Der 18. November 1874. Die Einweihung der ersten festen Moselbrücke zwischen Bernkastel und Kues

Bereits im Jahre 1847 begannen die Bemühungen der Bernkasteler Bevölkerung, eine Genehmigung für den Bau einer Moselbrücke zu erreichen. Aber erst die Erfahrungen aus dem deutsch-französischen Krieg brachten die preußische Regierung zu der Erkenntnis, daß ein fester Moselübergang zweckmäßig und notwendig sei. Am 18. November konnte die neue Brücke nach zweijähriger Bauzeit feierlich übergeben werden. Den nicht wenigen schweren Belastungen hielt das Bauwerk stand bis es in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 gesprengt wurde. Erst 1947 konnte die Brücke wiedererrichtet und 1953 ausgebaut werden.

Anläßlich seiner Reise von Koblenz nach Trier besuchte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. am 19. September 1847 auch den Moselort Bernkastel. Die Bewohner der Stadt nutzten die Anwesenheit des seltenen Gastes und ließen von Koblenzer Pionieren zwischen Bernkastel und Kues eine Schiffsbrücke errichten. Hierdurch sollte eine bequeme Überfahrt des Monarchen gewährleistet werden und man hoffte, ihm deutlich machen zu können, wie notwendig und sinnvoll eine Brücke über die Mosel bei Bernkastel sei. Die Hoffnungen, die auf die Unterstützung durch den hohen Besuch gesetzt wurden, erfüllten sich allerdings nicht.

Erst die kriegerischen Auseinandersetzungen des deutsch-französischen Krieges von 1870/71, die die strategische Bedeutung einer Moselbrücke zeigten, führten schließlich zum Engagement der preußischen Obrigkeit in dieser Frage. Die beiden Schiffsbrücken, die bei Kriegsbeginn von Pionieren gebaut worden waren und nur militärischen Zwecken gedient hatten, wurden zwar mit der Beendigung des Krieges wieder abgebrochen, aber eine positive Entscheidung für eine feste Brücke ließ jetzt nicht mehr lange auf sich warten. Mit Erlass vom 9. Februar 1871 teilte das Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten mit, "... daß eine stehende Brücke über die Mosel im Zuge der Trier-Mainzer-Staatsstraße bei Berncastel und zwar mit massiven Pfeilern und eisernem Oberbau auf Staatskosten ausgeführt werde ..."

Im Jahre 1872 konnte mit dem Bau der ersten festen Brücke begonnen werden. Der Brückenbau, der zwei Todesopfer forderte, konnte im September 1874 mit einer erfolgreichen Probefahrt eines von vier Pferden gezogenen Lastwagens abgeschlossen werden. Am 18. November 1874 fand die feierliche Eröffnung statt. Am 22. November 1874 berichtete die Bernkasteler Zeitung über die Feierlichkeiten, an denen auch der Oberpräsident der Rheinprovinz von Bardeleben teilnahm. "Am Vorabend des 18. November war die Braut-Toilette der Brücke, welche am anderen Tage dem Verkehr vermählt werden sollte, vollendet, sie bot im grünen Fichtenkranz, mit der Krone geschmückt, mit den reichen Girlanden aus winterlichem Waldesgrün, in der Fahnenpracht der Hunderte von Fahnen und Wimpel einen überaus schönen Anblick."

Im Jahre 1953 stellten die alliierten Militärbehörden nach langwierigen Verhandlungen das notwendige Baumaterial zur Verfügung, um die Brücke zweispurig zu erweitern. Der vorerst letzte Umbau in der wechselvollen Geschichte der Brücke wurde in den Jahren 1993 bis 1995 durchgeführt. Die Einweihung dieser völlig neuen Brücke konnte am 18. August 1995 gefeiert werden.

Quellen

Literatur

  • Bernkastel-Kues in Geschichte und Gegenwart. Festschrift zum 700-jährigen Stadtjubiläum 1991. Herausgegeben von der Stadt Bernkastel-Kues, Bernkastel-Kues 1991
  • Der Kreis Bernkastel Wittlich. Herausgegeben in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt, Oldenburg 1973
  • S. Kritten: Eine Phase des Aufschwungs - die Zeit von 1870/71 bis 1914/15 in ihrer Bedeutung für die Geschichte der Stadt Bernkastel(-Kues), in; Bernkastel-Kues in Geschichte und Gegenwart. Festschrift zum 700-jährigen Stadtjubiläum 1991, S. 317 - 338
  • H. Schroeder: Brücken, Zeugen der Geschichte. 1872/74 wurde die erste feste Brücke von Bernkastel nach Kues gebaut, in; Jahrbuch für den Kreis Bernkastel-Wittlich, 1977,Wittlich 1977, S. 124 - 128
  • F. Schmitt: Chronik von Cues. Herausgegeben von der Stadt Bernkastel-Kues, o. O. 1982