Der 24. Oktober 1794. Einzug der französischen Truppen in Koblenz

Am 24. Oktober 1794 nahmen französische Truppen unter General Marceau die Stadt am Zusammenfluss von Rhein und Mosel ein. Damit begann die fast zwanzig Jahre dauernde Herrschaft der Franzosen in Koblenz. Da die Stadt seit Beginn der Revolution zum Zentrum des emigrierten französischen Adels und zum wichtigen Ausgangspunkt der Gegenrevolution geworden war, befürchtete die zurückbleibende Bevölkerung besonders harte Bedingungen durch die Besatzung. Dies traf in Form von Requisitionen, Einquartierungen und der Forderung von Kontributionssummen in enormer Höhe auch tatsächlich zu.

Der Ausbruch der Französischen Revolution im Jahre 1789 hatte natürlich für einen unmittelbar benachbarten Staat wie das Kurfürstentum Trier besondere Auswirkungen. Kurfürst Clemens Wenzeslaus war der Onkel des französischen Königs Ludwig XVI. und sah allein schon aus diesem Grund "in der Revolution eine persönliche und politische Gefährdung". Der Kurfürst ging besonders in Koblenz daher sehr frühzeitig zu einer antirevolutionären Politik über. "Auf diese Weise wurde der in den zwei vorhergehenden Jahrzehnten in Gang gesetzte vorsichtige Modernisierungsprozeß innerhalb von wenigen Monaten in sein Gegenteil verkehrt." Daneben unterstützte der Kurfürst aktiv die Gegenrevolution und machte Koblenz zum Zentrum der Konterrevolution. Seit 1789 strömten französische Emigranten in das Kurfürstentum und blieben meist in Koblenz und der näheren Umgebung. Koblenz wurde zum Zentrum des emigrierten französischen Adels. Seit 1791 befanden sich auch die Brüder des französischen Königs, die Grafen von Artois und von Provence, in Koblenz. Sie wurden zu Schlüsselfiguren der Gegenrevolution. Aufgrund dieser Entwicklung hatte man in Koblenz natürlich besonderen Grund die vorrückenden Truppen der französischen Armee zu fürchten.

Der Vorstoß der französischen Armee im Sommer und Herbst 1794 veranlasste Clemens Wenzeslaus Anfang Oktober zur Flucht, wobei er von den meisten seiner Beamten begleitet wurde. Nachdem zwei Wochen später auch ein großer Teil der kaiserlichen Truppen die Stadt verließ und sich in der Festung Ehrenbreitstein verschanzt hatte, war Koblenz weitestgehend ohne Schutz. "Die Bevölkerung musste freilich zurückbleiben und sollte im wahrsten Sinne des Wortes die Zeche bezahlen". General Marceau stand am 23. Oktober mit seinen Truppen vor Koblenz. Der sehr geringe militärische Widerstand war schnell gebrochen, so dass die Franzosen am 24. Oktober 1794 in die Stadt einziehen konnten. Die Truppen zeigten ihre Abneigung gegen den einstigen Sitz der Emigranten deutlich, was die Bevölkerung veranlasste, sich vorerst sehr zurückzuhalten. Auch bei der Pflanzung eines Freiheitsbaumes vor dem kurfürstlichen Schloss am 26. Oktober, womit symbolisch die Befreiung der Stadt von der Fürstenherrschaft zum Ausdruck gebracht werden sollte, kam es zu keinerlei Beteiligung der Bevölkerung.

Die Hauptaufgabe der Verwaltung in den besetzten Gebieten war die Beschaffung der Mittel, die für die Unterhaltung des französischen Heeres erforderlich waren. Frankreich war durch die Revolutionswirren politisch und wirtschaftlich nicht in der Lage, sein eigenes Heer zu finanzieren. Dementsprechend wurde auf die Erhebung von Kontributionen zurückgegriffen. Die war eine Maßnahme, die in Kriegszeiten allgemein üblich war, um die notwendigen Ausgaben auf die Bevölkerung des feindlichen Staates abzuwälzen. Am 15. November 1794 forderte Bourbotte von den Bewohnern der Stadt Koblenz und der umliegenden Gemeinden eine Kontribution in Höhe von 4 Millionen Livres. Die Stadt selbst sollte 1.500.000 Livres und den Rest die umliegenden Gemeinden aufbringen. Diese Summe überstieg die Leistungsfähigkeit der Bevölkerung bei weitem. "Andererseits wurde die Kontributionssumme ganz bewußt in dieser Höhe angesetzt. Bourbotte versuchte nämlich auf diese Weise, das Geld, das durch die Flucht der adligen und überwiegend reichen Emigranten dem französischen Staat verlorengegangen war, in die Staatskasse zurückzulenken."

Ende 1794 hatte Koblenz nur noch 7.374 Einwohner, die sich auf 1535 Haushalte verteilten. Auf jeden dieser Haushalte entfiel eine durchschnittliche Kontributionssumme von 318 Talern, was das durchschnittliche Jahreseinkommen der meisten Koblenzer bei weitem überstieg. Auch die Bemühungen einer Deputation bei dem Konvent in Paris, eine Ermäßigung zu erreichen, blieben erfolglos. Unter dem Nachfolger Bourbottes, dem Volksrepräsentanten Neveau, der am 4. Dezember sein Amt antrat, wurden die Forderungen noch weiter verschärft. Nachdem sich die Ableistung der geforderten Summen als unmöglich erwiesen hatten, kam es im Februar 1795 zu einer Milderung, aber ein endgültiger Verzicht wurde nicht ausgesprochen. Die Streitigkeiten und Verhandlungen zwischen Koblenz und Frankreich über die Tilgung zogen sich bis in die 20er Jahre, als die Stadt längst preußisch geworden war.

Neben den Kontributionssummen wurden die Menschen in Koblenz während der Besatzung auch durch die Requisitionen, mit denen die Stadt belegt wurde, belastet. Die regelmäßigen Forderungen nach Sachleistungen, wie z. B. Futtergetreide für die Pferde, Schuhe, Kleidung und Heizmaterial waren eine ständige und mehr als unangenehme Belastung für die Bevölkerung. Einschränkungen brachten auch die zahlreichen Einquartierungen mit sich. Soldaten wurden in den Häusern der Bürger untergebracht, die gegen diese Zwangsmaßnahmen so gut wie keinerlei Einspruchmöglichkeiten hatten. Trotz dieser schwierigen Anfangsphase der französischen Herrschaft gab es auch zu diesem Zeitpunkt immer mehr Personen, die ihre Kritik an der alten Herrschaft äußerten und die Veränderungen der Französischen Revolution offen begrüßten.

Quellen

Literatur

  • J. Hansen: Quellen zur Geschichte des Rheinlandes im Zeitalter der Französischen Revolution 1780 - 1801, Bd. 3, 1935
  • K. Julku: Die revolutionäre Bewegung im Rheinland am Ende des 18. Jh., Bd. 2, 1969
  • J. Müller: Die Französische Herrschaft, in: Geschichte der Stadt Koblenz. Bd. 2. Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart, Stuttgart 1993, S. 19 ff.
  • M. Simonis: Französische Kontribution, in: Zeugnisse Rheinischer Geschichte. Urkunden, Akten und Bilder aus der Geschichte der Rheinlande. Festschrift, Neuss 1983