Der 21. Oktober 1855. Max Bär, Bewahrer der Vergangenheit, Archivar für Koblenz

Am 21. Oktober 1855 wurde Max Bär in der Niederlausitz geboren. Der Archivar in preußischen Diensten durchlief einen Teil seiner Ausbildung im Staatsarchiv Koblenz, wo seine Fähigkeiten bereits deutlich erkennbar waren. Während seiner beruflichen Laufbahn war er in zahlreichen Archiven tätig, bevor er 1901 die anspruchsvolle Aufgabe erhielt, das neuerrichtete Staatsarchiv in Danzig aufzubauen. Die großen Erfolge, die er hier verbuchen konnte, setzte er als Leiter des Staatsarchivs Koblenz in den Jahren 1912 - 1921 fort. Trotz der erschwerten Arbeitsbedingungen durch Kriegs- und Nachkriegsjahre zeigte sich auch hier sein Blick für das Wesentliche. Eine völlige Umstrukturierung und Neuordnung der umfangreichen Bestände, die bis heute ihre Gültigkeit nicht verloren hat, geht auf sein Engagement zurück. Ganz abgesehen von seiner bedeutenden wissenschaftlichen Arbeit zur Geschichte der Stadt Koblenz und des Rheinlandes hat Bär für die Bewahrung der Vergangenheit dieser Region Entscheidendes geleistet.  

"Bär ist eine energische und gegen sich selbst rücksichtslose Arbeitsnatur, der das, was einem anderen unmöglich scheint, fertig bringt, zwei und drei Arbeiten, von denen jede eine ganze Kraft fordert, gleichzeitig vorzunehmen und zu Ende zu führen. Aber so rücksichtslos er immer gegen sich selbst war, so verständnisvoll ist er stets für die Eigenart jedes, mit dem er zu tun hatte, gewesen. Ich habe es oft mit Freude und mit Rührung beobachtet, wie er unter einer oft künstlich rauhen Schale ein warmes Herz hatte, wie er, der für kräftigen Humor so empfänglich war und schlagfertig eine gute Klinge in einer aber niemals das Maß freundlichen Wohlwollens überschreitenden Satire schlug, wie er für jeden seiner Kollegen, auch den im Wesen grundverschiedenen, das wärmste menschliche Empfinden zeigte, an allem, Freud wie Leid herzlichsten Anteil nahm, und wo er konnte, helfend und fördernd zur Hand war. Jeder von uns hatte stets das Gefühl, einem älteren Freunde gegenüber zu stehen, auf den man rechnen, auf den man sich verlassen konnte." (Kaufmann) Der Mann, der mit diesen Zeilen beschrieben wurde, war mit Leib und Seele Archivar und hat das heutige Landeshauptarchiv Koblenz mit seinen Beständen, die eine Zeit von 1200 Jahren rheinische Geschichte umfassen, entscheidend geprägt.

Mit Engagement und Gewissenhaftigkeit arbeitete sich Bär schnell in die archivische Arbeit und in die Landesgeschichte ein. Er lernte die polnische Sprache und erregte durch seine ersten wissenschaftlichen Publikationen nicht wenig Aufsehen. Anfang 1883 wurde er schließlich nach Koblenz versetzt, wo ihn das ganz andere Tätigkeitsfeld der rheinischen Geschichte im damaligen Regierungsarchiv Koblenz erwartete. In seinen Lebenserinnerungen schreibt Bär über diesen ersten Kontakt mit Koblenz: "Koblenz war damals nicht das, als was es sich heute darstellt. Die Mainzer Straße war wohl mit einigen bewohnbaren Fachwerkhäusern bebaut. Im übrigen war aber alle Wohnmöglichkeit zusammengedrängt in die Festungsumwallung, die von der Eisenbahnbrücke der Mosel her in der Richtung der heutigen Fischelstraße und des Kaiser-Wilhelmringes nach dem Rheine zu verlief. ... Die Räume des Staatsarchivs befanden sich damals noch im alten Regierungsgebäude, an der Stelle wo jetzt der Neubau der Regierung steht. Unsere Arbeitszimmer waren eng. Aber von meinem Arbeitstisch konnte ich den Rhein sehen" Bär war insgesamt 5 ? Jahre in Koblenz und zeigte auch hier seine ungewöhnlich vielfältigen Fähigkeiten, die sich mit einer sehr großen Arbeitsbereitschaft und Belastbarkeit verbanden. Auch in Koblenz zeichnete er sich schnell durch zahlreiche Veröffentlichungen aus, wodurch er auch sein mageres Gehalt aufbesserte. Im Jahre 1886 wurde er schließlich zum Archivar ernannt und in den Beamtenstatus erhoben. Die nächsten Jahre brachten zahlreiche Orts- und Dienststellenwechsel mit sich, die ihn von Hannover über Osnabrück nach Danzig führten. "Wie erstaunlich schnell sich der leicht bewegliche Geist Bärs allen neuen, ihm bis dahin ganz fremden Verhältnissen anzupassen und das für seine Veranlagung und seine Neigungen Geeignete aus der Fülle der Eindrücke herauszuholen verstand, das beweisen die Jahre zwischen 1896 und 1912, wo der wohl am meisten gewanderte preußische Archivbeamte" (Kaufmann) immer wieder versetzt wurde, bis er schließlich 1901 als Leiter das neugegründete Staatsarchiv in Danzig übertragen bekam.

Quellen

Literatur

  • J. Becker: Max Bär 1855 - 1928, in: Koblenzer Heimatblatt. Wöchentliche Sonderbeilage des Koblenzer General-Anzeigers, Nr. 41, 7. Jahrgang.    
  • K. J. Kaufmann: Nachruf auf Max Bär, in: Archivalische Zeitschrift, hg. v. Bayerischem Hauptstaatsarchiv in München, , 1929, S. 306 ff.
  • E. Schaus: Die Umgestaltung des Koblenzer Staatsarchivs, in: Archivalische Zeitschrift, hg. v. Bayerischem Hauptstaatsarchiv in München, 1926, S. 68 - 72
  • E. Schaus: Zum hundertjährigen Bestehen des Staatsarchivs in Koblenz, in: Nachrichten-Blatt für rheinische Heimatpflege, Düsseldorf 1931/32, Heft 11/12, S. 385 ff.
  • E. Schaus: Die Umgestaltung des Koblenzer Staatsarchivs, in: Rheinische Heimatblätter, Koblenz, 1927, Heft Nr. 4; S. 206 f.