln. Trier war Hauptort der Provinz Belgica gewesen, wurde in der 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts Bischofsitz. 380 war es Sitz der gallischen Präfektur. Die kulturelle Entwicklung wurde von der Kirche und das heißt nicht nur Trier sondern auch Toul (Bestand 9), Verdun - das Testament des Verduner Diakons Adalgisel-Grimo von 636 ist die älteste Urkunde im Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 1A Nr. 1) - Metz (Bestand 7), Köln (Bestand 2) und Mainz (Bestand 3), den großen Abteien Echternach (Bestand 231,15), St. Maximin (Bestand 211), St. Remi, Oeren (Bestand 201), Stablo-Malmedy, Prüm (Bestand 18) und den Stiften St. Kastor (Bestand 109), St. Florin (Bestand 112), Karden (Bestand 99) etc. getragen.

In den karolingischen Teilungen kam das Gebiet bis zum Rhein zum Reichsteil Lothars (Lotharingien); seit 925 war es dauerhaft dem Ostreich einverleibt. Der Trierer Bischof (Bestand 1) wurde von Karl dem Großen zum Erzbischof der lothringischen Kirchenprovinz ernannt. Zusammen mit den vollen Grafenrechten schenkten die Ottonnen dem Bistum beachtlichen Besitz um Trier und in der Eifel. 1018 erhielt der Erzbischof von Heinrich II. den Königshof Koblenz mit St. Florin (Bestand 112) und damit eine neue Ausrichtung über den Rhein. Koblenz wurde Vorort des Erzstifts an der Untermosel (Niedererzstift), wohin die Erzbischöfe in der Neuzeit ihre Residenz verlegten.

1197 löste sich das Trierer Stift durch die Übernahme seiner Obervogtei aus dem Machtbereich des Pfalzgrafen und begann, eine Landesherrschaft aufzubauen. Durch Burgenbau, Stadtbefestigungen und ähnliche Maßnahmen suchten die Bischöfe ihr Territorium systematisch zu sichern. Einer der bedeutendsten Erzbischöfe, Balduin von Luxemburg († 1354), Bruder Kaiser Heinrichs VII., richtete die kurtrierischen Ämter ein und arrondierte das Territorium durch die Übernahme von Pfandschaften. Die Reichsunmittelbarkeitsbestrebungen der Stadt Trier scheiterten.

Gegenspieler und Partner des Erzstifts waren die ebenfalls nach Territorien strebenden Adeligen: an erster Stelle die rheinischen Pfalzgrafen (Bestand 4) - das Amt ist bereits als merowingisches Hofamt bezeugt -, deren Besitzschwerpunkt sich in den Jahren 1000-1200 vom Raum Köln über Laach zum Wormser Dukat am unteren Neckar verschob, und von den Ezzonen u.a. über die Luxemburger, Salier, Staufer an die Wittelsbacher übertragen wurde. Die Pfälzer erwarben als Pfandschaften im 14. Jh. Simmern auf dem Hunsrück und Zweibrücken (Bestand 24) im Saar-Hunsrückgebiet. 1444 erbten sie die Grafschaft Veldenz (Bestand 23) mit den dazugehörigen Anteilen an der Grafschaft Sponheim (Bestand 33) und führten 1556 die Reformation ein.

Über beachtlichen Besitz in der Eifel (Propstei Bitburg) verfügten auch die aus der Lehnsabhängigkeit von St. Maximin und der Pfalz zu Herzögen emporgewachsenen Grafen von Luxemburg. Die Grafen von Virneburg (Bestand 34), die als Vögte der Abtei Prüm und Lehnsleute der auf dem rechten Rheinufer begüterten Grafen von Sayn (Bestand 30) bezeugt sind, gerieten Ende des 12. Jahrhunderts in Abhängigkeit von Trier. Zwischen Pfalz, Kurtrier und Kurmainz gelang es den Grafen von Sponheim, ein starkes Territorium aufzubauen. Die vordere Grafschaft Sponheim mit dem Vorort Kreuznach an der Nahe und die hintere Grafschaft mit Birkenfeld und den moselländischen Besitzungen um Trarbach waren seit dem 15. Jh. unter pfälzisch-badischem Kondominat. Im sog. Kröver Reich (Bestand 51,12; Bestand 1C; Bestand 33) an der Mosel begegneten sie den Ansprüchen Kurtriers, das dort die Einführung der Reformation verhinderte. Eine bedeutende Rolle in der Reformation spielte die hessische Landgrafschaft, die 1479 die durch die Rheinzölle immens reiche Grafschaft Katzenelnbogen (Bestand 27) beerbte. Zu nennen wären auch die Grafen von Manderscheid (Bestand 29) und Arenberg (Bestand 19), die sich durch Erbschaft, Kauf und Heirat umfangreiche Territorien in der Eifel sicherten. Dieses Staatengefüge hielt den vielen Kriegen seit 1525 stand, wenn auch zahlreiche Adelsherrschaften (Bestand 54) darunter die reichsunmittelbaren (Bestand 51; Bestand 52) und reichsritterschaftlichen Besitzungen (Bestand 53), als die französische Revolution schließlich in unsern Sprengel übergriff, schon kumuliert waren.