Der 21. September 1921. Explosionsunglück bei BASF

Am 21. September 1921 wurde das Oppauer Werk der BASF durch zwei Explosionen fast vollständig zerstört. Wie Tage nach der Explosion festgestellt wurde, war ein Silo, in dem 4.000 Tonnen Ammoniaksulfatsalpeter gelagert waren, ein Stoff der für die Düngemittelherstellung verwendet wurde und als völlig ungefährlich galt, explodiert. Insgesamt fielen mehr als 500 Menschen dieser Katastrophe zum Opfer. Mit großer Anteilnahme der Bevölkerung ganz Deutschlands wurden die Rettungsmaßnahmen und die Hilfeleistungen für die über 1.000 Verletzten eingeleitet. Trotz aller Unterstützungen blieb die Fassungslosigkeit über die Ausmaße dieses Unglücks, das lediglich mit den Zerstörungen während des Zweiten Weltkriegs und mit der Explosion im Jahre 1948 zu vergleichen ist.  

Am 21. September 1921 wurde das Oppauer Werk der BASF von einer gewaltigen Explosion fast vollständig zerstört. Zahlreiche Zeitungen des Rheinlandes berichteten in Extraausgaben über die Katastrophe. Auch im "St. Goarer Kreisblatt" vom 22. September findet sich eine ausführliche Beschreibung der bekannten Fakten, die am 21. September per Telegramm übermittelt worden waren: "Heute morgen gegen 8 Uhr erfolgten kurz hintereinander zwei außerordentlich starke Explosionen, verbunden mit gewaltigen Erderschütterungen, die weit in der Umgebung, sogar in Frankfurt, Mainz und Worms gespürt wurden und Sachschaden an Fenstern usw. anrichteten. [...] Wie nunmehr festgestellt werden konnte, haben beim Schichtwechsel in der alten Fabrik der badischen Anilinwerke A. G. in Oppau, wo die besonders explosivfähigen, stickstoffhaltigen Stoffe hergestellt werden, zwei furchtbare Explosionen stattgefunden. Der Sachschaden ist ungeheuer. Die Zahl der Toten und Verwundeten gehet in die hunderte, konnte aber bisher noch nicht festgestellt werden. Alle verfügbaren Transportmittel wurden an die Unfallstelle beordert, um die Verwundeten abzutransportieren. Die Unglücksstelle ist abgesperrt. Die französische Besatzung hat ihre Pferde nach Gonzenheim abtransportiert und hält sich alarmbereit. Die Gefahr weiterer Explosionen ist zur Zeit noch nicht behoben. Nähere Ermittelungen über Ursache und Umfang der Explosionen stehen noch aus."

Die Spekulationen über das tatsächliche Ausmaß der Katastrophe und ihre Ursache füllten noch einige Tage die regionalen und überregionalen Zeitungen. Am 22. September veröffentlichte die Verwaltung der BASF eine Erklärung, in der darauf aufmerksam gemacht wurde, dass die bisherigen Schilderungen über das Unglück in den Tageszeitungen "vielfach stark übertrieben" waren. "Nach den uns bis gestern abend zugegangenen Nachrichten sind bis jetzt insgesamt 244 Tote zu beklagen. Mit einer weiteren Vermehrung der Zahl der tödlich Verunglückten ist zu rechnen, zumal ungefähr 70 Leute vermißt sind." Auch über die Unglücksursache wurden in dieser Erklärung genauere Angaben gemacht. "Es ist nunmehr einwandfrei festgestellt, dass die Oppauer Explosion in einem Silo stattfand, in dem etwa 4.000 Tonnen Ammoniaksulfatsalpeter lagerten. Vor der Einlagerung des Produktes wurde dasselbe sowohl in der Anilinfabrik sowie anderwärts eingehend untersucht und keinerlei Explosionsgefahr festgestellt, so daß man eine Explosionsgefahr für vollkommen ausgeschlossen hielt. Ueber die näheren Umstände der Entstehung der Explosion ist eine Untersuchung im Gange." Aber trotz dieser direkt nach der Katastrophe eingeleiteten intensiven Untersuchungen und Überprüfungen konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden, wie es zu den verheerenden Explosionen des als harmlos eingestuften Stoffes gekommen war.

