Der 31. Mai 1876. Der Tod des Trierer Bischofs Eberhard im Spiegel Koblenzer Zeitungen

Der 31. Mai 1876 war ein sonniger Frühlingstag, der in zwei Koblenzer Tageszeitungen völlig unterschiedlich bewertet wurde. Während in der "Coblenzer Zeitung" die kleinen alltäglichen Ereignisse im Vordergrund standen, war die Schwerpunktsetzung in der der katholischen Zentrumspartei nahestehenden "Coblenzer Volkszeitung" eine andere. Die Volkszeitung, die sich während des Kulturkampfes mit behördlichen Verboten und Beschränkungen auseinanderzusetzen hatte, stellte den Tod des Trierer Bischofs Eberhard in den Mittelpunkt ihrer Berichterstattung, der als Gegner der staatlichen Maßnahmen gegen die katholische Kirche zu einer wichtigen Persönlichkeit des politischen Katholizismus geworden war.  

Ebenso wie in der Ausgabe der "Coblenzer Volkszeitung" vom gleichen Tage nahm neben den lokalen Nachrichten natürlich auch der Anzeigenteil einen breiten Raum in der Tageszeitung ein. Während aber die erste Seite der "Coblenzer Zeitung" von der Berichterstattung wenig bedeutender politischer Ereignisse geprägt wurde, stand in der "Coblenzer Volkszeitung" der plötzliche Tod des Trierer Bischofs Mathias Eberhard am 30. Mai 1876 im Vordergrund. Dr. Franz Aloys Duhr, seit dem Jahr 1850 leitender Arzt des Bürgerhospitals in Koblenz, hatte im Jahr 1871 mit der Unterstützung des "Katholischen Lesevereins" die Handelsfirma "Duhr und Comp." gegründet, die seit dem 1. Januar 1872 die "Coblenzer Volkszeitung" herausgab. Die Zeitung wurde mit dem Anspruch ins Leben gerufen "auf allen Gebieten der Religion, des Rechtes, der Gesetzgebung und des öffentlichen Lebens auftauchende Fragen vom katholischen Standpunkt auffassen und ihren Lesern die geeigneten Gesichtspunkte zur sicheren Beurteilung bieten" zu wollen.

Während des sogenannten "Kulturkampfes" stand diese Zeitung von Anfang an unter der besonderen Beobachtung der Behörden. Die Auseinandersetzung zwischen der von den Nationalliberalen unterstützten Staatsregierung und dem politischen Katholizismus gipfelten im Jahre 1873 in den im preußischen Landtag verabschiedeten "Maigesetzen", die das staatliche Aufsichtsrecht über die Kirche verstärkten. Als Blatt der katholischen Zentrumspartei hatte sich die "Coblenzer Volkszeitung", die bereits zwei Wochen nach ihrer ersten Ausgabe über 1.600 Abonnenten verfügte, mit behördlichen Verboten und Beschränkungen auseinanderzusetzen. In den Jahren 1874 und 1875 musste der Herausgeber der Zeitung Dr. Duhr jeweils eine Gefängnisstrafe von vierzehn Tagen verbüßen. Auch in der Ausgabe vom 31. Mai 1876 findet sich ein Hinweis auf die gegen die Zeitung gerichteten Maßnahmen der Regierung. Es wurde darüber informiert, dass die "Königliche Staatsregierung" gegen den Freispruch in dem "Preßprozess gegen unseren früheren Redacteur Herrn Haupts" Berufung eingelegt habe.

Der 31. Mai 1876 war ein Tag, der in zwei Koblenzer Tageszeitungen unterschiedlich bewertet wurde. Während in der "Coblenzer Zeitung" die alltäglichen Ereignisse im Vordergrund standen, ist die Schwerpunktsetzung in der katholischen "Coblenzer Volkszeitung" mit der Berichterstattung über den Tod des Bischofs Eberhard eine völlig andere. So unterschiedlich wie sich die Zeitungen an diesem Tage präsentierten, war auch ihre weitere Entwicklung. Die "Coblenzer Zeitung" blieb mit einer Auflage, die zwischen 4.000 und 5.000 Exemplaren schwankte von den staatlichen Behörden weitgehend unbehelligt. Erst mit dem Beginn der französischen Besatzung begann auch für diese Zeitung eine Zeit der Verbote und Einschränkungen. Nach mehrmaligen Verboten stellte die Zeitung im Oktober 1923 ihr Erscheinen endgültig ein. Im Gegensatz dazu entwickelt sich die "Coblenzer Volkszeitung" zu einem wichtigen Organ des politischen Katholizismus. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Volkszeitung zu dem führenden Koblenzer Blatt, dessen Verbreitung und Bedeutung weit über den Bereich der Stadt Koblenz hinausging. Erst der Nationalsozialismus beendete die positive Bilanz der Zeitung. Seit dem Jahre 1934 sah sich das Blatt zunehmenden Repressalien gegenüber, bis der ursprüngliche Charakter der Zeitung nicht mehr wiederzuerkennen war. Am 25. April 1941 wurde ihr Erscheinen schließlich auf Weisung der Reichspressekammer endgültig eingestellt.

Quellen

Literatur

  • J. Herres: Das Preussische Koblenz, in: Geschichte der Stadt Koblenz. Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart, Bd. 2, Koblenz 1993, S. 49 - 118    
  • H. Kampmann: Koblenzer Presse-Chronik. 80 Zeitungen aus drei Jahrhunderten; Koblenz 1988
  • H. A. Winkler: Der lange Weg nach Westen. Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik, Bd. 1, München 2000