Der 24. Mai 1945. Dr. Hans Fuchs wird in das Amt des Oberpräsidenten des Rheinland-Militärdistrikts eingeführt

Am 24. Mai 1945 wurde Dr. Hans Fuchs, bis zur Machtergreifung Hitlers Oberpräsident der Rheinprovinz, von der amerikanischen Besatzungsmacht zum Oberpräsidenten des amerikanischen Militär-Distrikts ernannt. In dieser Funktion erlebte Fuchs auch die Teilung der ehemaligen Rheinprovinz in eine französische und eine britische Besatzungszone. Er übernahm das Amt des Oberpräsidenten in der neu eingerichteten Nordrheinprovinz, füllte dieses Amt aber nur bis zum 2. Oktober 1945 aus. Die Briten ersetzten die von den Amerikanern eingesetzten Persönlichkeiten durch Leute ihres Vertrauens. Mit Fuchs wurde die letzte Integrationsfigur der Rheinprovinz entlassen.  

"Am Leben von Hans Fuchs aber lassen sich all die Tugenden des korrekten, untadeligen, hochqualifizierten, seinem Volk und seinem Staat unbeirrbar treu dienenden preußischen Beamten illustrieren, der - immer wieder verkannt - gerade in politisch turbulenten Zeiten nicht nur für den Fortbestand der Verwaltung sorgt, sondern Träger einer gesunden Tradition und Garant einer Kontinuität des Rechtes ist." (Heyen) Nach der Einnahme des Rheinlandes durch amerikanische Truppen gehörte Hans Fuchs zu den erprobten Persönlichkeiten der Zeit vor der nationalsozialistischen Herrschaft, die für den zügigen Aufbau neuer Verwaltungsstrukturen herangezogen wurden und den Wiederaufbau mitprägten.

Hans Fuchs wurde am 30. September 1874 in Bickendorf, Kreis Bitburg, geboren. Gemeinsam mit seinen sechs Schwestern und einem Bruder wuchs er auf dem Bauernhof des Vaters auf. Der junge Mann, der 1896 am Gymnasium in Prüm sein Abitur bestand, sollte nach dem Willen der Eltern Priester werden, wandte sich aber auf eigenem Wunsch dem Jurastudium zu. Nach dem Studium in Innsbruck, Berlin und Bonn legte er im Juli 1899 in Köln die 1. juristische Staatsprüfung ab und bestand nach der üblichen Ausbildung und Militärdienstzeit 1905 das Assessorexamen. Es folgte eine erfolgreiche Laufbahn in der landwirtschaftlichen Verwaltung, die allerdings durch den 1. Weltkrieg unterbrochen wurde. Nachdem Fuchs an der Westfront schwere Verletzungen erlitten hatte, wurde er im September 1915 als Referent in das preußische Kriegsministerium berufen und später in das Kriegsamt versetzt. Im Februar 1918, noch vor dem endgültigen Ende des Krieges, wurde er schließlich vom Militärdienst freigestellt und in das Landwirtschaftsministerium versetzt. Die Karriere in diesem Bereich der Verwaltung sollte allerdings nicht sehr lange dauern. Im Januar 1920 wurde der Bauernsohn Fuchs zum Regierungspräsidenten von Trier ernannt. Dieses Amt füllte er weniger als drei Jahre aus, bevor er am 14. Oktober 1922 in sein neues Amt als Oberpräsident der Rheinprovinz eingeführt wurde, "das höchste Amt des preußischen Staates in dieser von den Siegern besetzten Grenzprovinz des Reiches." (Heyen)

In dieser Zeit der Besetzung des Ruhrgebietes durch Frankreich und des passiven Widerstands forderte Fuchs die rheinischen Beamten in einer öffentlichen Erklärung "unzweideutig" zur Treue auf, was ihm den Ausweisungsbefehl und die Abschiebung einbrachte. Von nun an versuchte Fuchs von einem Büro im Landratsamt Wetzlar aus den Kontakt zu seiner Provinz aufrecht zu erhalten. Mit seiner Haltung empfahl sich Fuchs auch für höhere Ämter und wurde 1923 in die von Gustav Stresemann gebildete Große Koalition berufen. Die ursprüngliche Absicht, Fuchs zum Reichsinnenminister zu ernennen, scheiterte, statt dessen erhielt der Rheinländer das neu geschaffene "Reichsministerium für die besetzten Gebiete". Seine Politik der "gangbaren" Lösungen in dieser Position dauerte bis zum Sturz des Kabinetts Stresemann am 23. November 1923. Danach kehrte er als Oberpräsident nach Wetzlar zurück. Am 2. September 1924 wurde die Ausweisung von Fuchs schließlich aufgehoben, so dass er nach Koblenz zurückkehren konnte.

Diese mit vielen organisatorischen Schwierigkeiten belastete Aufbauarbeit konnte Fuchs allerdings nicht sehr lange ausüben. Völlig überraschend wurde der Oberpräsident am 2. Oktober 1945 ohne Angabe von Gründen von den Briten aus seinem Amt entlassen. In der von den Briten herausgegebenen "Neuen Rheinischen Zeitung" wurde am 6. Oktober detaillierter auf die Entlassung eingegangen. Fuchs wurde hier vorgeworfen, er habe nicht zur Zufriedenheit kooperieren und zusammenarbeiten wollen. Darüber hinaus wurden ihm separatistische Ambitionen unterstellt, die er gemeinsam mit Adenauer und französischen Offizieren in Maria Laach geplant habe. Eine solche Zusammenkunft hatte jedoch nie stattgefunden. Es ist eher zu vermuten, dass hinter dieser offiziellen Begründung für die Entlassung die Absicht stand, die von den Amerikanern eingesetzten Persönlichkeiten durch Leute der eigenen Wahl zu ersetzen.

"Durch die rigorose Grenzziehung zwischen Rolandseck und Remagen wurde die Epoche der preußischen Rheinprovinz beendet. ... Mit der Absetzung von Hans Fuchs, der sich vergeblich gegen die Teilung gewehrt hatte, quittierte die letzte Integrationsfigur der ehemaligen Rheinprovinz ihren Dienst." (Simonis) Der ehemalige Oberpräsident zog sich nicht vollständig ins Privatleben zurück. Er arbeitete aktiv und prägend an der Wiederbegründung des Deutschen Kreuzes mit, bevor er am 9. September 1956 starb.

Literatur

  • B. Dorfey: Die Teilung der Rheinprovinz und die Versuche zu ihrer Wiedervereinigung (1945 - 1956). Das Rheinland zwischen Tradition und Neuorientierung. Landschaftsverband Rheinland: Archivberatungsstelle, Köln, Bonn 1993    
  • F.-J. Heyen: Hans Fuchs, in: Aus Politik und Landschaft. Beiträge zur neuen Landesgeschichte des Rheinlandes und Westfalen 3, 1969. Rheinisch-westfälische Politiker vor 1933, S. 169 - 175
  • R. Morsey: Die Deutsche Zentrumspartei 1917-1923, Düsseldorf 1966
  • M. Simonis: Hans Fuchs. Die Absetzung des letzten Oberpräsidenten der Rheinprovinz, in: Zeugnisse rheinischer Geschichte. Urkunden, Akten und Bilder aus der Geschichte der Rheinlande. Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Neuss 1982, S. 136 - 138