Angesichts der zahlreichen Todesopfer, Vermissten und Verletzten trat die Ursachenforschung vorerst in den Hintergrund. Das Werk in Oppau war ein einziges Trümmerfeld. Die Gebäude in der direkten Umgebung des Explosionsherdes waren vollständig verschwunden. "Die Bauten 110 und 111, in denen einige hundert Mann gewesen sein sollen, waren wie vom Erdboden wegrasiert. Wo sie gestanden haben, klafft jetzt ein Trichter, der einen Durchmesser von 100 Metern und eine Tiefe von 50 bis 60 Metern besitzt. Unten sieht man das Grundwasser." Die Rettungsmannschaften aus Ludwigshafen, Mannheim, Frankenthal, Neustadt, Heidelberg und den umliegenden kleineren Ortschaften wurden durch die Gaswolken, die noch tagelang über dem Werk hingen, und durch die Trümmer schwer behindert. Es dauerte Tage, bis die zahlreichen Menschen, die unter den Trümmern verschüttet waren, geborgen werden konnten. Spontan und sehr zügig kam es in ganz Deutschland zu Hilfsaktionen und Sammlungen. Der Oberkommandierende der französischen Rheinarmee stellte alle entbehrlichen Militärärzte für die Versorgung der Verletzten zur Verfügung. Sehr zügig wurden umfangreiche finanzielle Mittel aufgebracht, um die Angehörigen der Opfer unterstützen und die notwendigen Wiederaufbaumaßnahmen durchführen zu können.

Insgesamt wurden mehr als 500 Menschen von der Explosion in Oppau getötet und über 1.000 Menschen verletzt, wie am 27. September bekannt gegeben werden konnte. Bereits zwei Tage vorher war unter Beteiligung von ca. 70.000 Menschen und in Anwesenheit des Reichspräsidenten Ebert, des bayrischen Ministerpräsidenten, des badischen Staatspräsidenten und von Vertretern zahlreicher Behörden und Verbände auf dem Ludwigshafener Friedhof eine Trauerfeier für die Opfer der Oppauer Katastrophe durchgeführt worden. Der Vorstandsvorsitzende der BASF Carl Bosch beschrieb in seiner Trauerrede die Gefühle der Anwesenden und der Betroffenen besonders eindrucksvoll: "Kein Kunstfehler und keine Unterlassungssünde hat die Katastrophe herbeigeführt. Neue, uns auch jetzt noch unerklärliche Eigenschaften der Natur haben all unseren Bemühungen gespottet. Gerade der Stoff, der bestimmt war, Millionen unseres Vaterlandes Nahrung zu schaffen und Leben zu bringen, den wir seit Jahren hergestellt und versandt haben, hat sich plötzlich als grimmiger Feind erwiesen aus Ursachen, die wir noch nicht kennen. Unser Werk hat er in Schutt und Asche gelegt. Aber was ist das alles im Vergleich zu den Opfern, die die Katastrophe gefordert hat! Hier stehen wir ganz machtlos und ohnmächtig, und all das Selbstverständliche, was wir tun können, um die trauernden Hinterbliebenen und die Verletzten zu trösten, ist nichts im Vergleich zu den Verlusten." Für die Badische Anilin- und Sodafabrik blieb der 21. September 1921 ein schwarzer Tag in der sonst so erfolgreichen Firmengeschichte. Lediglich die Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg und durch die Explosion am 28. Juli 1948, bei der 207 Menschen getötet und 3.800 verletzt wurden, waren mit dieser Katastrophe zu vergleichen.

Quellen

Literatur

  • 125 Jahre BASF. Stationen ihrer Geschichte. Ausstellung im Rathaus-Center Ludwigshafen vom 28. April bis 29. Juni 1990, Ludwigshafen 1990    
  • R. Klöpper: Landkreis und Stadt Ludwigshafen a. Rh., Regierungsbezirk Pfalz. Die Landkreise in Rheinland-Pfalz, Bd. 2, Speyer 1957
  • G. Wolf: Die BASF. Vom Werden eines Weltunternehmens. Schriftenreihe des Firmenarchivs der Badischen Anilin- & Soda-Fabrik AG, Ludwigshafen 1970