Der 25. September 1555. Augsburger Religionsfrieden

Der Augsburger Religionsfrieden vom 25. September 1555 hat auch nach 450 Jahren nichts von seiner weltpolitischen Bedeutung verloren. Nach intensiven politischen und religiösen Auseinandersetzungen wurde auf dem Augsburger Reichstag das evangelisch-lutherische Bekenntnis reichsrechtlich zugelassen und damit die Koexistenz beider Glaubensrichtungen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation dauerhaft verfassungsrechtlich anerkannt. Kernpunkt des Friedens war der Grundsatz Cuius regio, eius religio - wessen Land, dessen Religion. Hierdurch konnten die Territorialfürsten für sich und ihre Untertanen über ihre Religion entscheiden, wodurch eine relativ lange Friedensperiode eingeleitet wurde.

"Der Augsburger Religionsfrieden ist eines der bedeutendsten deutschen Verfassungsdenkmäler. Es wurde am 25. September 1555 auf dem Augsburger Reichstag zwischen Karl V., vertreten durch seinen Bruder Ferdinand und den katholischen und protestantischen Reichsständen geschlossen. Mit dem Gesetz wurde das evangelisch-lutherische Bekenntnis reichsrechtlich zugelassen und so zum ersten Mal die Koexistenz zweier verschiedener Glaubensrichtungen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation auf Dauer verfassungsrechtlich anerkannt."

Begonnen hatte die Reformation in Deutschland im Jahre 1517 mit Martin Luthers 95 Thesen. Eine Jahr später sollte er sich auf Anordnung des Papstes in Augsburg einem Verhör durch den päpstlichen Legaten Cajetan stellen. Dem geforderten Widerruf entzog sich Luther durch die Flucht. Der neugewählte Kaiser Karl V. konnte sich über die wachsende Bedeutung der Lehren Luthers nicht hinwegsetzen und musste ihn unter Zusicherung freien Geleits zu dem für 1521 vorgesehenen Reichstag in Worms vorladen. Auch bei diesem letzten Verhör lehnte Luther sowohl am 17. April als auch einen Tag später den Widerruf ab. Daraufhin erließ der Kaiser das Wormser Edikt, das über den Reformator und seine Anhänger die Reichsacht verhängte sowie seine Schriften verbot. Das Edikt konnte allerdings nicht im ganzen Reich durchgesetzt werden. Trotzdem breitete sich der Protestantismus sehr schnell aus, immer mehr Reichsstände bekannten sich zur Reformation, so dass der Streit um den wahren Glauben die Einheit des Reiches zu zerstören drohte. Nach neunjähriger Abwesenheit von Deutschland versuchte Karl V. deshalb 1530 auf einem nach Augsburg einberufenen Reichstag die Frage durch eine Einigung zu klären. Noch auf dem Reichstag in Speyer ein Jahr zuvor war das Wormser Edikt erneut bestätigt worden, so dass sich die Protestanten von dem Augsburger Reichstag ein Entgegenkommen erhofften. Die evangelischen Reichsstände legten ein gemeinsames Lutherisches Bekenntnis, die "Confessio Augustana" vor, die Melanchthon im Auftrage des sächsischen Kurfürsten Friedrich erarbeitet hatte. Dieser maßvoll formulierten Bekenntnisschrift, die mehr die gemeinsamen Überzeugungen als die zwischen den Konfessionen strittigen Punkte betonte, wurde eine Gegenschrift der Altgläubigen entgegengestellt. Es kam zu keiner Einigung, die Confessio Augustana wurde nicht angenommen und Kaiser Karl V. bestätigte noch einmal das Wormser Edikt in seiner Wirksamkeit.

Im Bündnis mit dem Papst und Bayern und einigen protestantischen Fürsten konnte der Kaiser den Schmalkaldischen Krieg gewinnen und versuchte diesen Sieg auf dem sogenannten geharnischten Reichstag, der am 1. September 1547 eröffnet wurde für die endgültige Lösung der Religionsfrage und zur entscheidenden Stärkung der reichsrechtlichen Stellung zu nutzen. Dies scheiterte jedoch an der immer breiter werdenden inneren Opposition im Reich. Die Unzufriedenheit mit den Beschlüssen des Kaisers wuchs immer deutlicher. Die protestantischen Fürsten schlossen sich erneut zusammen und suchten und fanden das Bündnis mit Frankreich. Im Herbst 1551 erklärte Frankreich den Krieg und war mit der Unterstützung der aufständischen Fürsten schnell erfolgreich, so dass der Kaiser schließlich 1552 fliehen musste. Der Bruder des Kaisers, Ferdinand, verhandelte mit den Fürsten und beide Parteien einigten schließlich auf den Passauer Vertrag, in dem auch für die Religionsfrage eine Kompromissformel gefunden werden konnte, die die Grundlage für die Beratungen des Augsburger Reichstages bildete. Damit legte der Vertrag den Zusammenbruch der Verfassungs- und Religionspolitik des Kaisers fest.

Drei Jahre später kamen die Fürsten und Stände unter dem Vorsitz Ferdinands in Augsburg zusammen, um den in Passau vereinbarten Reichstag abzuhalten. Der hier ausgehandelte Religionsfrieden vom 25.9.1555 kam ohne die Mitwirkung von Kaiser und Papst zustande und besiegelte endgültig das Scheitern der Religionspolitik Karls V. Es wurde ein reichsrechtlicher Religionsfrieden ausgearbeitet, der im Rahmen der Landfriedensordnung eine unbegrenzte Gültigkeit festschreibt. Die beiden Konfessionen standen nun gleichberechtigt nebeneinander. Den Reichsständen stand die Wahl ihres Bekenntnisses frei. Die Landesherren bestimmten die Religion ihrer Untertanen, wobei sich diese durch Auswanderung entziehen konnten. ("Cuius regio, eius religio") Die säkularisierten Kirchengüter blieben in der Hand der lutherischen Fürsten und Stände. Geistliche Fürsten, die aber zum Luthertum übertraten, verloren ihr Amt und Ihren Besitz, was allerdings von den Protestanten nicht anerkannt wurde. Dieser Religionsfrieden hat bis heute nicht von seiner weltpolitischen Bedeutung verloren. Er brachte dem Heiligen Römischem Reich Deutscher Nation eine Friedensperiode von sechzig Jahren, während in anderen Teilen Europas die religiösen Auseinandersetzungen blutig weiter geführt wurden.

Quellen

  • LHAKo Bestand 1 C, Nr. 16328 Schmalkaldischer Krieg, Fürstenkrieg gegen Karl V.    
  • LHAKo Bestand 48, Nr. 729 Fürstenopposition und internationale Allianz gegen Karl V.
  • LHAKo Bestand 729 Fürstenopposition und internationale Allianz. Fürstenkrieg gegen Karl V.
  • K. Zeumer: Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Reichsverfassung, Tübingen 1913, S. 188 ff.

Literatur

  • K. Brandi: Kaiser Karl V. - Werden und Schicksal einer Persönlichkeit und eines Weltreiches, Bd. 1, Frankfurt/M 1976, Bd. 2 1976    
  • H. Lutz: Reformation und Gegenreformation. Oldenbourg. Grundriß der Geschichte, Bd. 10, München, Wien 1982
  • H. Pleticha (Hg.): Reformation und Gegenreformation 1517-1618, Deutsche Geschichte, Bd. 6, Gütersloh 1984