Der 31. August 1850. Die Amtszeit des Oberpräsidenten der Rheinprovinz Franz August Eichmann ist beendet

Am 31. August 1850 war die Amtszeit von Franz August Eichmann als Oberpräsident der Rheinprovinz offiziell beendet. Eichmann war eine der Persönlichkeiten, der das Amt des Oberpräsidenten, das seit der Reorganisation der preußischen Verwaltung Anfang des 19. Jahrhunderts an der Spitze einer Provinz stand, ausfüllte und prägte. Über die rheinischen Erwerbungen Preußens hatten seit 1816 zunächst zwei Oberpräsidien in Köln und Koblenz und seit 1822 schließlich ein Oberpräsident mit dem Sitz in Koblenz die oberste Dienstaufsicht. In dieser herausragenden Stellung als ständiger "Kommissar" der preußischen Staatsregierung hatte es Eichmann während seiner fünfjährigen Dienstzeit verstanden, sich Vertrauen und Zustimmung zu erwerben. Obwohl ihm die Rheinprovinz bei seinem Amtsantritt fremd gewesen war, war es ihm gelungen, sich zur allgemeinen Zufriedenheit für ihre Belange einzusetzen, so daß er bei seiner Abberufung in das Oberpräsidium nach Ostpreußen viele anerkennende Worte erhielt.  

Auf die rheinischen Gebiete, die Preußen nach dem erfolgreichen Ende der Befreiungskriege aufgrund der Beschlüsse des Wiener Kongresses zugesprochen bekam, wurde nach der Besitzergreifung im Frühjahr 1815 die preußische Provinzialverfassung übertragen. Auf der Grundlage der "Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzialbehörden" vom 30. April 1815 wurden am 22. April 1816 die Oberpräsidien der Provinz Jülich-Kleve-Berg mit Sitz in Köln, das Oberpräsidium des Großherzogtums Niederrhein mit Sitz in Koblenz sowie sechs rheinische Regierungsbezirke geschaffen. Jülich-Kleve-Berg, wo Graf Friedrich zu Solms Laubach als erster Oberpräsident amtierte, bestand aus den Regierungsbezirken Köln, Düsseldorf und Kleve. Das Großherzogtum Niederrhein unter dem Oberpräsidenten Freiherr Karl Ludwig von Ingersleben setzte sich aus den Regierungsbezirken Koblenz, Trier und Aachen zusammen. Ende des Jahres 1821 kam es zu einer Reorganisation der rheinischen Regierungsbezirke, nachdem die Regierung in Kleve aufgelöst und das betroffene Gebiet in den Regierungsbezirk Düsseldorf eingegliedert worden war. Mit Erlass vom 27. Juni 1822 kam es schließlich zur Zusammenlegung der beiden rheinischen Oberpräsidien. Die Provinz Jülich-Kleve-Berg wurde dem Koblenzer Oberpräsidium unterstellt, das jetzt über sämtliche preußische Behörden des Gebietes, für das sich die Bezeichnung Rheinprovinz einbürgerte, die oberste Dienstaufsicht hatte.

Für das Amt des Oberpräsidenten, der seit der Reorganisation der preußischen Verwaltung am Beginn des 19. Jahrhunderts, an der Spitze einer Provinz stand, war die Instruktion vom 31. Dezember 1825 maßgeblich. Nachdem es weder durch die Verordnung vom 30. April 1815 noch durch die Instruktion für die Oberpräsidenten vom 23. Oktober 1817 gelungen war, eine ausreichende Festlegung und Abgrenzung der Kompetenzen und Geschäftstätigkeit der Oberpräsidenten zu treffen, was insbesondere in ihrem Verhältnis zu den Regierungen immer wieder zu Auseinandersetzungen geführt hatte, wurde die Position des Oberpräsidenten durch die Instruktion des Jahres 1825 deutlich gestärkt. Nach dieser Instruktion war der Oberpräsident der Stellvertreter, der "Kommissar" der obersten Staatsbehörden in der Provinz und damit eine selbstständige Mittelinstanz zwischen Ministerium und Regierungen. Der jeweilige Amtsinhaber hatte die Oberaufsicht über die Verwaltung der Regierungen, die ihm unterstellt waren. Darüber hinaus war der Oberpräsident natürlich auch für die eigene Verwaltung der Angelegenheiten zuständig, die über einen Regierungsbezirk hinausgingen oder die ganze Provinz betrafen. Diese herausragende Stellung blieb bis zur Auflösung des Landes Preußens bzw. bis zur Auflösung der preußischen Provinzen im Jahre 1945 erhalten und wurde nicht zuletzt entscheidend von den Persönlichkeiten geprägt, die dieses Amt, das als eines "der schönsten und anspruchsvollsten des preußischen Staates galt", teilweise über viele Jahre hinweg ausfüllten.

