Der 18. Dezember 1851. Verwarnung für den "Allgemeinen Anzeiger"

In der Ausgabe des "Allgemeinen Anzeigers" vom 18. Dezember 1851 kündigte der Verleger Hildenbrandt eine inhaltliche Umgestaltung seiner Zeitung an, die ihre Attraktivität ab Anfang des neuen Jahres deutlich steigern sollte. Hildenbrandt, der in einigen Nummern bereits einen Vorgeschmack auf diese Änderungen gegeben hatte, verstieß damit gegen die Kautionsbestimmungen der preußischen Pressgesetzgebung. Die Behörden nahmen die Ankündigung vom 18. Dezember zum Anlass, sofort aktiv zu werden und konfrontierten Hildenbrandt während einer Vorladung mit seinen Verstößen. Das Blatt beschränkte sich daraufhin wieder auf die kautionsfreie Veröffentlichung von Anzeigen und Mitteilungen, womit es allerdings seine Konkurrenzfähigkeit einbüßte und Anfang 1852 sein Erscheinen einstellen musste.

Der "Allgemeine Anzeiger" wurde seit Anfang des Jahres 1851 in dem Verlag von Jacob Hildenbrandt in Koblenz herausgegeben. Hildenbrandt versuchte als Verleger, Drucker und Redakteur in einer Person mit der Unterstützung durch seinen Sohn die Zeitung auf dem Koblenzer Markt konkurrenzfähig zu machen. Der "Allgemeine Anzeiger" erschien jeden Tag außer montags und hatte einen Umfang von vier Seiten. Der Inhalt setzte sich in erster Linie aus privaten Anzeigen und amtlichen Mitteilungen zusammen. Eine überregionale oder lokalpolitische Berichterstattung suchte man in dem Blatt vergebens. Hildenbrandt umging mit diesem Konzept die sogenannte Kautionspflicht. Diese Kaution, die durch die Pressgesetzgebung des preußischen Staates aus dem Jahre 1850 festgesetzt worden war, betrug zwischen 1.000 und 5.000 Thalern und richtete sich nach der Einwohnerzahl und der Größe des Verbreitungsgebietes. In der Verordnung vom 5. Juni 1850 heißt es "Periodische Blätter, welche lediglich für amtliche Bekanntmachungen, unter Ausschließung aller politischen und sozialen Fragen für rein wissenschaftliche oder technische Gegenstände, Familiennachrichten, Anzeigen über öffentliche Vergnügungen, über Verkäufe, über gestohlene, verlorene oder gefundene Sachen und ähnliche Nachrichten für den gewerblichen Verkehr bestimmt sind, bleiben von der Kautionsbestellung befreit."

Am 18. Dezember 1851 wies Hildenbrandt in seiner Zeitung auf die geplante Umgestaltung hin, die ein neues inhaltliches Programm umfasste. "Der Mangel eines geeigneten Localblattes für Coblenz und Umgebung ist seit längerer Zeit um so fühlbarer hervorgetreten, je mehr die meisten derartigen Blätter den ihnen früher gezogenen Kreis verlassen, die Local-Interessen bei Seite setzen, Humor, Witz und Satyre, sowie jegliches frische und fröhliche Leben aus ihren Spalten verbannen und lediglich der Politik alles Das zum Opfer bringen, was uns nach den Mühen des Tages nicht allein erheitern und beleben, sondern was auch jene Unterhaltung bieten soll, die Geist und Gemüth in gleichem Maße befriedigt. In diesem Sinne werden wir mit dem bevorstehenden Quartale unserem Blatte [...] eine Richtung geben, die, außer einer gediegenen Unterhaltungs-Literatur sowohl alle bezüglichen Local-Interessen, als auch humoristische Mittheilungen aus dem täglichen Leben und alles Das in ihren Kreis ziehen wird, was Laune und Frohsinn uns bieten."

Da es dem Verleger nicht möglich war, eine Kaution in der vorgeschriebenen Höhe aufzubringen, konnte nach dieser Verwarnung die geplante Umgestaltung des Blattes nicht durchgeführt werden. Die Beschränkungen gingen aber noch weiter. Auch die kleineren Artikel und Berichte und der Fortsetzungsroman, der für einen größeren Absatz der Zeitung gesorgt hatte, hatten den gesetzlichen Einschränkungen zu weichen. In den folgenden Nummern reduzierte Hildenbrandt seine Zeitung wiederum vor allem auf Anzeigen und Mitteilungen. Es zeigte sich allerdings sehr schnell, dass das Blatt in dieser Aufmachung nicht überlebensfähig war. Die Konkurrenz durch die "Coblenzer Zeitung", die seit 1850 in der Krabbenschen Buchdruckerei erschien, war zu stark. Anfang 1852 musste der "Allgemeine Anzeiger" sein Erscheinen einstellen.

Das neue Konzept der Zeitung, das Hildenbrandt seit Anfang Dezember nach und nach durchzusetzen versuchte und für den Beginn des neuen Jahres offiziell ankündigte, erregte sofort die Aufmerksamkeit der zuständigen Behörden. Noch am 18. Dezember machte ein Schreiben der Bezirksregierung den damaligen Oberbürgermeister der Stadt Koblenz, Bachem, auf die offensichtlichen Verstöße des "Allgemeines Anzeigers" gegen die Pressgesetzgebung aufmerksam. "Der hier erscheinende Allgemeine Anzeiger beschränkt sich seit längerer Zeit nicht auf die in § 17 des Preßgesetzes erwähnten Bekanntmachungen und Nachrichten, sondern wird in der Weise eines Unterhaltungsblattes redigiert." Bachem wird beauftragt, den Verleger diese Verstöße mitzuteilen und ihm zu erklären, dass bei einem Wiederholungfall eine umfassende Untersuchung eingeleitet werde. Durch ein Schreiben des Landrats von Cochem an die Bezirksregierung vom 20. Dezember ergab sich zusätzlicher Handlungsbedarf. Der "Cochemer Anzeiger" war von der zuständigen Polizeibehörde ebenfalls wegen Nichtbeachtung der Kautionsregelungen verwarnt worden. Der Herausgeber verteidigte sich mit dem Hinweis, der "Allgemeine Anzeiger" "unterhalte seine Leser mit ähnlichen Inhalten" und zahle auch keine Kaution. Als Beweis wurden mehrere Ausgaben des Blattes vorgelegt. Dieser Vorfall verstärkte die Auffassung der Bezirksregierung, dass ein Vorgehen gegen den "Allgemeinen Anzeiger" erforderlich sei. Hildenbrandt wurde am 29. Dezember auf das "königliche Polizeiamt" in Koblenz geladen und über die Sachlage aufgeklärt.

Quellen

Literatur

  • M. Bär: Aus der Geschichte der Stadt Koblenz 1814/1914, Koblenz 1922    
  • Geschichte der Stadt Koblenz. Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart, hg. v. der Energieversorgung Mittelrhein GmbH, Koblenz, Stuttgart 1993
  • H. Kampmann: Koblenzer Presse-Chronik. 80 Zeitungen aus drei Jahrhunderten, Koblenz 1988
  • K. Kruchen: Die Zensur und deren praktische Anwendung bei rheinischen Zeitungen in der vormärzlichen Zeit 1814 - 1848, in: Düsseldorfer Jahrbuch, 34. Band, 1928. Beiträge zur Geschichte des Niederrheins, Düsseldorf 1929