Der 19. Dezember 1953. Gleichberechtigung und Niedrigwasser in der Rhein-Zeitung

Bis zum Jahre 1953 war die Rhein-Zeitung seit ihrem ersten Erscheinen im Jahre 1946 zu einer der wichtigsten Nachrichtenquellen der Region geworden. Auch in ihrer Ausgabe vom 19. Dezember zeigte die Tageszeitung ihr anspruchsvolles Profil und informierte über alle relevanten Bereiche des öffentlichen Lebens in Koblenz und der Region. Neben einem Artikel betreffend Art. 3, Abs. 2 GG umfasste die Berichterstattung auch Artikel über Verhandlungen wegen einer Weihnachtsgratifikation für Bedienstete des öffentlichen Dienstes, die Flurbereinigung, Fahndungserfolge der Koblenzer Kriminalpolizei und das Rheinniedrigwasser. Abgerundet wurde dieses Informationsangebot u. a. durch Berichte über diverse Weihnachtfeiern und die umfangreichen weihnachtlichen Anzeigen.  

Nachdem Peter Josef Stein die Lizenz erhalten hatte, erschien am 20. April 1946 die erste Rhein-Zeitung mit einer Startauflage von 52.000 Exemplaren. Einen Monat später folgten bereits die ersten Lokalausgaben, so dass dem unaufhaltsamen Erfolg der Rhein-Zeitung nichts mehr im Wege stand. Aufgrund einer Verurteilung zu mehreren Monaten Gefängnis wegen übler Nachrede und falscher Anschuldigungen wurde Stein allerdings von der französischen Militärregierung die Lizenz wieder entzogen. Als neuer Verlagsdirektor gründete Walter Twer gemeinsam mit den Chefredakteuren Oscar Richardt und Michael Weber die Mittelrhein-Verlags GmbH. Am 28. April 1948 wurde erneut die Lizenz zur Herausgabe der Rhein-Zeitung gegeben, am 5. Mai 1948 erschien die Zeitung erstmals mit dem Impressum des neuen Verlages. In den nächsten Jahren konnte das Blatt expandieren und seine Auflage deutlich steigern, so dass sie Ende des Jahres 1953 auf einer gesunden Grundlage stand und für die Region die wichtigste Nachrichtenquelle geworden war.

Diesem Ausflug in den damals noch jungen Alltag des Grundgesetzes folgte auf der zweiten Seite die Berichterstattung über die Verhandlungen betreffend die Weihnachtsgratifikation. Aufgrund einer Initiative der Ministerpräsidenten war es gelungen, eine Einigung zwischen Bundesrat und Bundesregierung herbeizuführen. Danach erhielten die Bediensteten des öffentlichen Dienstes, deren Grundgehalt bzw. -lohn bis 420 DM monatlich betrug eine Weihnachtszuwendung von 15 DM pro Kind. Ministerpräsident Altmeier begrüßte diese Einigung als Beitrag, der hoffentlich dazu führt, dem sozialen Frieden zu Weihnachten wirksam zu dienen. Die folgenden Seiten der Zeitung weisen einen eindeutigen regionalen Schwerpunkt auf. Neben einem Bericht über die Bezirkstagung des Raiffeisenverbandes in Koblenz findet sich hier auch die Rubrik Nachrichten aus Rheinland-Pfalz . Hier erfuhr der Leser, dass der Präsident der Industrie- und Handelskammer Koblenz, F. Ch. Meyer aus Rhens, am 20. Dezember seinen 70. Geburtstag feiern konnte, dass der Weinexport des Bundeslandes deutlich gesteigert worden war und fast 1,5 Millionen DM im Monat umfasste. Darüber hinaus wurde berichtet, dass ein lange gesuchter Trierer Serieneinbrecher im saarländischen Grenzgebiet festgenommen wurde. Abgerundet wird dieser Blick ins Land durch einen umfangreicheren Bericht über die Vollversammlung der Landwirtschaftskammer. Hier spielte die Diskussion um die Zuschussmittel des Bundes für die Flurbereinigung eine wichtige Rolle. Die Flurbereinigung in den Höhengebieten bringt durch die Art der Verteilung der Bundesmittel besondere Härten mit sich. Diese Bundesmittel werden je Hektar Land, das unter die Flurbereinigung fällt, gleichmäßig verteilt ohne Rücksicht darauf, ob es sich um größere und bequem zu vermessende Stücke in der Ebene handelt, oder um Splitterparzellen in den schwer zu vermessenden Berggegenden. Dadurch werden die Gemeinden in unseren Gebirgsgegenden durch die ungedeckten Restbeträge schwerer belastet als anderswo, obgleich die Rentabilität in den Höhenlagen naturgemäß geringer ist. Aus diesem Grunde formulierte die Handwerkskammer ein Schreiben an das zuständige Ministerium mit der Bitte, diese besonderen Härten bei der Bezuschussung zu berücksichtigen.

Den größten Fahndungserfolg seit Jahren konnte die Koblenzer Kriminalpolizei in dieser Ausgabe der Rhein-Zeitung-Rhein melden. Zwei wohlorganisierte Diebesbanden und ein Kreis von Hehlern, der mehr als 30 Personen umfasste, konnten festgenommen werden. Insgesamt 59 Einbrüche in Koblenzer Geschäfte und Privathäuser wurden den Verhafteten zur Last gelegt. Die Banden, die aus jungen Männern im Alter zwischen 18 und 20 Jahren bestanden, erbeuteten insgesamt Diebesgut im Wert von 25.000 Mark. Die Berichterstattung stellt fest, dass die Stadt Koblenz seit 1936 nicht mehr von einem derartigen Bandenwesen unsicher gemacht worden war. Umso größer war die Anerkennung, die die Kriminalpolizei für ihren Fahndungserfolg erhielt. Weniger erfreulich war die Erörterung der Schulraumproblematik, die für den Stadtrat harte Nüsse bedeutete. Nicht weniger als zehn Millionen DM waren in Koblenz erforderlich, um die dringendsten Schulbauprobleme lösen zu können. Aber die Gelddecke ist ein dünnes Gewebe, an deren Enden von vielen Seiten gezerrt wird, so dass der Artikel zu dem Ergebnis kam, dass diese Problematik die Stadt noch lange beschäftigen würde.

Quellen

Literatur

  •  H.-G. Borck (Hg.): Beiträge zu 50 Jahren Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz. Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Bd. 73, Koblenz 1997    
  • Geschichte der Stadt Koblenz, Bd. 2. Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart, hg. von der Energieversorgung Mittelrhein GmbH, Koblenz, Stuttgart 1993
  • H. Kampmann: Koblenzer Pressechronik. 80 Zeitungen aus drei Jahrhunderten, Koblenz 1988