Franz August Eichmann war eine dieser Persönlichkeiten. Er wurde am 29. März 1793 als Sohn des Geheimen Kriegsrats Franz Friedrich Eichmann und seiner Frau Lucie Justine Friederike in Berlin geboren. Nach dem Studium der Rechts- und Kameralwissenschaften in Göttingen, Heidelberg und Berlin und dem Militärdienst wurde Eichmann 1817 Gerichtsreferendar und 1819 Gerichtsassessor in Stettin. Nach seiner Tätigkeit als Rat bei dem Oberlandesgericht Marienwerder war Eichmann als Kammergerichtsrat in den Jahren 1833 bis 1835 Vertreter Preußens bei der vom Deutschen Bund errichteten Zentralbehörde zur Untersuchung der gegen den Bund gerichteten Komplotte. Im Jahre 1835 wurde er Vortragender Rat im preußischen Finanzministerium und 1840 Direktor der 2. Wirtschaftspolitischen Abteilung des Ministeriums des Äußeren.

Eichmann, der politisch als gemäßigt liberal eingestuft wurde, übte sein Amt in der Rheinprovinz seit drei Jahren aus, als er am 21. September 1848 zum Innenminister berufen wurde. Wie in diesem Revolutionsjahr an der Tagesordnung war seine Amtszeit allerdings nur von kurzer Dauer. Bereits am 8. November wurde er entlassen und nahm am 12. November wieder seine Tätigkeit als Oberpräsident der Rheinprovinz auf. Er beendete damit die während seiner Zeit als Minister bestehende Vakanz auf dieser Position. Nach weiteren zwei Jahren in der Rheinprovinz wechselte Eichmann im Jahre 1850 auf das Oberpräsidium in Ostpreußen. Bei seiner Verabschiedung fand er sowohl in der rheinischen Presse wie auch bei den ihm unterstellten Behörden nicht wenige anerkennende Worte.

Quellen

  • LHAKo Bestand 403, Nr. 5215. Acta des rheinischen Oberpräsidiums betr. die Besetzung der Oberpräsidentenstelle der Rheinprovinz, Bd. 2    
  • LHAKo Bestand 403, Nr. 5216. Acta des rheinischen Oberpräsidiums betr. die Besetzung der Oberpräsidentenstelle der Rheinprovinz, Bd. 3.
  • LHAKo Bestand 708, Nr. 54. Sammlung zur Personen-, Landes- und Ortsgeschichte. Verwaltungsfragen, Behördengeschichte.
  • LHAKo Bestand 708, Nr. 113,1. Rheinland. Preußische Provinzialverwaltung (1815 - 1945). Oberpräsidium und Regierungen
  • LHAKO Bestand 709, 2 Nr. 11 Coblenzer Tageblatt 1850
  • LHAKo Bestand 710. Fotosammlung. Fotos von Freiherr von Ingersleben und Franz August Eichmann
  • J. Hansen (Hg.): Rheinische Briefe und Akten zur Geschichte der politischen Bewegung 1830 - 1850, Bd. 1 (1830 - 1845). Deutsche Geschichtsquellen des 19. Jahrhunderts, Bd. 1, Essen 1919

Literatur

  • M. Bär: Die Behördenverfassung der Rheinprovinz seit 1815. PublGesellschrhGeschkde 35, Bonn 1919    
  • B. Resmini (Hg): Inventar des Bestandes Oberpräsidium der Rheinprovinz, 2. Bde., Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Bd. 71 und 72, Koblenz 1996
  • F. Hartung: Studien zur Geschichte der preußischen Verwaltung, 2. Teil. Der Oberpräsident. AbhPreußAkadWiss, Phil.-Hist. Kl. 4 Berlin 1943
  • R. Hubatsch: Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815 - 1945. Reihe A Preußen, Bd. 7, R. Schütz., Rheinprovinz, Marburg 1978
  • H. Romeyk: Die leitenden staatlichen und kommunalen Verwaltungsbeamten der Rheinprovinz 1816 - 1945. PublGesellschrhGeschkd 69, Düsseldorf 1994
  • Kl. Schwabe: Die preußischen Oberpräsidenten 1815 - 1945. Büdinger Forschungen zur Sozialgeschichte. Deutsche Führungsschichten in der neuzeit 15, Boppard 1984