Der 27. September 1954. Trauerfeier für die Explosionsopfer in Niederstedem

Am 27. September 1954 fand die Trauerfeier für die Opfer der Tanklagerexplosion bei Niederstedem in Bitburg statt. Vier Tage zuvor waren 29 Menschen, 21 Deutsche und acht Franzosen, bei der Explosion eines mit Flugzeugtreibstoff gefüllten Großtanks ums Leben gekommen, die durch eine Vorführung der Sicherheitsmaßnahmen ausgelöst worden war. An den Trauerfeierlichkeiten nahm das ganze Land Rheinland-Pfalz lebhaften Anteil, zumal die Katastrophe viele Menschen an die Explosion in Prüm erinnerte, die 1949 ebenfalls zahlreiche Todesopfer gefordert hatte.  

Wie der Einschlag einer mächtigen Luftmine, dann erste Schreie. Der Himmel glutrot. Ein riesiger Rauchpilz, mehrere hundert Meter hoch über dem Versorgungslager. Prasselnde Flammen. Herumirrende Menschen. Weitere Detonationen. Heranrasende Fahrzeuge und die erste, qualvolle Frage: "Was ist dort drüben geschehen? Das ist, was Augenzeugen zunächst berichten konnten." So beschreibt die "Abendpost" am 24. September 1954 die ersten Eindrücke von der Explosion, die sich am 23. September gegen 16:00 Uhr bei Niederstedem, einem kleinen Ort in der Nähe von Bitburg ereignete.

Die zahlreichen Rettungskräfte und Helfer aus der gesamten Umgebung erkannten bei ihrem lebensgefährlichen Einsatz sehr schnell, dass die Personen, die auf dem Tank gestanden hatten, entweder tot oder schwer verletzt waren. Unter der ständigen Bedrohung einer weiteren Explosion und behindert durch die intensive Rauch- und Hitzeentwicklung des Treibstoffbrandes bargen die Helfer 23 Tote und mehrere Schwerverletzte. Die Zahl der Toten erhöhte sich insgesamt auf 29 - 21 Deutsche und acht   Franzosen. Acht Personen erholten sich in den umliegenden Krankenhäusern langsam von ihren schweren Verletzungen. Trotz des unermüdlichen Einsatzes der Rettungskräfte gelang es erst am nächsten Tag gegen 4:00 Uhr den Brand weitgehend zu löschen. In der Nacht war Ministerpräsident Altmeier angereist, um sich einen Überblick über das Ausmaß des Unglücks zu machen und mit dem zuständigen Landrat die weiteren Bergungs- und Rettungsmaßnahmen zu koordinieren. Der Ministerpräsident stellte eine finanzielle Soforthilfe zur Verfügung und veranlasste die Einsetzung einer Untersuchungskommission, die durch französische Fachleute ergänzt wurde.

Das Unglück von Bitburg, das bei vielen Menschen die Erinnerung an die Explosionskatastrophe in Prüm, am 15. Juli 1949, wieder wachrief, verstärkte die weit verbreitete Besorgnis über die militärischen Anlagen der Besatzungsmächte. Sowohl im rheinland-pfälzischen Landtag wie auch im Bundestag kam es zu einer Erörterung dieser Frage. Die Diskussionen wurden durch das lange Zeit kursierende Gerücht verschärft, dass durch das Unglück bis zu 1.000.000 Liter Kerosin in die Flüsse gelangt sei und mit einer Umweltkatastrophe gerechnet werden müsse. Eine Kommission aus deutschen und französischen Fachleuten stellte allerdings fest, dass nicht, wie die Presse berichtet hatte, der zweite Tank aufgrund der Explosionsgefahr entleert wurde, sondern lediglich aus dem Unglückstank, der Treibstoff abgeflossen war, der nicht verbrannt war. Der Fluss "Nims" wurde geschädigt, aber es kam zu keinem Fischsterben und auch die Trinkwasserversorgung der Region war nicht gefährdet. Trotz dieser Entwarnung der Behörde blieb bei der rheinland-pfälzischen Bevölkerung das Unbehagen über die Möglichkeit von weiteren Unglücksfällen, wie sie in Prüm und Niederstedem vielen Menschen das Leben gekostet hatten.

Quellen

Literatur

  • P. Biertz: Vor 25 Jahren. Katastrophe in Niederstedem, in: Heimatkalender für den Kreis Bitburg-Prüm, 1980, S. 63 - 66.    
  • H. Orth: Der schwarze Tag von Niederstedem, in: Bitburger Heimatkalender, 1956, S. 17 - 19